Kritik von AK

Karenz: Väterbeteiligung läuft im „Schneckentempo“

Österreich
02.06.2026 13:03
Porträt von krone.at
Von krone.at

Karenz ist immer noch Frauensache: Die Arbeiterkammer (AK) Wien hat am Dienstag das „Schneckentempo“ bei der Beteiligung von Vätern beklagt.

Von einer annähernd gleichen Aufteilung seien die meisten Paare noch weit entfernt, hieß es bei einer Pressekonferenz. Immerhin konnte ein zuletzt rückläufiger Trend gestoppt werden, ergab das aktuelle AK-Wiedereinstiegsmonitoring von L & R Sozialforschung. Der Anteil der Männer an Personen in Kinderauszeit lag zuletzt bei 18,8 Prozent.

„Ganz viel Luft nach oben“
Ebenso erhoben wurde die Nutzung von Familienzeitbonus, also etwa Papamonat, und der Wiedereinstieg von Frauen in den Beruf. Es gelte, die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Job zu verbessern, sagte AK-Präsidentin Renate Anderl. Zwar gebe es einzelne positive Entwicklungen, bei der Väterbeteiligung aber immer noch „ganz viel Luft nach oben“.

AK-Präsidentin Renate Anderl
AK-Präsidentin Renate Anderl(Bild: Mario Urbantschitsch)

Deshalb fordert die Arbeiterkammer den Ausbau „ganztägiger und ganzjähriger Kinderbildungseinrichtungen“. Ab dem ersten Geburtstag eines Kindes müsse es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz geben, so Anderl. Daneben müsse es in der Gesellschaft, aber auch bei Unternehmen ein Umdenken geben. „Das muss einfach klar sein, dass sich Leute eine Auszeit nehmen.“

Vergleichswerte ab 2006
Das Wiedereinstiegsmonitoring untersucht den Zeitraum ab 2006 bis 2023. Da Karenzen auch noch drei Jahre nach Geburt eines Kindes möglich sind, sei diese verzögerte Betrachtung notwendig, erklärte Veronika Adensamer von der Abteilung Frauen und Gleichstellung der AK Wien. Der Anteil der Männer an den zuvor überwiegend beschäftigten Personen in Kinderauszeit betrug im Jahr 2023 18,8 Prozent. Auf den Höchststand 2017 mit 20,4 Prozent folgte ein Absacken, seit 2021 geht es wieder bergauf.

Positives zum Familienzeitbonus
Als positiv bewertet die AK, dass der Familienzeitbonus seit 2023 nicht mehr auf das Kinderbetreuungsgeld angerechnet wird. Auch die damalige Verdoppelung des Bonus auf 47,82 Euro pro Tag zeige Wirkung. So stieg der Anteil der Familienzeitbonus-Bezieher von 2022 auf 2023 um rund vier Prozentpunkte auf 15,3 Prozent. Viele würden allerdings noch gar nichts von dieser Möglichkeit wissen, so Adensamer.

Wachstum beim Wiedereinstieg
Beim Wiedereinstieg von Frauen in den Job habe es zuletzt ein kontinuierliches Wachstum gegeben. Väter würden hingegen schnell wieder ihre Arbeit aufnehmen. Neun Prozent der zuvor überwiegend beschäftigten Männer bleiben mehr als sechs Monate zu Hause. „Zudem zeigt sich, dass zunehmend besserverdienende Männer in Karenz gehen und sie auch überwiegend das einkommensabhängige Modell in Anspruch nehmen“, sagte Adensamer.

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