Bei einer Kundgebung in Hall in Tirol, wo vor fast zwei Wochen einer muslimischen Familie ein Schweinskopf und die Botschaft „Happy Ramadan ihr Affen!“ vor die Tür gelegt worden waren, machten sich Dienstagabend hunderte Menschen gegen Hass und Rassismus stark. Die klare Botschaft von Jugendlichen und Pensionisten, Muslimen und Ordensschwestern, Politikern und Stadtbürgern: „Wir lassen uns nicht spalten.“
„Das ist nackter, purer Hass“, fand Bernd Leidlmair von den sozialdemokratischen Gewerkschaftern (FSG) klare Worte. Er war einer von rund zehn Rednern, denen am Oberen Stadtplatz in Hall mehrere hundert Leute lauschten – eine bunte Mischung aus Jung und Alt, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.
„Mich hat das unglaublich schockiert“
Unter den vereinzelt mit Schildern ausgerüsteten Teilnehmerinnen und Teilnehmern befand sich auch Raphael. „Mich hat das unglaublich schockiert und wütend gemacht“, erklärte der junge Haller in Begleitung seiner Freunde. In ihrem Kreis sei das Thema in den letzten Tagen breit diskutiert worden. „Gerade, wenn man die Bilder sieht, bekommt das noch eine ganz andere Nähe.“ Daher sei es ihm wichtig gewesen, Solidarität zu bekunden.
Solidaritätsbekundungen, aber auch Kritik
Solidarität mit der angegriffenen Familie, mit Opfern von Rassismus im Allgemeinen, fand sich als wiederkehrendes Motiv auch in den Redebeiträgen. Mesut Onay von der Liste Ali zeigte sich „erleichtert, dass so viele gekommen sind und der Familie zeigen, dass sie nicht alleine ist“. Er beschwor eine „gute Nachbarschaft“ angesichts von „Machtspielen mit Schweinsköpfen“.
So etwas darf nie wieder passieren – nicht in Hall, nicht in Tirol und nirgendwo in Österreich.
Orhan Gurcan, ADIF
Mehrfach wurde auch Kritik am Vorgehen der Polizei geübt, wobei die betreffende Familie mittlerweile befragt wurde. Ihr Sprachrohr Orhan Gurcan von der Vereinigung demokratischer Arbeiter aus der Türkei in Österreich (ADIF) lobte gegenüber der „Krone“ auch, dass die Beamten dabei sehr freundlich und bemüht gewesen seien. Dennoch bekräftigte er die Forderung, dass die Behörden sensibler auf Delikte dieser Art eingehen müssten.
Politik und Medien wurden ebenfalls in die Pflicht genommen, da sie mit ihrer Berichterstattung und Wortwahl den Blick der Gesellschaft auf Migrantinnen und Migranten beeinflussen. „Das Gefährliche ist nicht der Hass, sondern die Gewohnheit“, erklärte Grünen-Politikerin Arslan. Angriffe wie der jüngste in Hall dürften niemals „normal“ werden.
„Wir sind alle Menschen“
Mit einer brennenden Kerze in der Hand setzte auch Schwester Notburga Maringele von den Tertiarschwestern in Hall ein Zeichen. Der Vorfall habe sie sehr betroffen gemacht, vor einer Verrohung der Gesellschaft habe sie Angst, sagte sie zur „Krone“. Daher habe sie herkommen müssen. In ihrem Redebeitrag brachte sie es mit zwei Geschichten aus dem Juden- und Christentum auf den Punkt: „Nicht den Christen oder den Muslim, den Linken oder Rechten – wir müssen den Menschen sehen.“
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