Kaution futsch, Wohnung auch. Mit über 80 Jahren soll ein betagter Herr im Tiroler Nobelbezirk Kitzbühel zumindest zwölf Personen getäuscht haben. Ein Opfer erzählt im „Krone“-Gespräch von Kuriositäten und der offenkundig einträglichen Masche des Verdächtigen.
Gewerbsmäßiger Betrug in Oberndorf (im Bezirk Kitzbühel) – so der Titel einer Polizeimeldung, die kürzlich veröffentlicht wurde. Darin wird von einem 81-Jährigen berichtet, der mindestens zwölf Personen eine Wohnungsvermietung vorgetäuscht haben soll. Schaden: rund 50.000 Euro.
„Ich bin überzeugt, dass es weit mehr Opfer gibt“, sagt Frau Seiler (Name geändert). Die Dame geriet selbst in die Fänge des geschickten „Schmalspur-Immobilien-Jongleurs“. In den Bezirken Kitzbühel und Kufstein sei der Verdächtige schon geraume Zeit aktiv und amtsbekannt gewesen. Was die Frau besonders ärgert: „Wenn ich die Machenschaften des Herrn angesprochen habe, hieß es oft verharmlosend: ,Er ist halt ein kleiner Strizzi.‘“
Wenn ich die Machenschaften des Herrn angesprochen habe, hieß es häufig verharmlosend: „Er ist halt ein kleiner Strizzi.“
Frau Seiler
Verdächtiger sitzt jetzt in Untersuchungshaft
Mittlerweile ist klar: da steckt mehr dahinter. So viel, dass die Staatsanwaltschaft Innsbruck Untersuchungshaft über den Verdächtigen verhängte, wie Sprecher Hansjörg Mayr gegenüber der „Krone“ bestätigt. Was sich Frau Seiler fragt: „Warum haben die Ermittlungen so lange gedauert? Da wurde zu lange zugeschaut.“ Viel Schaden hätte verhindert werden können, ist die Frau überzeugt: „Nach meiner Anzeige hat er ungeniert weiter online inseriert.“
Die Masche war simpel, aber sehr effektiv
Die Masche des 81-Jährigen war offenbar einfach, aber durchdacht. „Die angebotene Wohnung war für Kitzbüheler Verhältnisse attraktiv, aber kein unrealistisches Schnäppchen“, erinnert sich die Unterländerin. Zu einer Besichtigung kam es aber nicht. Die Wohnung sei schon weg, er habe aber eine Alternative, lautete die Ausrede. Die Alternative war die Wohnung des Verdächtigen, der angab, umziehen zu müssen. Nach der Besichtigung wurde auf die Zahlung einer Kaution gedrängt.
„Dann fing ein nervenaufreibendes Hin und Her an. Immer wieder wurde ich vertröstet“, schildert die Frau. Sie zog schließlich die Reißleine, verlangte die Kaution zurück. „Ich habe extrem Druck gemacht, bis er das Geld herausrückte“, berichtet Frau Seiler. Ihr Schaden sei daher bis auf ein paar Ausgaben gering. Andere hatten weniger Glück. Die von der Polizei genannte Schadenssumme beweist das.
Frau Seiler ist mit anderen Opfern in Kontakt. Und sie hat Erkundigungen angestellt. „Bei dem, was ich da erfahren habe, wundert es mich schon, dass es mit der Verhaftung so lange gedauert hat.“ Wie schätzt sie das kriminelle Potenzial des 81-Jährigen ein? „Er hat es einfach probiert: Wenn’s klappt, gut, wenn nicht, dann tat er recht unschuldig und zog weiter.“
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