Vor Küste Siziliens

30 Migranten in Fischerboot-Lagerraum erstickt

Ausland
30.06.2014 10:24
Auf einem Fischerboot vor Sizilien sind nach Angaben der italienischen Küstenwache 30 Leichen entdeckt worden. Die Migranten waren demnach in einem Lagerraum unweit des Motors erstickt. Laut ersten Untersuchungen sollen die Opfer tödliche Gifte vom Motor eingeatmet haben. Es wird jedoch auch nicht ausgeschlossen, dass die eingepferchten Flüchtlinge in dem engen Raum keine Luft mehr bekamen.

Laut der Küstenwache befanden sich 590 Flüchtlinge an Bord des Bootes, darunter zwei schwangere Frauen. Sie wurden auf ein Schiff der italienischen Marine gebracht und sind in Richtung Sizilien unterwegs. Das Fischerboot mit den toten Migranten wurde zum Hafen Pozzallo auf Sizilien geschleppt. Lediglich zwei Leichen konnten bisher geborgen werden, eine Obduktion soll die genaue Todesursache klären.

Heuer bereits über 60.000 Flüchtlinge in Italien gelandet
Die italienische Marine brachte am Wochenende nach offiziellen Angaben rund 1.600 Bootsflüchtlinge in Sicherheit, die über das Mittelmeer Richtung Europa unterwegs waren. Die Behörden sprachen am Sonntagabend von sieben Schiffen mit Flüchtlingen, die vor den italienischen Küsten aufgegriffen wurden. Damit stieg die Zahl der Flüchtlinge, die in diesem Jahr aus Nordafrika kommend in Italien eintrafen, auf mehr als 60.000, darunter befanden sich über 9.000 Kinder.

Immer wieder Appelle Roms an andere EU-Staaten
Nachdem im Jahr 2013 bei verschiedenen Flüchtlingsdramen mehr als 400 Menschen ertrunken waren, hat die italienische Marine die Operation "Mare Nostrum" gestartet, mit der ein rechtzeitiges Auffinden Schiffbrüchiger gewährleistet werden soll. Der italienische Innenminister Angelino Alfano hatte wiederholt erklärt, er erwarte von den anderen europäischen Staaten, dass sie die Aufnahme der Bootsflüchtlinge als gemeinsame Sache betrachten und Italien bei "Mare Nostrum" unterstützen. Zudem pocht Rom auf eine Stärkung der EU-Grenzschutzagentur Frontex.

Italien übernimmt am Dienstag den EU-Vorsitz. Ganz oben auf ihre EU-Agenda will die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi die Flüchtlingsfrage setzen.

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