Kürzlich starb eine drogenabhängige Tirolerin (16). Ihre Familie will mittels Petition gesetzliche Änderungen erzielen. Unterstützung gibt’s von den Grünen, die – kaum zu glauben – auch hinter einem FPÖ-Vorschlag stehen.
„Mehr Hilfe für Jugendliche in psychischen Krisen und Drogenabhängigkeit“ – unter diesem Titel läuft, wie berichtet, die Online-Petition. Sie fordert etwa, dass Eltern bei Minderjährigen die Möglichkeit haben, eine zeitlich begrenzte verpflichtende Abklärung oder Behandlung einzuleiten, wenn eine schwere psychische Erkrankung oder Sucht vorliegt. Eine derartige Zwangseinweisung ist in Österreich gesetzlich derzeit nicht erlaubt.
Knapp 3600 Menschen stehen schon hinter der Petition. So auch Christoph K.: „Ich habe sie unterzeichnet, weil wir ein ähnliches Problem hatten und wenig bis keine Unterstützung bekommen haben. Freiwillig geht so etwas selten von Jugendlichen aus. Gekämpft haben wir monatelang, aber alleine. Ich bin froh, dass bei uns alles gut ausgegangen ist.“
Es ist dringend geboten, nicht alles unter reine Freiwilligkeit zu stellen, denn die Betroffenen können das gar nicht abschätzen.
Claudia K., die die Petition unterzeichnet hat.
In dieselbe Kerbe schlägt Margot H. „Ich habe Probleme von Drogen in der Familie miterlebt, Eltern und Angehörige sind aufgrund der Gesetze schlichtweg die Hände gebunden.“
Und Claudia K. führt an: „Ich kenne die Problematik aus beruflicher Erfahrung. Es ist dringend geboten, nicht alles unter reine Freiwilligkeit zu stellen, denn die Betroffenen können das gar nicht abschätzen – weil sie noch lange nicht erwachsen sind und weil es an der Suchterkrankung liegt, dass man keine rationalen langfristigen Entscheidungen treffen kann.“
All jene, die die Online-Petition „Mehr Hilfe für Jugendliche in psychischen Krisen und Drogenabhängigkeit“ unterzeichnen wollen, können dies nach wie vor unter diesem Link machen.
„Diese Jugendlichen fallen oft durch das System“
Auch die Tiroler Grünen unterstützen diese Petition. Für LA Zeliha Arslan mache dieser Fall ein strukturelles Problem sichtbar: „Wir brauchen mehr und vor allem passendere Angebote für Jugendliche in schweren Krisen. Genau das fordern Expertinnen und Experten seit Jahren – deshalb haben auch wir Grünen einen Antrag mit diesen Forderungen im Tiroler Landtag eingebracht.“
Sie warnt davor, dieses Problem zu negieren oder ideologisch zu überdecken. „Dieser Fall zeigt ganz klar, dass Jugendliche mit mehreren Diagnosen – zum Beispiel psychische Erkrankungen kombiniert mit Suchtproblemen – oft durch das bestehende System fallen.“
FP-Landesparteichef Markus Abwerzger spricht sich – wie berichtet – für eine Herabsetzung der Strafmündigkeit aus – und zwar nach Schweizer Vorbild –, um auch frühzeitig auf problembehaftete Kinder und Jugendliche zugreifen zu können. „Damit meine ich ausdrücklich keine Haftstrafen, sondern Therapiemöglichkeiten – auch gegen deren Willen“, betont er.
Schweizer Modell: „Das ganze Konzept umsetzen“
Spannend: Dem Schweizer Modell ist LA Arslan ebenfalls nicht abgeneigt. „Dieser Ansatz ist auf den ersten Blick attraktiv“, betont sie, „aber nur, wenn das ganze Konzept umgesetzt wird.“ In der Schweiz beginne die Strafmündigkeit zwar bereits mit zehn Jahren, gleichzeitig stehe allerdings ein völlig anderes Hilfesystem dahinter. „Jugendliche können dort zu ihrem eigenen Schutz untergebracht werden, ohne dass eine klassische Strafverurteilung erfolgt. Freiheitsstrafen für Unter-15-Jährige sind dort ausgeschlossen.“ Entscheidend sei, dass das Angebot individuell auf den jeweiligen betroffenen Jugendlichen zugeschnitten werde.
Neues Angebot ist eine „wichtige Maßnahme“
In Sachen „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ für suchtkranke Unter-14-Jährige tut sich in Tirol – wie ebenfalls berichtet – noch heuer etwas. Konkret handelt es sich um eine gesamtheitliche Leistung – inklusive Wohnen samt hohem Ausmaß an Betreuung –, das die Landesregierung realisieren wird. „LR Eva Pawlata (SPÖ) bringt die richtigen Maßnahmen schnell auf den Weg. Das ist ein wichtiger Schritt“, betont SP-Jugendsprecher Christian Kovacevic.
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