Elektro statt Ehrfurcht. Was zuerst wie ein Experiment klang, zwanghaft etwas für junges Publikum zu tun, ist nach drei Jahren ein Fixstern im Programm der Salzburger Osterfestspiele und vom Geheimtipp zum Programmhighlight geworden.
Begonnen hat alles 2023 mit dem DJ Westbam, der Wagner in der neu konzipierten Reihe „Elektro bei den Osterfestspielen“ durch den Club jagte. Ein „bewusstseinserweiternder Trip“, der das gemischte Publikum sofort in seinen Bann zog. Die Erfolgsgeschichte ging weiter: Mit Max Cooper, ALMA und Milk&Sugar zogen Namen bei den Osterfestspielen ein, die sonst eher Club-Plakate zierten. Seitdem zieht zu diesen Gelegenheiten ein bunt gemischtes Publikum in die Felsenreitschule. Wer hier sitzt, kommt nicht aus österlicher Gewohnheit, sondern aus Interesse. Oft auch, weil der Zugang niederschwelliger ist – nicht zuletzt dank leistbarer Karten.
Eine elektronische Berliner Perspektive auf Wagners „Ring“
2026 steht nun, heute Abend, „Heartbroken“ am Programm: Die Berliner Musikerin Anja Schneider und der Fotograf Sven Marquardt nehmen sich Wagners „Ring“ vor. Nicht ehrfürchtig, sondern erzählerisch. Schneider denkt ihre Sets ohnehin als Geschichten und verdichtete Clubnächte voller Liebe, Verrat und Absturz, wie sie vorab verriet. Wagner ganz konzentriert, könnte man sagen.
Marquardt liefert dazu seine typischen Bilder, die ohnehin nie geschniegelt waren. Sie sind düster, roh und irgendwo zwischen Schönheit und Verfall. Dazu projizierte Worte, Fragmente und Assoziationen, die nicht als dekoratives Beiwerk, sondern als Gegenentwurf dienen sollen. Damit handelt Marquardt ganz im Geiste von „Elektro bei den Osterfestspielen“.
Musik nicht nur hören, sondern auch anders fühlen
Diese Abende wollen keine Pausenfüller sein, sondern bewusst einen Kontrapunkt setzen. Und auf diesem Wege findet das neue Publikum ganz alleine seinen Weg zu den Osterfestspielen. Und natürlich auch das alte. Egal ob Wagnerianer oder Neugieriger: Wer Musik nicht nur hören, sondern auch anders fühlen will, ist hier seit Jahren richtig. Und wer glaubt, Klassik müsse immer stillsitzend im Frack gehört werden, hat diese Reihe ohnehin noch nicht verstanden.
Larissa Schütz
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