2,4 Mio Euro Schaden

Großer Kryptobetrug beschäftigt die Linzer Justiz

Oberösterreich
02.06.2026 12:00
Porträt von Krone Oberösterreich
Von Krone Oberösterreich

35 Seiten lang ist die Anklage, die die Staatsanwaltschaft Linz gegen zwei Oberösterreicher erhoben hat. Die Vorwürfe gegen einen HAK-Absolventen (31) und einen gelernten Maschinenbauer (33) wiegen schwer: Das Duo soll 312 Anleger um insgesamt 2,39 Millionen Euro geprellt haben. Diese hatten das Geld investiert, um im Großraum Linz eine Serverfarm aufzubauen, mit der Kryptowährungen wie Ethereum oder Bitcoin zu schürfen.

Lambos und Privatjets
Das sei der Staatsanwaltschaft zufolge auch geschehen, aber nicht annähernd in ausreichendem Ausmaß, um den Kunden etwas zurückgeben zu können. Alleine die Stromkapazität am Standort hätten bei weitem nicht ausgereicht. Doch die beiden hätten das Geld ihrer Anleger teils einfach verprasst: So hätten sie in Sozialen Medien mit Lamborghinis, Nächten in teuren Hotels und Privatjet-Flügen nach Dubai geprahlt. Obwohl das Projekt von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden war, sollen die beiden Angeklagten sechsstellige Summen Bargeld oder Krypto-Währungen entnommen worden sein. Fast 700.000 Euro seien an Gehältern oder Provisionen ausgezahlt worden sein.

Zahlreiche Gutachten
Chaotische Kassenbelege seien damit begründet worden, dass sich der Lehrling „beim Eintippen vertan habe“, und für die Serverfarm selbst sei ein gelernter Koch zuständig gewesen. Die Machenschaften seien in den Jahren 2017 und 2018 geschehen. Aufgrund des unglaublich umfangreichen Datenmaterials dauerte die Auswertung, obendrein mussten zahlreiche Gutachten eingeholt werden. Am ersten Prozesstag bekannten sich die beiden Männer nicht schuldig. Ihr Anwalt betonte, dass in diesen beiden Jahren Kryptowährungen um bis zu 90 Prozent eingebrochen seien, also ein Scheitern nicht von vorneherein anzunehmen gewesen sei. Ein Täuschungs- oder Bereicherungsvorsatz habe nicht vorgelegen. Außerdem habe es nach der Insolvenz Sanierungsmaßnahmen gegeben, mit denen sich Betrüger nicht aufhalten würden.

Vergleich mit Elon Musk
Sogar einen Vergleich zum umstrittenen US-Tech-Milliardär Elon Musk bemühte der Verteidiger – ob dieser auch vor einem Strafgericht hätte sitzen müssen, wenn er mit dem Elektroautohersteller Tesla bankrottgegangen wäre? Der Erstangeklagte sah die Lage sowieso ganz anders: Sie selbst seien von den Investoren getäuscht worden – die hätten nämlich drei Millionen Euro versprochen, dann aber nicht mehr gezahlt. Außerdem sei bei zahlreichen Informationsveranstaltungen ganz klar darauf hingewiesen worden, dass Totalverluste immer möglich seien, so der 33-Jährige. Insgesamt sind vier Verhandlungstage anberaumt – ein Urteil wird erst am 10. Juni erwartet. 

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