Österreich – ein Happening in Brösel, Mehl und Ei. Das ist einer der Höhepunkte in der One-Man-Show „Das Kalkwerk“ nach Thomas Bernhards Roman: Felix Römer gastierte mit einer aktionistischen Dramatisierung im Linzer Theater Phönix und bescherte eine sehenswerte Theaterorgie.
Thomas Bernhard wäre heuer 95 Jahre alt geworden. Das Linzer Theater Phönix erinnerte mit einem Gastspiel daran.
Den Roman „Das Kalkwerk“ veröffentlichte Bernhard im Jahr 1970. Bereits im Jahr 2014 schufen Regisseur Philipp Preuss und Schauspieler Felix Römer eine Dramatisierung für die Schaubühne Berlin, die nun als „Weiterspielen“-Neuproduktion durch Österreich tourt.
Felix Römer ist Konrad – und seine Frau
„Ich habe ihr Leben zerstört und meinen Charakter vernichtet“, sagt Konrad gegen Ende der eineinhalbstündigen Performance. Späte Einsicht eines von seinen Obsessionen in den Wahnsinn getriebenen Forschers.
Um die ultimative Studie über das Gehör endlich zu Papier zu bringen, hat er sich in ein stillgelegtes Kalkwerk zurückgezogen. Jahrzehntelang hat er seine Erkenntnisse vermeintlich schon im Kopf. Nun sollen sie zu Papier gebracht werden. Doch Konrad scheitert, driftet immer mehr in den Wahnsinn ab und zerbricht daran.
Seine Ehefrau, die im Rollstuhl sitzt, ist dabei seine Versuchsperson. Er quält sie mit seinen immer wirrer werdenden Gedanken und Experimenten. Tagelang spricht er nur Sätze mit u, i oder o, oder er malträtiert sie mit Kratzgeräuschen.
Schauspiel mit Haut und Haar
Felix Römer schlüpft in beide Rollen, wechselt nicht nur von Hose und Pulli zu Kleid und Stöckelschuhen, sondern auch seine Körpersprache. Er rezitiert nicht nur Thomas Bernhards Text, sondern macht das Gesagte auch körperlich sichtbar und spürbar.
Er flüstert, schreit, tanzt, übergießt sich mit Wasser. Zieht auch das Phönix-Publikum in seine Geräuschexperimente mit ein. Wodurch die schwer zu ertragende Obsession Konrads plötzlich und für kurze Zeit auch wieder Komik und Leichtigkeit erhält.
Dabei wird der silbrige Bühnenkubus von Ramallah Aubrecht gefühlt immer enger. Bis Konrad zum Schluss den Mord an seiner Ehefrau gesteht.
Es ginge nicht um Thomas Bernhard, würde nicht auch noch die von ihm so verhasste österreichische Walzerseligkeit thematisiert. Zum Ende der Kunstorgie paniert sich Konrad/Felix Römer selbst, zum Donauwalzer macht er sich zu einem lebenden Schnitzel. . .
Ein wunderbarer Abend, den das Linzer Publikum auch der Kulturinitiative „Weiterspielen“ verdankt. Begeisterter Applaus!
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