Viele illwerke VKW-Kunden zerbrechen sich dieser Tage den Kopf über einen Tarifwechsel. Der Tag/Nacht-Strom wird abgeschafft – aber welcher neue Tarif zahlt sich nun wirklich aus? Eine Orientierungshilfe:
Ein Brief der illwerke VKW sorgt derzeit in vielen Vorarlberger Haushalten für Unschlüssigkeit. Der bisherige Tag-Nacht-Tarif gehört der Vergangenheit an, stattdessen werden Kunden automatisch auf den Tarif ’Strom Einfach’ umgestellt. Alternativ gibt es mit ’Strom Duo’ ein neues Modell – doch lohnt sich der Umstieg wirklich? Fest steht: Wer nichts unternimmt, landet automatisch im Standardtarif. Darauf macht auch AK-Vizepräsidentin Manuela Auer aufmerksam: „Der Tarif ’Strom Duo’ muss aktiv beantragt werden. Wer nicht reagiert, wird automatisch auf ’Strom Einfach’ umgestellt.“ Da stellt sich vielen die entscheidende Frage: Soll ich wechseln oder besser doch nicht?
Der Tarif ’Strom Duo’ muss aktiv beantragt werden. Wer nicht reagiert, wird automatisch auf ’Strom Einfach’ umgestellt.

Manuela Auer
Bild: sos
Der Hintergrund der neuen Tarifstruktur liegt laut illwerke VKW im massiven Photovoltaik-Ausbau. Gerade in den Sommermonaten wird rund um die Mittagszeit besonders viel Strom produziert, was die Preise am Markt sinken lässt. Dieses Prinzip greift ’Strom Duo’ auf: Zwischen April und September ist Strom täglich von 10 bis 16 Uhr günstiger als sonst. Auf den ersten Blick klingt das nach einer attraktiven Sparmöglichkeit. Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Wer zuvor vom Tag/Nacht-Strom profitiert hat, war großteils besser dran.
Wo ist der „Haken“ bei den neuen Tarifen?
Während ’Strom Duo’ beim Tarif punktet, schlägt der höhere Grundpreis zu Buche (43,20 statt 25,20 Euro). Rund 18 Euro mehr pro Jahr müssen Kunden hier fix einplanen. Dieses Minus muss erst einmal durch günstigere Kilowattstunden wieder hereingeholt werden. Ein Rechenbeispiel zeigt, wie schwierig das im Alltag ist: Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht etwa 3500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Selbst wenn man davon ausgeht, dass rund die Hälfte im Sommer anfällt, bleibt nur ein Teil übrig, der tatsächlich in das günstige Zeitfenster zwischen 10 und 16 Uhr fällt. Realistisch sind etwa 400 bis 500 Kilowattstunden.
Die Ersparnis liegt damit bei rund neun Euro im Jahr – deutlich weniger als der höhere Grundpreis. Unterm Strich zahlt man also – wenn auch nicht viel, aber doch – drauf. Auer betont, dass ein geringerer Grundpreis einen besseren Lenkungseffekt hätte. Anders sieht es aus, wenn der Stromverbrauch gezielt in diese Stunden verlagert wird. Wer es schafft, rund 1000 Kilowattstunden pro Jahr genau dann zu nutzen, kann den Nachteil beim Grundpreis ausgleichen. Erst darüber hinaus beginnt ’Strom Duo’ tatsächlich Geld zu sparen.
Wer den Stromverbrauch steuern kann, profitiert
Damit wird auch klar, für wen sich der Tarif eignet. Auer betont: „Vor allem Pensionisten oder Menschen im Homeoffice, die tagsüber viel Zeit zu Hause verbringen und ihren Stromverbrauch bewusst steuern können, profitieren.“ Wer Waschmaschine, Geschirrspüler oder andere Geräte gezielt zu Mittag laufen lässt, kann die günstigeren Preise nutzen. Für klassische Arbeitnehmer hingegen, die tagsüber außer Haus sind, bleibt dieses Sparpotenzial meist nur theoretisch. Der Stromverbrauch verlagert sich hier eher in die Morgen- und Abendstunden – also genau in jene Zeiten, in denen ’Strom Duo’ keinen Vorteil bietet. In diesen Fällen ist ’Strom Einfach’ in der Regel die günstigere und vor allem unkompliziertere Variante.
Ein weiterer entscheidender Punkt betrifft Haushalte mit eigener Photovoltaikanlage. Was auf den ersten Blick paradox klingt, ist in der Praxis logisch: Genau dann, wenn ’Strom Duo’ am billigsten ist, produziert die eigene Anlage am meisten Strom. Dieser wird zuerst selbst verbraucht – der günstige Netzstrom wird also kaum benötigt. Übrig bleibt vor allem Strombezug in den teureren Randzeiten. Auch hier verpufft der mögliche Vorteil, während der höhere Grundpreis bestehen bleibt. Für PV-Haushalte ist ’Strom Einfach’ daher in den meisten Fällen klar die bessere Wahl.
Verhaltensprüfung vor Tarik-Entscheidung
Es zeigt sich also: ’Strom Duo’ ist kein generelles Sparmodell, sondern ein Tarif für eine sehr gezielte Nutzung. Wer seinen Stromverbrauch aktiv steuert und tagsüber viel zuhause ist, kann profitieren. Für die breite Masse der Haushalte hingegen – insbesondere für Berufstätige und PV-Anlagen-Besitzer – bleibt ’Strom Einfach’ meist die günstigere Option. Kurz gesagt: Wer das eigene Verhalten im Blick hat, trifft auch die richtige Wahl.
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