Kaum ebbt die Aufmerksamkeit für den Krieg in der Ukraine etwas ab, lässt eine neue Aussage aus Moskau aufhören: Hat der Kreml seine Kriegsziele heimlich zurückgeschraubt? Während an der Front weiter gekämpft wird und selbst eine vereinbarte Feuerpause scheitert, deutet Kremlsprecher Dmitrij Peskow nun an, dass es im territorialen Konflikt nur noch um „wenige Kilometer“ gehen könnte.
Konkret erklärte Peskow in einem Interview mit dem Staatssender „Rossija 1“, dass Russland „grob geschätzt“ noch etwa 17 bis 18 Prozent der sogenannten „Volksrepublik Donezk“ einnehmen müsse. Sobald die russischen Truppen die Verwaltungsgrenzen erreicht hätten, könnten die Kriegshandlungen enden, so der Sprecher.
Abkehr von maximalen Kriegszielen?
Beobachter werten diese Aussagen als mögliches Signal für eine Abschwächung der bisherigen Kriegsziele. Kremlchef Wladimir Putin hatte bislang stets auf der vollständigen Kontrolle von vier ukrainischen Regionen bestanden: Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja.
Peskows Aussagen lassen nun jedoch den Schluss zu, dass sich Moskau aktuell vor allem auf die vollständige Kontrolle von Luhansk und Donezk konzentrieren könnte.
Frontlage bleibt weiter festgefahren
Die militärische Lage bleibt dabei unverändert komplex: Während Russland die Region Luhansk seit dem Sommer 2022 weitgehend kontrolliert, sind Teile von Donezk weiterhin umkämpft. In Saporischschja hält Russland lediglich Gebiete im Süden, die gleichnamige Großstadt steht unter ukrainischer Kontrolle. In Cherson wiederum konnte die Ukraine bereits 2022 im Zuge einer Gegenoffensive Gebiete zurückerobern. Ungeachtet dessen betrachtet Russland alle vier Regionen laut eigener Verfassung weiterhin als Teil seines Staatsgebiets.
Feuerpause scheitert an Hunderten Angriffen
Parallel dazu zeigt sich, wie fragil selbst kurzfristige Waffenruhen sind. Die über das orthodoxe Osterfest vereinbarte 32-stündige Feuerpause hielt nicht: Beide Seiten warfen sich massive Verstöße vor. Die ukrainische Armee meldete fast 2300 russische Angriffe, darunter Dutzende direkte Attacken sowie Hunderte Bombardements und Drohnenangriffe. Moskau sprach seinerseits von rund 2000 ukrainischen Verstößen, darunter Artilleriebeschuss, Drohnenattacken und mehrere Vorstoßversuche entlang der Front.
Keine Verlängerung der Waffenruhe
Eine Verlängerung der Feuerpause lehnte der Kreml ab. Peskow erklärte, ein dauerhafter Frieden sei nur möglich, wenn Russland seine Interessen sichere und die ursprünglich gesetzten Ziele erreiche. Dies sei „buchstäblich schon heute möglich“, sofern die Ukraine die bekannten Bedingungen akzeptiere. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte hingegen eine Verlängerung der Waffenruhe vorgeschlagen und betont, dass ein weiterer Kriegsverlauf vor allem von Russlands Entscheidungen abhänge.
Zwischen Hoffnung und harter Realität
Trotz einzelner ruhigerer Abschnitte an der Front – etwa im Raum Charkiw, wo Soldaten laut ukrainischen Angaben zeitweise sogar eine Ostermesse im Freien feiern konnten – bleibt die Gesamtlage angespannt. Die gescheiterte Feuerpause und die widersprüchlichen Signale aus Moskau unterstreichen, wie weit ein nachhaltiger Frieden weiterhin entfernt ist.
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