Kirchenmusiker erzählt

Der letzte Organist von Murau spielt auch Raves

Steiermark
12.08.2025 20:00

Gerade am Land sind Organisten und Kirchenmusiker oft rar. Walter Ofner spielt in den Kirchen von Murau nicht nur klassische Orgel, sondern lässt auch seinen Synthesizer erklingen – und Pfarrer wie Kirchengemeinde sind offen dafür.

Die Orgel ist verstaubt? Nicht, wenn Walter Ofner die Register zieht. Das Instrument in der Stadtpfarrkirche Murau erweitert der Steirer nämlich ab und an um eine weitere Tastatur: die seines Synthesizers. Elektrische Klänge vermischen sich dann mit den Tönen der Pfeifen. „Der Gedanke ist, die Jüngeren auf diese Art für die Musik zu begeistern“, sagt Ofner, als die „Krone“ ihn beim Üben in der Mariagrüner Kirche in Graz trifft. „Eigentlich ist eine Kirchenorgel ja ein analoger Synthie. Für mich ist Kirchenmusik einfach größer, als sie scheint. Sie hat Power.“ Es kann sogar vorkommen, dass Ofner abends einen Rave spielt und morgens eine Messe. 

„Musik sollte kein Konzert sein“
Pfarrer Thomas Mörtl und die Kirchengemeinde in Murau danken es dem Organisten. „In vielen Kirchen erklingt ja an normalen Sonntagen gar keine Orgel mehr.“ Musik kann sogar ein Grund sein, wieso Menschen die Messe besuchen. „Es gibt Leute, die wegen der Orgel kommen, aber eigentlich sollte die Musik eine Unterstützung sein und kein Konzert“, erklärt Ofner. „Das ist funktionale Musik, die den Text unterstützt. Sie soll das Wort hör- und fühlbar machen und durch das Singen das Gemeinsame fördern.“

Was ein Organist spielt, ist liturgisch vorgegeben. Doch die Freiheit ist größer, als man als Laie vielleicht denkt: „Das Improvisieren ist sehr wichtig. Wenn man frei spielt, kann man Emotionen schaffen. Aber wir improvisieren auf die Vorgaben – es muss also an den aktuellen Sonntag anknüpfen.“ 

Eine Handvoll Organisten für Murau
In der Stadt Murau ist Ofner, der aus Stadl an der Mur stammt, nun der einzige Organist. Er spielt dort in fünf Kirchen – „alle Orgeln haben einen eigenen Charakter“ – einmal am Samstag und zweimal am Sonntag. In Krakaudorf und St. Georgen hilft er aus. „Im Bezirk gibt es sonst nur noch eine Handvoll Organisten.“ 

Ofner unterrichtet Orgel, aber auch Klavier
Ofner unterrichtet Orgel, aber auch Klavier(Bild: Christian Jauschowetz)

Als Musiklehrer hat Ofner vier junge Nachwuchstalente unter seinen Fittichen. „Ausgebildete Musiker gibt es, aber nicht im Überfluss“, schätzt er die Situation ein. Es zieht sie vor allem dorthin, wo es feste Anstellungen gibt: an die Domkirchen, die Stifte, an großen Stadtpfarrkirchen. Wie in vielen anderen Branchen wird es dünn, je weiter man sich von den Ballungszentren entfernt – etwa in Teilen der Obersteiermark. Das gilt nicht nur für Organisten, sondern auch für Chorleiter und -sänger.

So viel verdienen Kirchenmusiker

Für eine einfache Gottesdienstbegleitung bekommt ein Kirchenmusiker zwischen 18 und 32 Euro, bei festlichen Anlässen zwischen 36 und 64 Euro – so die Empfehlungen der Diözese Graz-Seckau laut dem jüngsten kirchlichen Verordnungsblatt. 

Aber die Kirchenmusik findet auch Nachwuchs: Am Konservatorium in Graz gibt es eine hohe zweistellige Zahl an Studenten. Und für den Seelsorgeraum Hügelland-Schöcklland wurde erst im Frühjahr eine Stelle für einen Kirchenmusiker ausgeschrieben. 

Die Erben des großen Bach
Der religiöse Kontext ist für Organisten übrigens nicht zwingend – in fast jedem Konzertsaal steht eine große Orgel. „Manche Musiker haben eher einen spirituellen als einen religiösen Zugang, aber man sollte sich in der Kirche schon wohlfühlen“, erklärt Ofner. Ganz ohne sakralen Kontext fehlt dann doch etwas. „Johann Sebastian Bach hat ja auch immer ganzheitlich, von Chor zu Solist zu Orchester, gedacht.“ 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt