Die Holzstäbchen muten harmlos an, doch Zahnstocher mit Nikotin sorgen derzeit an Schulen für Aufsehen. Der Nikotingehalt ist sogar stärker als in herkömmlichen Zigaretten. Der Lehrervertretung ist das Phänomen neu.
Einen Zahnstocher lässig zwischen die Zähne geklemmt, dieses Bild verbindet man mit einem Cowboy im Wilden Westen. Doch das Ganze wurde längst zum TikTok-Trend. Die Gefahr dabei: Die Zahnstocher beinhalten mitunter Nikotin. Ja, richtig gelesen, Nikotinzahnstocher. Das ist kein verspäteter Aprilscherz.
Steirische Schule zieht Konsequenzen
In Bayern hat der Jugendtrend bereits im Dezember zum Verbot von Zahnstochern an einer Münchner Realschule geführt. Jetzt scheint die Mode auf österreichische Klassenzimmer übergeschwappt zu sein. Eine Tiroler Mittelschule hat die aromatisierten Zahnstocher unlängst bereits verboten – und nun wohl auch eine steirische Mittelschule. In der MS Premstätten sollen die gar nicht so harmlosen Holzstäbchen verboten werden.
Neues Thema für Lehrervertretung
Herbert Weiß, bundesweiter AHS-Lehrervertreter, meint, ihm sei das Phänomen der aromatisierten Zahnstocher „neu“. Zu Zigaretten oder anderen Nikotinprodukten als Problem an Schulen sagt er, das Rauchverbot habe sich etabliert. Es werde akzeptiert, dass Rauchen am Schulgelände verboten ist. Dass nun strengere Regeln für Snus etc. gelten, sei ebenfalls hilfreich.
Strengere Regeln für Nikotinprodukte
Seit 1. April dürfen die Nikotinbeutel, die bei Jugendlichen seit Jahren hoch im Kurs stehen, nur mehr in Fachgeschäften verkauft werden. Onlineverkauf und der Verkauf durch Automaten sind – übrigens auch für E-Liquids – per Gesetzesänderung verboten. Österreich will damit den Jugendschutz stärken. „Wer online solche Produkte ersteht, macht sich strafbar“, heißt es auf Nachfrage aus dem zuständigen Finanzministerium. In Automaten dürfe der Lagerbestand noch bis zum Jahresende verkauft werden.
Stärker als Zigaretten, schädlich für Gesundheit
Die Gefahr von Nikotinzahnstochern ist laut Jakob Bernhard vom Grazer Uni-Klinikum für Zahnmedizin und Mundgesundheit nicht zu unterschätzen: „Nikotinzahnstocher können bis zu dreimal stärker als Zigaretten sein und sie wirken intensiv, man stochert im Zahnfleisch herum, das Nikotin gerät direkt in den Blutkreislauf.“
Tückisch sei auch, dass sie nicht auffallen, nicht riechen, im Klassenzimmer also leicht konsumiert werden könnten. „Die Hemmschwelle ist wie bei Snus oder E-Liquids niedrig“, warnt der Mediziner vor dem „einfachen“ Raucheinstieg. Die gesundheitsschädlichen Folgen, die er von Snus schon kennt: „Die Gefahr von Karies steigt, das Zahnfleisch geht an den betroffenen Stellen zurück, die Zähne verfärben sich. Aber auch das Risiko von Mundschleimhautkrebs steigt bei solchen Produkten.“
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