Bisher hatten die Mullahs nach außen hin lediglich Ablehnung und Spott für den US-Friedensplan übrig. Doch nun hat die Führung in Teheran offenbar über Mittelsmänner ihre Antworten auf den 15-Punkte-Vorschlag von US-Präsident Donald Trump an Washington übermittelt – mit roten Linien und Forderungen.
Laut der Nachrichtenagentur Tasnim fordert der Iran ein Ende aller Kampfhandlungen an allen Fronten – und damit auch im Libanon oder im Irak. Zudem sollen die USA und Israel gezielte Tötungen einstellen, heißt es offenbar in der Replik Teherans. Der Iran verlangt außerdem Garantien, die einen erneuten Krieg verhindern sollen. Als unwahrscheinlich gilt, dass die USA zwei weitere iranische Forderungen akzeptieren: Kriegsentschädigungen und die Anerkennung iranischer Hoheitsrechte über die Straße von Hormuz, durch die etwa 20 Prozent des weltweiten Energiehandels laufen.
Iran: „Kein Plan für Gespräche“
Der Iran betrachtet den Vorschlag aus Washington dem Vernehmen nach als „einseitig und unfair“. Womöglich könne man dennoch vorankommen, sollte „Realismus in Washington vorherrschen“. Es gebe aber „noch keine Vereinbarung für Verhandlungen, und kein Plan für Gespräche erscheint zum jetzigen Zeitpunkt realistisch“. Teheran wirft Washington zudem vor, lediglich Zeit gewinnen zu wollen: Die USA bereiteten sich im Hintergrund auf eine Bodenoffensive im Iran vor und versuchten zugleich, den Ölpreis niedrig zu halten.
Dem US-Sondergesandten Steve Witkoff zufolge gibt es in den Kontakten zwischen den USA und dem Iran für ein Ende des Kriegs gute Aussichten auf Erfolg. „Wir haben starke Anzeichen, dass es eine Möglichkeit gibt“, sagte er am Donnerstag bei einer Kabinettssitzung im Weißen Haus. Zudem bestätigte er die Übermittlung des 15-Punkte-Plans zur Beilegung des Kriegs an den Iran. „Wir werden sehen, wohin die Dinge führen, und ob wir den Iran davon überzeugen können, dass dies der Wendepunkt ist, an dem es für ihn keine besseren Alternativen gibt als noch mehr Tod und Zerstörung“, sagte Witkoff. Wenn es zu einer Einigung komme, sei das gut für den Iran und die gesamte Region.
Kommunikation läuft offenbar über Pakistan
Die Meldung, wonach der Iran eine Antwort auf den US-Plan übermittelt habe, ist die bisher letzte Wendung in einem Hin und Her aus unterschiedlichen Signalen der beiden Kriegsparteien. Zuletzt hatte US-Präsident Trump am späten Mittwochabend (Ortszeit) in Washington einmal mehr beteuert, dass Verhandlungen im Gange seien und die Führung der Islamischen Republik unbedingt einen „Deal“ erreichen wolle. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi wies diese Darstellung jedoch entschieden zurück.
Während aus den USA und dem Iran unterschiedliche Angaben über die Existenz von Verhandlungen kamen, bestätigte Pakistans Außenminister Ischak Dar, dass sein Land Botschaften zwischen diesen beiden Ländern vermittle. Dar teilte auf der Plattform X mit, sein Land habe Nachrichten zwischen beiden Ländern weitergeleitet.
In diesem Kontext sei auch der 15-Punkte-Plan der Vereinigten Staaten geteilt und vom Iran erwogen worden, so der Minister weiter. Auch die Türkei und Ägypten sowie weitere nicht benannte Staaten unterstützten demnach die Initiative.
Was bisher von Trumps Plan durchgesickert ist
Bezüglich des Inhalts des 15-Punkte-Plans der USA lehnte es das Weiße Haus bisher ab, Einzelheiten zu nennen. Aus israelischen Regierungskreisen verlautete jedoch, gefordert würden unter anderem die Wiederöffnung der für den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport enorm wichtigen Straße von Hormuz, die Beseitigung der iranischen Bestände an hochangereichertem Uran, die Eindämmung des iranischen Raketenprogramms sowie ein Ende der finanziellen Unterstützung für Verbündete des Iran im Nahen Osten.
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