Ob an der Schaubühne Berlin oder in eindringlichen Filmrollen: Felix Römer liebt menschliche Abgründe. Und er sucht das Intensive auf der Bühne. Am 24. März gastiert der bekannte Schauspieler mit Thomas Bernhards Horrorprosa „Das Kalkwerk“ im Theater Phönix. Die „Krone“ sprach mit ihm über die orgiastische Inszenierung.
Ein Gelehrter zieht sich mit seiner gelähmten Frau in ein stillgelegtes Kalkwerk zurück, will eine Studie über das Gehör verfassen, daraus wird eine mörderische Obsession.
Der Roman „Das Kalkwerk“ von Thomas Bernhard, der heuer 95 Jahre alt geworden wäre, wurde bereits 2014 für die Schaubühne Berlin dramatisiert. Nun bringt Felix Römer, der schon damals das Solo spielte, die Produktion ins Linzer Theater Phönix. Er gab vorab der „Krone“ ein Interview über diesen intensiven Gedanken-Exzess.
„Krone“: Was fasziniert Sie an Bernhards Text „Kalkwerk“?
Felix Römer: Die Unbedingtheit und Rücksichtslosigkeit, mit der jemand wie der Wissenschaftler Konrad versucht, seine Studie über das Gehör zu schreiben. Zuletzt bringt er dafür seine Frau und – wie er sagt – gleichzeitig sich selbst um. Die große Frage ist: Was sind wir bereit, für unseren Lebenstraum aufs Spiel zu setzen?
Wie bringen Sie das alles auf die Bühne?
In unserer Aufführung spiele ich nicht nur Konrad, sondern gleichzeitig auch seine im Rollstuhl sitzende Frau und also „Hauptversuchsperson“ für seine Gehör-Experimente. Beide Personen sind tragisch-komisch aneinandergekettet, beide sind gleichzeitig Opfer und Täter, Quäler und Gequälte.
Die Inszenierung entstand für die Schaubühne Berlin. Was ist das Besondere an dieser Fassung?
Der Höhepunkt ist – in guter österreichischer Koch- und Aktionskunst –, dass sich Konrad in der großen Ballszene, also während des Kaiserwalzers, in Mehl, Eier und Brösel selbst paniert. Dieses Happening wird zum Sinnbild des Thomas Bernhard’schen Österreich. Das ganze Land ein riesiges Schnitzel, unter deren Panade der Abgrund lauert!
Sie spielen nun das Stück im Heimatland von Thomas Bernhard. Wie ist das für Sie?
Es ist ein großes Geschenk für mich, in Österreich, dem Kernland von Thomas Bernhard zu spielen. Natürlich ist der Auftritt in Oberösterreich für mich ein ganz besonderes Ereignis – denn im Dreieck Gmunden, Ohlsdorf und Linz verläuft für mich sowas wie die „Bernhard’sche Goldader“. Hier auf der Bühne zu stehen, ist für mich, wie im Nabel oder im Auge des Vulkans Theater zu spielen! Grundsätzlich erlebe ich das österreichische Publikum spontaner und reaktionsfreudiger als das Berliner Publikum.
Wie oft haben Sie „Das Kalkwerk“ schon gespielt?
In Berlin zwischen 2014 und 2020 etwa 140 Mal vor ausverkauftem Haus. Ich bin neugierig, ob ich die Linzer zu Standing Ovations hinreißen kann – ich werde jedenfalls alles dafür tun, dass dem so sein wird!
Wie würden Sie sich selbst in drei Sätzen als Schauspieler beschreiben?
Als Extrembergsteiger in der Schauspielerei. Ich bin auch ein leidenschaftlicher Monologspieler. Mein jüngster Monolog war „Schlammland Gewalt“ von Ferdinand Schmalz im Bregenzer Theater Kosmos im Dezember 2025. Derzeit bin ich als Adam in „Der zerbrochene Krug“ von Kleist, ebenfalls in der Regie von Philipp Preuss, am Theater an der Ruhr in Mühlheim zu sehen.
Infos: “Das Kalkwerk“, 24. März, Theater Phönix Linz;