Zuchtbetriebe arbeiten laufend daran, Saatgut an Trockenheit und Hitze anzupassen. Parallel wird in Laboren an genomischen Methoden geforscht. Ob diese bald bei der Züchtung von Nutzpflanzen zum Einsatz kommen dürfen, wird eine Abstimmung kommende Woche im EU-Parlament zeigen.
Die Trockenheit der vergangenen Wochen hat laut Landwirtschaftskammer (LK) OÖ bereits zu Einbußen bei Grün- und Ackerland geführt. Seit 10.000 Jahren versuchen Bauern schon, das Saatgut von Nutzpflanzen durch Kreuzungen an veränderte Bedingungen anzupassen. Seit rund 100 Jahren widmen sich auch Universitäten und Unternehmen dem Thema, das eine Delegation der LK OÖ durch drei Bundesländer führte.
Ziel eint alle Züchter
Ein Ziel eint alle Pflanzenzuchtbetriebe: Das Saatgut soll Ertrag sowie Qualität der Ernte erhöhen. Gleichzeitig will man die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Schädlinge, Krankheiten und veränderte Klimabedingungen machen.
Soja boomt
Der Zucht von Sojabohnen hat sich der Standort Reichersberg der Saatzucht Donau verschrieben. Die Nutzfläche dieser Pflanze ist in den vergangenen Jahren gestiegen, sie lag 2025 in Oberösterreich bei rund 21.000 Hektar. Soja kann durch längere Wachstumsphasen Trockenperioden besser ausgleichen und verträgt höhere Temperaturen. Rund zehn Jahre dauert es, bis aus den ersten Zuchtversuchen ein zugelassenes Saatgut wird. Ziel ist es, diesen Zeitraum auf rund acht Jahre zu verkürzen.
Forschungen mit Genschere
Eine Möglichkeit dafür könnte die sogenannte Genschere oder CRISPR/Cas sein, an der Hermann Bürstmayr seit fünf Jahren am IFA Tulln, einer Außenstelle der Universität für Bodenkultur Wien, forscht. Dabei wird, vereinfacht gesagt, Erbgut an einer bestimmten Stelle durchgeschnitten und verändert. Die so herbeigeführten Mutationen können auch zufällig in der Natur auftreten. Derzeit dürfen mit CRISPR/Cas veränderte Pflanzen nur im Glashaus ausgebracht werden, was sich aber bald ändern könnte.
EU-Parlament stimmt ab
Denn kommende Woche wird im EU-Parlament über eine Aufweichung der Regeln für genomische veränderte Pflanzen abgestimmt. Sollte die Abstimmung positiv ausgehen, könnte die Methode in der Züchtung zum Einsatz kommen. Ob sie die entscheidenden Erfolge bringen kann, erklärt Bürstmayr so: „Hitze- und Trockenstress sind relativ komplex und können nicht einfach verändert werden, bei Resistenzen könnte die Genschere aber ein Vorteil sein“.
Warnung vor Versorgungslücke
OÖ Landwirtschaftskammerpräsident Franz Waldenberger steht der Methoden offen gegenüber, befürchtet aber durch Patentierungen Einschränkungen beim freien Sortenzugriff oder dem Nachbau von Erntegut. Wie dramatisch sich der Klimawandel auf die Landwirtschaft auswirkt, zeigt sich im nördlichen Burgenland, wo die Erträge durch Ackerbau seit Mitte der 90er-Jahre stagnieren. „Die Erträge im Osten Österreichs könnten in der Klimaperiode ab 2036 um 45 Prozent zurückgehen. Tritt dieses Szenario ein, bekommen wir ein Versorgungsproblem bei Getreide“, warnt Waldenberger.
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