Neuer Song erscheint

Stefanie Werger: „Ich bin noch nicht gestorben“

Steiermark
29.03.2026 11:00

Knapp vier Jahre nach dem Bühnen-Aus macht Austropop-Legende Stefanie Werger wieder von sich reden. Mit einem neuen Song und ehrlichen Worten über Pflegestufen und Ohrfeigen.

Kaum ist der tosende Applaus verhallt, der Triumph gefeiert, das Rampenlicht gelöscht, die Abschiedsworte gesprochen, wird es still im Künstler-Leben. So unerwartet rasch und lähmend still, dass dieses Versinken in die Bedeutungslosigkeit nicht auszuhalten ist.

In diese Isolation schlitterte die Austropop-Legende Stefanie Werger schon kurze Zeit nach dem Ende der Abschiedstour im Jahr 2022. „Plötzlich war alles aus, wenige Anrufe, kaum jemand wollte wissen, wie es mir geht. Da war nichts, absolut gar nichts. Ich bin doch noch nicht gestorben. Diese ungewohnte Stille hat mich erdrückt und meine Kreativität gelähmt“, sagt sie.

In dieser belastenden Zeit starb auch noch ihr bester Freund und Gitarrist Goran Mikulec. „Das hat mir den Rest gegeben. Ich bin in ein tiefes Loch gefallen und habe mich derart verloren gefühlt wie selten zuvor.“

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Diese ungewohnte Stille hat mich erdrückt und meine Kreativität gelähmt.

Stefanie Werger

Die „Stoak wie a Felsen“-Sängerin hat sich mit dem Schreiben neuer Songs und dem Zuspruch ihres Angetrauten Karl-Heinz aus der Schockstarre holen können. Quasi eine Reanimation für die 74-Jährige, die sich zwar von der Bühne verabschiedete, „nicht jedoch das Hirn in Pension schickte“.

„Ich war nie die Schönste, aber ich war gut“
In Zusammenarbeit mit dem Produzenten Christian Kolonovits erscheint in diesen Tagen der neue Song „So schene Leit“, der mit Augenzwinkern die Marken-Fetischisten und Hochglanz-Schickimickis auf die Schaufel nimmt. Bei der Sängerin finden sich keine Markenklamotten, „weil es die in meiner Größe kaum gibt“, witzelt die Sängerin und zeigt auf ein Kinderfoto an der Wand. „Ich war auch einmal süß, und heut’ bin ich alt und nicht mehr so lieb. Ich war nie die Schönste, aber ich war gut.“

Stefanie Werger
Stefanie Werger(Bild: Stefanie Werger)

Die neuen Songs bringen das Publikum zum Lachen, Tanzen und Mitsingen und die Künstlerin wieder ins Rampenlicht. Das Interesse an der Austropop-Legende ist zurück. Mit Promoterminen, zahlreichen Interviews, Anfragen aus Deutschland und Einladungen in TV-Sendungen. „Ich fühle mich wieder als ,Wergerin‘, die auf der Showtreppe und nicht krankheitsbedingt über Pflegestufen wahrgenommen werden möchte."

„Lieber wär‘ mir, keine Pflegestufe zu haben“
Dennoch spricht die Sängerin offen über ihr Kreuz mit dem Kreuz. Die Rock’n’Roll-Sprünge von damals rächen sich heute. „Anfangs war es eine Überwindung, mit dem Rollator auf den Markt zu gehen. Einige haben mich entsetzt angeschaut, andere waren besonders lieb zu mir. Doch bevor ich gar nicht mehr aus dem Haus komme, nehme ich den Rollator“, sagt sie und nimmt die neue Wirklichkeit mit Humor: „Es hat ja auch gewisse Vorteile, etwa beim Parken.“ Dennoch fügt die Raucherin ehrlich hinzu: „Lieber wäre es mir, keine Pflegestufe zu haben. Jeder, der bis ans Lebensende gesund ist, soll drei Kreuze machen.“

In der aktuellen Diskussion zur Causa Christopher Seiler mahnt Werger zur Zurückhaltung. „Es wird alles verdonnert, noch bevor es konkrete Beweise gibt. Wenn ein Vergehen erwiesen ist, gehört es auch bestraft! Mit diesen voreiligen Beschuldigungen bist du weg vom Fenster.“ Mit Übergriffen musste sich die Musikerin in der harschen Männerwelt selbst nicht herumschlagen: „Bei mir hat sich das keiner getraut“, lacht Werger. „A Ohrfeige war da schnell ausgeteilt. Ich hab’ mich immer zu wehren gewusst.“

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