WEGA-Beamte als Opfer?

Aufreger-Anklage gegen taubstummen Wiener (29)

Gericht
22.03.2026 20:30

Aufreger-Anklage im Wiener Landesgericht: Bei einem dramatischen Einsatz von einer Spezialeinheit niedergeschossen, wird einem taubstummen Wiener der Prozess gemacht. Einen einzelnen Schritt mit einem Küchenmesser sieht die Anklagebehörde als dreifachen Mordversuch an. 

Der 29-jährige Elektrotechniker war sportbegeistert, wuchs in einer liebevollen Familie auf. Dass er taubstumm ist, schränkte ihn nie ein. Im November 2024 änderte sich alles. Der junge Wiener verhielt sich auf einmal komisch, hatte immer wieder wirre Episoden. Die am 15. Juni eskalierten.

Ein Tag, der das Leben der Familie veränderte 
Der 29-Jährige sperrte sich – nicht zum ersten Mal – in der elterlichen Wohnung ein. Weil sein Vater fürchtete, er könne sich etwas antun, wählte er den Notruf. Schon da gibt er konkret an: „Mein Sohn ist taubstumm.“

Zwei Tasereinsätze ohne Reaktion
Drei aufgerüstete und schwer bewaffnete Beamte stürmten nach der Wohnungsöffnung und dem Wurf einer Blendgranate in die Küche. Wo der Wiener mit einem Küchenmesser gegen seine eigene Brust gerichtet in der Ecke stand. „Schmeiß das Messer weg“, forderten ihn die WEGA-Männer mit gezogener Waffe auf. Keine Reaktion – der 29-Jährige ist schließlich taubstumm.

Mit diesem Küchenmesser ging der 29-jährige Betroffene einen Schritt auf die drei WEGA-Beamten ...
Mit diesem Küchenmesser ging der 29-jährige Betroffene einen Schritt auf die drei WEGA-Beamten zu.(Bild: zVg)

Zwei Tasereinsätze blieben erfolglos, da machte der Betroffene mit dem Messer einen Schritt auf die Spezialeinheit zu – und ein Beamter drückte ab, zweimal. Ein Projektil traf den 29-Jährigen in die Brust. Bereits am Boden liegend, taserten ihn die WEGA-Kräfte noch einmal. Der 29-Jährige überlebte nach Notoperation und tagelangem Koma knapp.

Seine Anwälte Alexander Prenner und Noah McElheney fragen sich jetzt: War das wirklich notwendig? Die Antwort der Staatsanwaltschaft Wien: eine Anklage gegen den jungen Mann wegen dreifachen Mordversuchs, die den Schusswaffengebrauch freilich rechtfertigt.

Anwalt sieht die Anklage als verfehlt an
Die Behörde nimmt an, dass der 29-Jährige die bedingte Absicht gehabt hätte, die drei schwer bewaffneten WEGA-Beamten mit dem Küchenmesser zu töten. „Dafür gibt es überhaupt keine Anhaltspunkte“, kritisiert Anwalt Alexander Prenner den Antrag auf Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum. Natürlich bräuchte sein Mandant psychiatrische Betreuung, die Anlasstat könne aber nicht als dreifacher Mordversuch gewertet werden. „Die bloße abstrakte Möglichkeit einer Straftat genügt nicht.“

Die Kanzleipartner Alexander Prenner und Noah McElheney verteidigen den jungen Wiener im ...
Die Kanzleipartner Alexander Prenner und Noah McElheney verteidigen den jungen Wiener im Mordversuchsprozess.(Bild: Kanzlei MPW Rechtsanwälte)

Gesetzt habe sein Mandant nämlich lediglich einen Schritt – von einem Tötungsvorsatz, besonders gegen alle drei Elitepolizisten, könne man daher nicht sprechen. Das müssen am 13. und 27. April nun Geschworene im Wiener Landesgericht entscheiden.

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