Festspiel-Tanzpoesie

Diese zarte Meerjungfrau traf mitten ins Herz

Salzburg
25.05.2026 22:30
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Während die Pfingstfestspiele sonst gern mit Glanz, Glamour und großen Effekten auftrumpfen, wurde ausgerechnet ein leiser Ballettabend zum emotionalsten Treffer des Wochenendes. 

Zwischen Show-Oper am Freitag und der Bartoli-Gala am Montag wirkte der Festspiel-Samstag fast still. Genau darin lag aber die große Stärke des Gastspiels des Hamburg Balletts im Großen Festspielhaus.

John Neumeiers „Die kleine Meerjungfrau“ erzählte Hans Christian Andersens berühmtes Märchen nicht als kitschige Unterwasserfantasie, sondern als berührend schlichtes Stück über Einsamkeit, Sehnsucht und unerwiderte Liebe und traf damit mitten ins Herz.

Xue Lin zeigte die Meerjungfrau als verletzliche Außenseiterin zwischen zwei Welten.
Xue Lin zeigte die Meerjungfrau als verletzliche Außenseiterin zwischen zwei Welten.(Bild: Kiran West)

Schon die Bilderwelten entwickelten große Wirkung. Riesige Schiffselemente, dunkle Schornsteine und reduzierte Bühnenräume schufen eindrucksvolle Bilder, ohne den Tanz jemals zu erdrücken. Gerade diese Zurückhaltung machte den Abend so stark.

Statt auf spektakuläre Effekte setzte Neumeier auf Bewegung, Körpersprache und Gefühle. Das Publikum konnte sich ganz auf die Tänzer konzentrieren und wurde dafür reich belohnt. Vor allem Xue Lin in der Titelrolle berührte tief. Mit unglaublicher Fragilität zeigte sie die Meerjungfrau als verletzliche Außenseiterin zwischen zwei Welten. Besonders in den Szenen unter den Menschen entstand fast körperlich spürbares Mitleid mit dieser Figur, die ihre Liebe nicht begreifen und nicht leben darf. Ganz ohne große Gesten entwickelte der Abend enorme emotionale Kraft.

Zu den stärksten Momenten gehörte auch die wilde, beinahe groteske Szene rund um den Meerhexer, der die Meerjungfrau gemeinsam mit seinen dämonischen Begleitern immer tiefer in Verzweiflung und Wut treibt. Hier blitzte plötzlich dunkle, fast rauschhafte Energie auf. Am Ende reagierte das Publikum begeistert. Schon bevor der Saal wieder hell wurde, brach großer Jubel los. Ein Abend, der bewies: Auch leise, reduzierte Kunst kann die Pfingstfestspiele tragen.

Larissa Schütz

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