Wegen des Iran-Krieges fehlen weltweit bereits elf Millionen Fass Öl am Tag. Die Internationale Energieagentur IEA warnt vor der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten. Heimische Experten raten als Sofortmaßnahme zu niedrigeren Tempolimits, autofreien Tagen wie 1974 und anderen Maßnahmen, um Öl zu sparen.
Österreich sollte sofort verstärkt versuchen, den Verbrauch von Öl und Gas zu bremsen. Für Experten wie die renommierte Umweltökonomin Sigrid Stagl würden spürbare Einschränkungen beim Verkehr schnell wirken. Denkbar seien autofreie Tage wie bei der Ölkrise der 1970er-Jahre sowie niedrigere Tempolimits von 80 km/h auf Freilandstraßen und 100 km/h auf Autobahnen.
„Die Bevölkerung erwartet Entlastung, aber solange wir in Verhaltensweisen hängen bleiben, müssen wir eigentlich zuschauen, wie das Budget verwendet wird, Reparaturmaßnahmen zu setzen – das können wir uns aber nicht lange leisten.“ Statt der aktuellen Spritpreisbremse brauche es daher Verhaltensänderungen samt deutlichen Eingriffen bei der Mobilität.
Ausbau von Ökostrom beschleunigen
Mittelfristig geht es nicht ohne konsequente Strukturänderungen, so Ökonomin Stagl im ORF-Radio. Insbesondere müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien schneller werden. „Durch die Elektrifizierung von Industrie und Verkehr würden wir zwar mehr Strom brauchen, aber insgesamt weniger Energie benötigen und wären viel besser geschützt vor internationalen Krisen.“
Auch der Verkehrsclub Österreich empfiehlt als Sofortmaßnahme für jeden Autofahrer langsameres, vorausschauendes Fahren und früheres Hochschalten, was insgesamt 15 bis 20 Prozent Sprit sparen kann. Weiters sollten Firmen mehr Homeoffice erlauben, um den Weg in die Arbeit zu sparen, sowie Fahrgemeinschaften, Öffi-Tickets und Fahrrad-Leasing für ihre Mitarbeiter fördern.
Kein Land bleibt verschont.

IEA-Chef Fatih Birol
Bild: AP/Lukas Coch
„Welt steuert auf die schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten zu“
Alles hängt daran, wie lange der Iran-Krieg noch dauert. Bleibt die Knappheit von Öl und Gas noch eine Weile bestehen, dann steuert die Welt auf die „schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten“ zu, warnte Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA). „Kein Land wird von den Auswirkungen der Krise verschont bleiben, wenn sie sich weiter in diese Richtung entwickelt.“
Bei den beiden Ölschocks der 1970er-Jahre „hat die Welt jeweils etwa fünf Millionen Fass Öl am Tag verloren. Bis heute haben wir elf Millionen am Tag verloren“, so Birol. Die Öl-Lücke sei also aktuell schon doppelt so groß wie früher. Die IEA hat bereits die Rekordmenge von 426 Millionen Fass aus ihrer Notreserve freigegeben, um die weltweite Versorgung zu erhalten.
Aktuell stieg Nordsee-Öl auf rund 113 Dollar je Fass, OPEC-Öl auf 143 Dollar. Die US-Bank Goldman Sachs rechnet nun mit durchschnittlich110 Dollar für April, erst gegen Jahresende könnte der Preis dann auf 80 Dollar sinken.
„Aufschwung in Österreich abgesagt“
Folge ist, dass bei einem Anhalten der kriegerischen Handlungen in Nahost laut Raiffeisen-Analyse der Wirtschaftsaufschwung Österreichs heuer „wohl abgesagt“ ist. Statt eines bisher erwarteten Wachstums von einem Prozent sind nur mehr 0,3 Prozent plus zu erwarten, wenn die Krise länger dauert. Die Inflation könnte kurz auf rund sechs Prozent hochspringen. Für die Eurozone insgesamt würde die Wachstumsprognose von 1,4 Prozent auf 0,5 Prozent reduziert.
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