Für 600 Instrumente

Nachwuchs gesucht: „Orgel hat ein Imageproblem“

Steiermark
01.04.2026 08:00

Ostern steht vor der Tür, doch den steirischen Pfarren fehlen Orgelspieler. Viele Organisten gehen in Pension, Nachwuchs ist Mangelware – dabei ist das Instrument leichter zu erlernen, als man denkt. Ein Orgellehrer und ein Schüler (21) erzählen.

Wenn in der Osternacht die Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird, kehrt Jubelstimmung in die steirischen Kirchen ein. Mit dem ersten „Gloria“ ertönen auch die Orgeln wieder – so besagt es die katholische Tradition. Doch das ist gar nicht mehr so selbstverständlich, denn: „Wir haben ein enormes Nachwuchsproblem“, sagt Herbert Handl, Organist und Lehrer an der Musikschule Bruck an der Mur.

Seit mittlerweile zehn Jahren ist die Zahl der Orgelspieler speziell in den ländlichen Regionen rückläufig. 572 Orgeln sind in der Diözese Graz-Seckau erfasst, die vor allem sonntags bespielt werden wollen. „Früher waren einfach mehr junge Menschen in der Kirche“, erklärt Handl. Auch er lernte so als Jugendlicher das Instrument kennen.

Orgel von Zauberhand bespielt
Vereinzelt werden Kirchenorgeln heutzutage sogar schon mit Selbstspieleinrichtungen gesteuert. Das dürfe nicht zur Regel werden, meint Handl – ist die menschliche Komponente doch stets hörbar. „Bisher behelfen sich nur wenige Gemeinden damit“, betont er.

Orgelweihe Ende 2025 im Kammermusiksaal der Musikschule Bruck an der Mur
Orgelweihe Ende 2025 im Kammermusiksaal der Musikschule Bruck an der Mur(Bild: Stadt Bruck an der Mur/Paller)

Ein Lichtblick: Die Musikschule Bruck an der Mur hat seit Ende 2025 eine neue Orgel, an der Krisztina Gábor-Handl unterrichtet. „Das Instrument mit zwei Manualen und Pedalklaviatur war 25 Jahre in der Kapelle bei den Grazer Elisabethinen im Einsatz und musste schnell raus.“ Herbert Handl ergriff die Initiative und ließ die Orgel in die Obersteiermark liefern. Die Diözese finanzierte den Kauf des über 40.000 Euro teuren Schmuckstücks.

Mathias Schäffer (21) studiert Klavier und nimmt seit fünf Jahren Orgelunterricht.
Mathias Schäffer (21) studiert Klavier und nimmt seit fünf Jahren Orgelunterricht.(Bild: Privat)

Orgellehrerin Krisztina Gábor-Handl unterrichtet auch Mathias Schäffer – allerdings in Kapfenberg. Der 21-jährige Steirer studiert Klavier in Graz und interessierte sich schon früh für die barocke Orgelmusik von Johann Sebastian Bach. Seit mittlerweile fünf Jahren spielt er selbst an der Königin der Instrumente. Er sagt: „Die Orgel hat ein Imageproblem.“ Man müsse nicht immer ernste, altmodische Stücke spielen.

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Die Orgel hat ein Imageproblem. Man muss nicht immer ernste, altmodische Stücke spielen.

Orgelschüler Mathias Schäffer

Sonntags hilft Schäffer immer wieder in der Pfarrkirche St. Lorenzen im Mürztal aus – etwa 25 Euro bekommt er pro Messe. Was ihn daran reizt? „Mit einer Orgel kann man einen ganzen Raum ausfüllen.“ Auch Handl meint: „Eine Orgel ist ein ganzes Orchester.“

Ob alt oder jung, Klavierspieler oder nicht – jeder könne mit genügend Motivation das Instrument binnen zwei Jahren erlernen. Die einzigen Voraussetzungen: „Früh aufstehen sollte man können und eine gewisse Kälteresistenz mitbringen.“ Außerdem sollte man zumindest 1,40 Meter groß sein. Genauere Auskünfte gibt es beim Referat für Kirchenmusik der Diözese Graz-Seckau, beim Konservatorium für Kirchenmusik in Graz, beim Johann Josef Fux Konservatorium und bei den Musikschulen.

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