
Sie hat eine zarte Stimme, aber eine erhebliche Reichweite: Die 45 Jahre alte Russin Xenia Fedorova gilt als das Sprachrohr von Kreml-Chef Wladimir Putin in Frankreich. Für die französische Regierung ist Fedorovas Anwesenheit in dem Land zunehmend peinlich.
In den vergangenen Jahren baute Fedorova ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung immer weiter aus. Dabei half ihr vor allem der erzkatholische, politisch rechtsaußenstehende Milliardär, Unternehmer und Medienmogul Vincent Bolloré. Der Fall Fedorova beschäftigt derzeit auch die französische Regierung.
Die gut vernetzte Russin sei eine „ausgewiesene Propagandistin, die die Desinformationen des Kremls weiterverbreitet“, kritisierte Außenminister Jean-Noël Barrot kürzlich. „Sendezeiten und Zeitungsspalten für sie freizuräumen, bedeutet, Wladimir Putins Suppe zu servieren“, fügte er hinzu.
Die Tochter eines russischen Militärs und einer erfolgreichen Geschäftsfrau war nach Stationen in Wien und Berlin 2014 nach Frankreich gekommen, um dort die Niederlassung des Pro-Putin-Senders Russia Today (RT) aufzubauen. Entsandt hatte sie die oberste Chefin des Senders persönlich: Margarita Simonian, Vertraute des russischen Präsidenten.
Sendezeiten und Zeitungsspalten für sie freizuräumen, bedeutet, Wladimir Putins Suppe zu servieren.

Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot
Bild: AFP/THIBAULT CAMUS
Macron zieht rote Linie
Schon als RT-Korrespondentin fiel Fedorova in Frankreich auf: Präsident Emmanuel Macron kanzelte sie 2017 während einer Pressekonferenz ab, in der sie sich beschwerte, keinen Zugang zu seinem Wahlkampfbüro gehabt zu haben. „Wenn Medien verleumderische Unwahrheiten verbreiten, dann beschäftigen sie keine Journalisten, sondern Propaganda-Instrumente“, sagte Macron.
Sicherer Hafen bei Bolloré
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verbot die EU die Verbreitung des Senders RT, die französische Filiale machte Anfang 2023 dicht. Mehrere Mitarbeiter in Frankreich fanden Zuflucht in Medien des rechtsgerichteten Unternehmers Bolloré. Fedorova bekam regelmäßige Sendezeit auf CNews, eine wöchentliche Kolumne in der Zeitschrift „JDNews“ und moderiert zudem eine Sendung über orthodoxe Kirchen in Frankreich. Innerhalb weniger Monate erreichte sie ein Millionenpublikum, von dem sie bei dem Nischensender RT nur hätte träumen können.
Dies bietet der Russin mit der sanften Stimme regelmäßig die Gelegenheit, die offizielle Sichtweise Moskaus zu verbreiten. Den Ukraine-Krieg bezeichnet sie kreml-treu als „Spezialoperation“. Europa wirft sie vor, den „Konflikt aus Eigeninteresse in die Länge zu ziehen“. Und die Annexion der Krim-Halbinsel nennt sie „Wiedervereinigung“ mit Russland.
Wenn Medien verleumderische Unwahrheiten verbreiten, dann beschäftigen sie keine Journalisten, sondern Propaganda-Instrumente.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
Bild: EPA/LUDOVIC MARIN / POOL
Auf Tauchstation
Fedorova äußert sich nicht zu den Vorwürfen, Propaganda zu verbreiten. Eine Anfrage der AFP ließ sie unbeantwortet. Nebenher baut sie ihren Einfluss weiter aus: Nach Recherchen der Zeitung „Le Monde“ hat sie in Bolloré-Medien mehrfach die Entlassung von Kollegen erreicht, die ihr nicht passen. Und sie verschafft sich erfolgreich Zugang zu politischen Zirkeln, die auf den Wahlsieg des Rechtspopulisten Jordan Bardella bei der Präsidentschaftswahl nächstes Jahr in Frankreich setzen.
Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie in einem Bolloré-Verlag ein Buch, in dem sie sich als Opfer der ihrer Ansicht nach in Frankreich eingeschränkten Meinungsfreiheit darstellt. Gewidmet war es ursprünglich „Vincent, ohne den ich es nie allein geschafft hätte“. „Danke für Deine Unterstützung, Deinen Schutz und Deine Präsenz an meiner Seite in den schwierigsten Momenten“, hieß es weiter in der Widmung – die laut „Le Monde“ in der Druckfassung jedoch verschwunden war.
Affäre um Verlängerung von Aufenthaltsgenehmigung
Die Russin, die von der linken Opposition als „Agentin“ bezeichnet wird, hatte 2024 ihre Aufenthaltserlaubnis um zehn Jahre verlängert bekommen – eine ungewöhnliche Maßnahme, nachdem ihr Sender RT im Jahr zuvor verboten worden war. Nun will allerdings niemand dafür verantwortlich gewesen sein, Justiz- und Innenministerium schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu.
Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl wirft die Affäre auch ein Schlaglicht auf die Rolle des 74 Jahre alten Geschäftsmanns Bolloré: Die zahlreichen rechtslastigen Medien seines Imperiums haben Bardella bereits an die Schwelle zur Macht gebracht. Falls der Rechtspopulist diese 2027 überschreiten sollte, dann hätte er dies zu einem gewichtigen Teil auch Bolloré zu verdanken.
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