Politik setzt Zeichen

Angebot für Suchtkranke unter 14 Jahren kommt

Tirol
29.03.2026 08:00

Die oft tragischen Schicksale jener Minderjährigen in Tirol, die drogenabhängig sind, gehen vielen unter die Haut. Nun handelt die schwarz-rote Landesregierung: Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für Unter-14-Jährige kommt – noch heuer!

Joints, Tabletten wie Benzodiazepine, Kokain, Heroin und vieles mehr – immer wieder gibt es minderjährige Tirolerinnen und Tiroler, die diesen gefährlichen Drogen verfallen. Und nicht immer schaffen sie es, diesen harten Kampf gegen die Sucht zu gewinnen. Traurige Schicksale gab es in den vergangenen Jahren einige.

Gesamtheitliche Leistung samt Wohnen, Betreuung
Der Ruf an die Politik, etwas dagegen zu unternehmen, wurde vor allem seitens der betroffenen Familien immer lauter. Nun setzt die Tiroler Landesregierung ein deutliches Zeichen: Dem Vernehmen nach aus der Arbeitsgruppe „Unterstützung für suchtgefährdete Minderjährige“ wird innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe zum ersten Mal ein Angebot für suchtkranke Unter-14-Jährige in Tirol geschaffen – und zwar noch heuer!

Konkret handelt es sich um eine gesamtheitliche Leistung – inklusive Wohnen samt hohem Ausmaß an Betreuung.

Zwei Einrichtungen haben bereits ihr Interesse offiziell kundgetan, dieses Angebot umzusetzen: ZESA – Zentrum für Soziale Arbeit in Tirol und Vorarlberg sowie das SOS-Kinderdorf.

Viele Minderjährige konsumieren Kokain.
Viele Minderjährige konsumieren Kokain.(Bild: stock.adobe.com null)

Die Fachabteilung des Landes wird, sobald die Einrichtungen ihre Konzepte vorgelegt haben, diese umfassend prüfen und auch den rechtlichen Rahmen ausloten. Damit wird eine der dringendsten Empfehlungen der oben angeführten Arbeitsgruppe umgesetzt. In weiterer Folge werden die Vorschläge der zuständigen Landesrätin Eva Pawlata (SPÖ) vorgelegt. Sie wird eine Vorab-Entscheidung treffen, danach benötigt es einen kollegialen Beschluss der Landesregierung. Das alles soll sich „sehr zeitnah“ abspielen.

Fakt ist: LR Pawlata hat den Auftrag, dieses Angebot für betroffene U-14-Jährige zu erstellen, bereits ganz klar erteilt. Es wird somit fix realisiert und auch die dafür benötigten finanziellen Mittel werden laut „Tiroler Krone“-Informationen bereitgestellt.

Fachexperten betonen:
„Bündel an Maßnahmen nötig“

„Insbesondere hochriskant konsumierende minderjährige Menschen sind verletzlich. Ihre Situation ist geprägt von einem komplexen Zusammenspiel aus Entwicklungsphase, psychosozialen Belastungen und häufig fehlenden stabilisierenden Bezugssystemen“, sagt Kinder- und Jugendanwalt Lukas Trentini. Konsum sei in diesen Fällen selten Ausdruck von „Unvernunft“, sondern ein Bewältigungsversuch für Überforderung, psychische Belastung, mangelnde Perspektiven.

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Gerade bei hochbelasteten Minderjährigen ist dieses Vorgehen meist die einzige realistische Möglichkeit, Zugang zu ihnen zu finden und Vertrauen aufzubauen.

Lukas Trentini, Kinder- und Jugendanwalt

„Gleichzeitig bestehen hohe Hürden, bestehende Hilfesysteme in Anspruch zu nehmen“, ergänzt Klaus Kapelari, Ärztlicher Leiter des Kompetenzzentrums Gewaltambulanz. Sowohl er als auch Trentini sind Mitglieder der Arbeitsgruppe „Unterstützung für suchtgefährdete Minderjährige“.

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Ein wesentliches Prinzip der niederschwelligen Drogenarbeit und der genannten Angebote ist, dass sie nicht primär abstinenzorientiert ausgerichtet sind.

Klaus Kapelari, Ärztlicher Leiter des Kompetenzschutzzentrums Gewalt

In der Vergangenheit konnten bereits empfohlene Maßnahmen umgesetzt werden, die „nachweislich positive Effekte für betroffene junge Menschen erzielt haben“. Doch das Duo ist sich einig: „Wir sehen die Notwendigkeit gegeben, bestehende Angebote gezielt weiterzuentwickeln und zu ergänzen. Bei diesem hochkomplexen Thema bedarf es eines Bündels an Maßnahmen.“

Hierzu zählen neben der Schaffung einer stationären Einrichtung für konsumierende unmündig Minderjährige zum Beispiel auch die Schaffung eines sozialpsychiatrischen Angebotes, die Einrichtung eines Schutzraumes und der Ausbau der niederschwelligen Drogenarbeit.

„Krone“-Kommentar
Das ist ein klares Ausrufezeichen

Mit gerade einmal 13 Jahren starb im August 2020 die Tirolerin Melina (Name von der Redaktion geändert) an einer Drogen-Überdosis in einer Wohnung in Telfs. Der Fall sorgte weit über Tirols Grenzen hinaus für Entsetzen und entfachte Diskussionen.

In den Jahren darauf meldeten sich immer wieder Eltern bei uns, deren minderjährige Kinder von Benzodiazepinen, Kokain, Heroin und Co. süchtig waren. Sie sprachen über die Angst, ihr Ein und Alles zu verlieren, sowie über die unerträgliche Hilflosigkeit, mit der sie konfrontiert waren. Eine lose Serie entstand.

(Bild: Krone KREATIV/hristian Forcher/Fotoworxx, stock.adobe.com)

Bis zum heutigen Tag ist die „Tiroler Krone“ mit betroffenen Familien in Kontakt, bietet ihnen ein offenes Ohr, zeigt die diversen Probleme auf, fungiert sozusagen als Sprachrohr. „Es muss sich dringend etwas ändern“, lautet der Tenor, „unseren Kindern muss endlich geholfen werden“.

Ein klares Ausrufezeichen wird jetzt vonseiten der Tiroler Landesregierung gesetzt: Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für drogenabhängige Unter-14-Jährige wird noch in diesem Jahr realisiert. Kein leichtes Unterfangen, vor allem die rechtliche Situation in Österreich betreffend. Aber ein (leider) unabdingbarer Schritt, der hoffentlich auch Wirkung zeigen wird.

Positiv ist ebenfalls, dass sich mittlerweile auch andere Medien dieser durchaus heiklen Thematik widmen, Schicksale aufzeigen und damit zugleich Bewusstsein schaffen.

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