Putin-Karikaturen

Bildhauer Tilly in Moskau zu Haft verurteilt

Ausland
02.04.2026 21:34
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der deutsche Bildhauer Jacques Tilly ist in Moskau zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er habe sich der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht, hieß es in dem umstrittenen Verfahren. Zudem erhielt der Künstler ein vierjähriges Arbeitsverbot.

Hintergrund sind seine Karnevalsbauten, die Kremlchef Wladimir Putin und den Krieg in der Ukraine kritisieren.  In dem seit Monaten laufenden Prozess war immer wieder die Rede von einer Beleidigung Putins. Dieser Vorwurf fiel nun nicht mehr konkret. Tilly wurde nach dem Straftatbestand verurteilt, der eine Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verbietet, dazu gehört neben den Streitkräften aber auch Putin.

Im Vordergrund stand vor allem eine Arbeit des Düsseldorfers aus dem Jahr 2024 mit Figuren von Putin in Uniform und Patriarch Kyrill beim homosexuellen Oralverkehr. In dem Verfahren gaben drei Zeuginnen an, sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt zu sehen. Einer der Vorwürfe lautet auch, dass Tilly Homosexualität propagiert habe, die in Russland verboten ist. Die Frauen gaben an, sie hätten von dem Strafverfahren gegen den Bildhauer gehört und sich freiwillig als Zeuginnen gemeldet, nachdem sie die Darstellung von Putin und Kyrill im Internet gesehen hätten.

Hier sehen Sie den Künstler mit zwei seiner Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug.
Hier sehen Sie den Künstler mit zwei seiner Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug.(Bild: AFP/INA FASSBENDER)
Hier sehen Sie den Bildhauer mit zwei seiner Karnevalswagen für den Düsseldorfer ...
Hier sehen Sie den Bildhauer mit zwei seiner Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug.(Bild: AFP/INA FASSBENDER)

Putin badet in Blut
Der 62-jährige Tilly hatte mehrfach Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug mit Karikaturen von Putin gebaut. Eine Arbeit zeigt das russische Staatsoberhaupt beispielsweise in einer ukrainischen Wanne beim Baden in Blut. In diesem Jahr gab es einen Wagen mit Blick auf den Prozess in Moskau: Eine Skulptur von Putin spießt eine Düsseldorfer Karnevalsfigur mit einem Schwert auf.

Laut den Ermittlungsakten wird dem Deutschen Hass auf Russinnen und Russen vorgeworfen. Eine Staatsanwältin trug vor Gericht Interviewaussagen Tillys zu seiner Kritik am Krieg in der Ukraine vor.  Die Verteidigung habe versucht, Kontakt zum Angeklagten aufzunehmen, sei aber gescheitert, hieß es. Deshalb sei es nicht möglich gewesen, die Ziele und Motive zu beurteilen. Tilly selbst hatte mehrfach gesagt, über das Verfahren in Moskau nicht informiert worden zu sein. 

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Die machen sich selbst zum Narren mit diesem Urteil und sehen gar nicht, wie peinlich das eigentlich ist – wie viel Angst sie vor satirischer Kritik haben.

Bildhauer Jacques Tilly

Auslieferung nicht zu befürchten
Eine Auslieferung von Deutschland nach Russland muss der Künstler nicht befürchten. Probleme kann er aber bei Reisen in Länder bekommen, die von Russland gesuchte Straftäterinnen und Straftäter ausliefern. Er könnte etwa zur Fahndung bei Interpol ausgeschrieben werden. „Es ist jetzt für jeden zu sehen, dass das russische Regime Angst vor Pappfiguren hat. Die machen sich selbst zum Narren mit diesem Urteil und sehen gar nicht, wie peinlich das eigentlich ist – wie viel Angst sie vor satirischer Kritik haben“, kommentierte Tilly.

„Die Verurteilung von Jacques Tilly zeigt, dass Kriminalisierung und Verfolgung freier Meinungsäußerung durch die russische Regierung unvermindert weitergehen – aber jetzt auch verstärkt im Ausland. Das betrifft uns direkt (...)“, sagte Alexander Graf Lambsdorff, der deutsche Botschafter in Moskau.

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