Trauer um eine Schauspiel-Legende: Mario Adorf ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Das berichtet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf sein Management.
Wie die deutsche Zeitung schrieb, habe Adorfs Manager sowie die Filmagentur Reinholz die traurige Nachricht geteilt. Der Schauspieler sei demnach am Mittwochvormittag nach kurzer Krankheit in seiner Wohnung in Paris eingeschlafen.
Dank an sein Publikum
Seinem langjährigen Manager Michael Stark, der die Schauspiel-Ikone noch kürzlich besuchte, habe Adorf mit auf den Weg gegeben, dass er sich bei seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue bedankt.
Adorf wirkte in vielen Theater-, Kino- und Fernsehproduktionen mit. In Erinnerung wird er durch zahlreiche Klassiker wie „Die Blechtrommel“, „Winnetou“ oder „Der kleine Lord“ sowie durch seine Rolle in der Kult-Serie „Kir Royal“ bleiben.
Er hinterlässt seine französische Ehefrau Monique sowie seine Tochter Stella aus erster Ehe und Enkel Julius.
Vom Klassenclown zum Schauspielstar
Eine Schauspielkarriere zeichnete sich in Adorfs Jugend im kleinen Städtchen Mayen in Rheinland-Pfalz allerdings erst mal nicht ab. Während andere am Schultheater spielten, gab Adorf, der in Zürich geboren wurde, den Klassenclown und bekam einen Spitznamen, der ihn als eher begriffsstutzig darstellte.
„Mein Lateinlehrer, ein Kölner, nannte mich ,Antonius Maximus, den Obertünnes‘“, schrieb er in der Biografie „Mario Adorf. Zugabe“. „Angestrengt habe ich mich nur, wenn ich es unbedingt musste, wenn ich merkte, dass die Noten zu schlecht wurden und wenn meine Mutter unzufrieden wurde mit mir.“
Auf Schurken-Rollen abonniert
Nach der Matura zog es Adorf dann doch zur Schauspielerei. Er studierte er an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Danach ging er ans Theater und zum Film. Es war der Start einer großen Karriere mit einer enormen Bandbreite an Rollen.
Der Durchbruch kam 1957 mit „Nachts, wenn der Teufel kam“ mit seiner Darstellung des vermeintlichen Frauenmörders Bruno Lüdke, eines geistig Behinderten. Adorf war fortan auf die Rolle des Schurken abonniert. Regelrecht zum Publikumsfeind wurde er, weil er 1963 in „Winnetou“ als Halunke Santer Winnetous Schwester Nscho-tschi erschoss.
Aber auch international machte Adorf Karriere – lebte zeitweise in Italien und bekam Aufträge aus Hollywood. Als er merkte, dass er dort nur die Rolle des Mexikaners bekommen konnte, kehrte er wieder nach Europa zurück. Dort besetzte ihn Volker Schlöndorff in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und danach in der mit dem Oscar ausgezeichneten Verfilmung „Die Blechtrommel“.
In über 200 Rollen zu sehen
Für Helmut Dietl spielte er im Kinoerfolg „Rossini“ oder in der Serie „Kir Royal“. Legendär wurde sein Generaldirektor Haffenloher, der den Klatschreporter Baby Schimmerlos anblaffte: „Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast.“
Über 200 Rollen spielte der Vater der Schauspielerin Stella Maria Adorf, darunter in Klassiker wie „Allein gegen die Mafia“, „Der große Bellheim“, „Der Schattenmann“ oder „Die Affäre Semmeling“. Mal war er Bösewicht, mal Patriarch, eitler Geck oder Feingeist.
Zwischen Charme und Weisheit
Privat war Adorf stets höflich, humorvoll und charmant. Ein Gentleman, der das Leben genoss und die Menschen unterhielt, weshalb er auch schon als Sänger und Entertainer auf Tournee ging.
Erst im letzten Jahr feierte Adorf seinen 95. Geburtstag und verriet, dass er sich angesichts seines Alters nicht wirklich weiser fühle: „Ich glaube nicht, dass sich Weisheit regelrecht oder automatisch mit zunehmendem Alter einstellt.“ Das sei sicher ein ungewöhnlich tiefgehendes Verständnis der Zusammenhänge des Lebens, das man sich im Alter erwerbe. „Ich würde aber eine Erkenntnis über mein eigenes Leben nicht als eine Weisheit beanspruchen.“
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