Bedingte Verurteilung

Tiertöter in SS-Uniform: Therapie in Freiheit

Gericht
26.03.2026 15:30
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Staatsanwältin spricht in dem Geschworenenprozess um Wiederbetätigung, Tierquälerei und Kindesmissbrauchsdarstellungen im Wiener Landl von „Gewaltfantasien, dass einem angst und bange wird“. Der 58-Jährige ist geständig, schiebt die verstörenden Taten auf seinen Drogenkonsum. 

In Menschen kann man nicht hineinschauen. Der 58-Jährige, dem im Wiener Landl Abscheulichkeiten vorgeworfen werden, wirkt völlig unscheinbar. Nichts weist darauf hin, was die Geschworenen gleich zu hören bekommen. Außer vielleicht die schwarzen Schnürstiefel mit den dicken Sohlen.

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Der Angeklagte hat einen Fetisch für Gewalt, Macht und Unterdrückung.

Die Staatsanwältin im Prozess

„Es ist nicht nur die ungewöhnlich hohe Anzahl an Dateien, die diesen Fall sehr, sehr grauslich macht. Sondern vor allem deren Inhalt“, leitet die Staatsanwältin ein. „Der Angeklagte hat einen Fetisch für Gewalt, Macht und Unterdrückung. Das sind so massive Gewaltfantasien, dass einem angst und bange wird. Etwa an Kindern, Babys und schwangeren Frauen“ – geteilt in einschlägigen Foren. In die der Angeklagte, der beruflich eine Topposition innehatte, aufgrund von Drogenmissbrauch „gerutscht“ sein will.

Videos zeigen ihn in SS-Uniform in seiner Wiener Wohnung, wo er Kleintiere brutal quälte und abschließend mit seinen Springerstiefeln zerquetschte. Eine Ratte soll er laut Staatsanwältin lebend angenagelt haben. Dann schnitt er ihr die Füße ab, peitschte sie aus und quälte sie mit einer brennenden Zigarette.

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Ich habe viel zu spät realisiert, dass ich Hilfe brauche. Ich habe immer weitergemacht. Es war wie eine Maschinerie, ich war süchtig.

Der Angeklagte zu den Geschworenen

„Abstoßend, widerwärtig und grauslich“
„Die Dateien sprechen Bände“, so die Anklägerin, die auch über tausende Kindesmissbrauchsdateien spricht, die im Besitz des Mannes gewesen sind. Auch nationalsozialistische Wiederbetätigung ist angeklagt. Selbst der Verteidiger muss eingestehen: „Das ist abstoßend, widerwärtig und extrem grauslich.“ Aber: „Er ist kein Nazi. Es ist halt ein Fetisch.“ Sein Mandant habe nach der Enthaftung aus der U-Haft bewiesen, dass er „keinen Alkohol und keine Drogen mehr konsumiert, keine Kinderpornos schaut und keine Tiere mehr zertritt“.

Der 58-Jährige, der laut seinem Anwalt im Kirchenchor singt, sagt: „Ich habe viel zu spät realisiert, dass ich Hilfe brauche. Ich habe immer weitergemacht. Es war wie eine Maschinerie, ich war süchtig.“ Die U-Haft, die er offenbar als Zellennachbar von René Benko verbrachte, sei „eine Zäsur“ gewesen.

Alle paar Monate Nager in Tierhandlung gekauft
„Was ist mit Ihrem Tierquäler-Fetisch?“, fragt Richter Andreas Böhm. – „Das Töten hat mich nicht erregt. Was mich erregt hat, war das mit den Stiefeln“, so der Wiener. Böhm: „Wie oft haben Sie Tiere gekauft?“ Antwort: „So alle zwei bis drei Monate.“ – „Und was haben Sie dabei empfunden?“ – „Gar nichts.“

Sowohl die psychiatrische Gutachterin als auch der Bewährungshelfer sprechen sich trotz der Schock-Dateien für eine bedingte Unterbringung, sprich eine Behandlung in Freiheit, aus. 

Die Geschworenen folgen dem: zwei Jahre bedingte Haft und bedingte Unterbringung, nicht rechtskräftig.

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