14,4 Milliarden Euro

Statistiker vermessen nun Wiens Mega-Schuldenberg

Wien
31.03.2026 19:00

Neue Zahlen weisen der Stadt ein Minus von 2,365 Milliarden Euro aus. Aber: Verbesserung bei Pro-Kopf-Schulden.

Mit Blick auf das Budget wird das rote Wien zum tiefroten Wien! Der Schuldenstand steigt und steigt, wie hoch er im Detail ist, haben nun die Experten der Statistik Austria veröffentlicht: Alleine die Neuverschuldung des Jahres 2025 betrug 2,439 Milliarden Euro. Die Stadt Wien geht nach wie vor von 2,8 Milliarden Euro aus, der Rechnungsabschluss würde das genaue Ausmaß zeigen. Aber auch diese 2,8 Milliarden Euro wären aus Sicht der Stadt ein Erfolg.

Doch besser als befürchtet
Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) erklärt: „Das vorläufige Budgetdefizit liegt damit rund eine Milliarde Euro unter der ursprünglichen Prognose von 3,8 Milliarden sowie rund 450 Millionen unter der November-Prognose von 3,25 Milliarden.“ Und weiter: „Diese Entwicklung ist im Wesentlichen auf einen konsequenten Konsolidierungskurs zurückzuführen, der sich aus einem Drittel Mehreinnahmen und zwei Dritteln Einsparungen zusammensetzt.“

Zitat Icon

Wien startet jetzt in die Erstellung des Budgets 2027 mit dem Ziel: Defizit und Neuverschuldung weiter abzubauen, ohne den Wirtschaftsstandort zu schwächen.

Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ)

Kein Grund zum Feiern
Viel Grund zu feiern gibt es aber dennoch nicht. Sieht man sich die Schuldenentwicklung der vergangenen Jahre an, sieht man das Bodenlose des Schuldenlochs. Vor zehn Jahren, also 2015, hatten wir laut Statistik Austria noch eine putzige Neuverschuldung von 163 Millionen Euro. 2022 gar einen Überschuss von 231 Millionen Euro.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Krisen nicht nur in Wien
Dass Wien wegen der vielen Krisen so tief in den Budgetkeller gefallen ist, kann nur ein Teil der Erzählung sein. Denn: Dieselben Krisen gab es in anderen Bundesländern natürlich auch. So betrug die Neuverschuldung aller anderen acht Bundesländer außer Wien 2,362 Milliarden Euro – also weniger als die Bundeshauptstadt alleine. Richtig ist aber auch: Wien übernimmt natürlich auch viele Kosten, die in anderen Bundesländern auf den Deckel der Gemeinden gehen.

Jeder Wiener ist mit 7342 Euro verschuldet
Eine gute Nachricht gibt es beim Pro-Kopf-Schuldenstand, wenn man die roten Zahlen statistisch auf die Bevölkerung herunterrechnet. Hier liegt Wien im soliden Mittelfeld nach der Steiermark, Kärnten, dem sich verschlechternden Burgenland und Niederösterreich – und zwar mit 7342 Euro pro Wiener. Hier hat sich Wien tatsächlich um einen Platz verbessert.

Opposition spart nicht mit Kritik, auch der Partner mahnt Konsolidierung
Die Parteien mit eigener Abrechnung

Die Zahlen liegen auf dem Tisch – und die politische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. ÖVP-Chef Markus Figl zeigt sich alarmiert: „Diese Zahlen zeigen, dass die Stadt unter Rot-Pink kein Einnahmen-, sondern ein massives Ausgabenproblem hat.“ Dass das Defizit geringer ausfiel als ursprünglich befürchtet, sei kein Verdienst der Stadtregierung: Die Entlastung ergebe sich großteils aus höheren Bundesertragsanteilen und der Auflösung von Rücklagen – nicht aus eigenem Sparen.

Auch Koalitionspartner mit mahnenden Worten
Noch schärfer formuliert es FPÖ-Finanzsprecherin Ulrike Nittmann: „Wien hat tatsächlich geschafft, ein höheres Defizit einzufahren als alle anderen Bundesländer zusammen.“ Als Hauptursache machen die Freiheitlichen die sogenannte Willkommenspolitik aus – über eine Milliarde Euro fließe jährlich an Mindestsicherung. Die FPÖ fordert, diese Leistungen an die österreichische Staatsbürgerschaft zu koppeln. 
Grünen-Budgetsprecherin Theresa Schneckenreither ortet ganz andere Ursachen: Die Stadt habe Geld für Großprojekte „verprasst“ – Stadtautobahn, Event-Halle und Cobenzl werden genannt. Ihr Rezept: eine Leerstandsabgabe, die in einer Legislaturperiode 1,7 Milliarden Euro bringen könnte. 
Neos-Finanzsprecher Markus Ornig, immerhin Teil der Koalition, mahnt eher nüchtern: „Nur mit Gebührenanpassungen schaffen wir keine Trendumkehr. Deshalb darf es bei den Maßnahmen keine Denkverbote geben.“

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