Albin Pichler tourte über sechs Jahrzehnte mit Kulissen und Figuren durch die Lande – nun ist aber Schluss. Er sucht einen neuen Besitzer für rund 400 Figuren, darunter 120 Jahre alte „Traditionsfiguren“ mit geschnitzten Holzköpfen. In der „Krone“ erzählt er, wie er zum Puppenspieler geworden ist.
Seine Hände können König, Teufel und Prinzessin zum Leben erwecken: Albin Pichler war viele Jahrzehnte ein beliebter Puppenspieler.
Er zog auch die richtigen Fäden, um dem Kasperl Herz und Seele einzuhauchen, und begeisterte Generationen von Kindern mit herzenswarmen Geschichten.
In den Beruf wurde er hineingeboren: „Meine Großeltern waren schon Puppenspieler. Sie sind noch mit einem Schaustellerwagen herumgefahren, den zwei Pferde gezogen haben“, erinnert er sich. Weil seine Mutter früh verstarb und „der Vater im Krieg geblieben ist“, wuchs Pichler bei den Großeltern auf und fuhr mit. „Ich bin mit den Figuren und den Geschichten aufgewachsen,“ sagt er.
Bereits in jungen Jahren übernahm er dann die „Oberösterreichische Puppenbühne“: „Ich kaufte mir einen Kombi, packte alles hinein und tourte durch Österreich, Deutschland und die Schweiz.“
Theater mit mündlicher Tradition
Was hat er gespielt? „Viele Geschichten, ich hatte sie von den Großeltern gelernt – sie wurden nur mündlich weitergegeben“, lässt er in die Familientradition blicken. Und: „Viele Kasperliaden habe ich mir auch selbst geschrieben. Mein Leben hätte völlig anders laufen können – aber ich war glücklich mit dem Beruf. Ich habe mich richtig hineingelebt.“
In Volkshäusern, Schulen oder Märkten spielte Pichler Volksmärchen, Kasperlgeschichten oder auch Stücke für Jugendliche und Erwachsene, u. a. mit Marionetten: „Der Alpenkönig und der Menschenfeind von Raimund war sicher mein Lieblingsstück für die Älteren.“
Die Figuren „schlummern“ in Kästen
Jetzt schlummern rund 400 Figuren – Marionetten, Stab- und Handpuppen – in Pichlers Atelier in Pucking: „Es sind großteils Traditionsfiguren mit handgeschnitzten Holzköpfen, die Kleidung wurde genäht. Ihr Aussehen hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Die älteste Figur ist um die 120 Jahre alt.“
Pichler sucht einen Käufer für die Kulissen und Figuren, denn die Puppenbühne, mehrere Generationen in Familienhand, wird nun nicht mehr weitergeführt (Kontakt: o.marionette@gmx.at)
Was wird er besonders vermissen: „Die Kinder und ihre Begeisterung für den Kasperl. Mir ging immer das Herz auf, wenn sie sich so verzaubern lassen. Und das Gute siegt über das Böse – das war mir immer wichtig.“
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