Konkurrenzkampf?

Pottwale rammen mit dem Kopf gezielt Artgenossen

Wissen
23.03.2026 17:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Pottwale rammen mit dem Kopf gezielt Gegenstände und Artgenossen. Das hat jetzt ein Forschungsteam aus Schottland erstmals dokumentiert und systematisch beschrieben. Sie vermuten, dass Kopfstöße Teil des Konkurrenzkampfes zwischen Männchen sein könnten.

Die Jungtiere könnten sie als typische Verhaltensweise spielerisch trainiert haben, so wie das viele heranwachsende Säugetiere bei Rangeleien tun. Allerdings gebe es auch das Argument, dass Kopfstöße zu diesem Zweck evolutionär unsinnig wären, teilte das Forschungsteam der Universität St. Andrews mit. So sei die Gefahr für die etwa 40 bis 60 Tonnen schweren Tiere zu groß. Für die Erzeugung von Lauten und die soziale Kommunikation sind Strukturen im Kopf verantwortlich. Schon beim Spiel könne ein kleineres Tier verletzt werden, wenn es von einem größeren gerammt werde, hieß es.

Denkbar sei außerdem, dass Jungbullen aus ihrem Familienverband ausgeschlossen werden, wenn sie anfangen, Gruppenmitglieder häufiger mit Kopfstößen zu traktieren. Geschlechtsreife Bullen bilden zunächst Junggesellengruppen und ziehen später als Einzelgänger durch die Meere.

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Schon beim Spiel kann ein kleineres Tier verletzt werden, wenn es seitlich von einem größeren gerammt wird.

Forschungsteam um Alec Burlem

Aufnahmen mit Drohnen
Das Team um Alec Burlem hatte zwischen 2020 und 2022 Pottwale mithilfe von Drohnen vor den Küsten der Azoren (Portugal) und der Balearen (Spanien) gefilmt. Dabei wurde zufällig aufgezeichnet, wie sich einige Tiere gegenseitig Kopfstöße verpassten. Darunter waren junge Tiere, keine großen Bullen. Insgesamt drei solcher Ereignisse wurden gefilmt. Der Aufprall erfolgte entweder Kopf gegen Kopf oder Kopf gegen Körper.

Die Beobachtungen bestätigten anekdotische Berichte von Seefahrern aus dem 19. Jahrhundert, wonach Pottwale mit dem Kopf gezielt Objekte rammen und Schiffe unrettbar zerstören können. Bekanntester Fall ist der Untergang des 27 Meter langen Walfangschiffs „Essex“, das den Schriftsteller Herman Melville (1819-1891) zu seinem berühmten Roman „Moby Dick“ inspirierte: Das Segelschiff soll 1820 vor den Galapagosinseln durch zwei Kopfstöße von einem großen Pottwal-Bullen so schwer beschädigt worden sein, dass es sank.

Meeresbewohner haben Superhirn
Um die Funktion des Verhaltens verstehen zu können, seien weitere Beobachtungen insbesondere von großen Bullen nötig, sagte das Forschungsteam. Die Meeresbewohner haben das schwerste bekannte Gehirn heutzutage lebender Tiere. Was sie mit dem Superhirn anstellen, ist aber noch weitgehend unklar. Ihr Lebensraum ist die Tiefsee vom Äquator bis zu den Polen fernab der Küsten. Sie verständigen sich über Klicksequenzen, sogenannte Codas. Auf diese Weise sprechen sie sich etwa bei der Nahrungssuche ab und helfen sich gegenseitig bei der Aufzucht der Jungtiere.

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