Was die Oma im Jahr 1946 begonnen hat, das bringt Enkelin Gabriele jetzt zu Ende. Doch am letzten Arbeitstag blickte sie noch einmal zurück auf eine Familientradition mit spannenden Geschichten.
Erleichterung, aber auch Wehmut schwang mit, als Gabriele Huber-Hruschka am Samstag im Fruchthof in Neu-Arzl in Innsbruck ihre Trafik ein letztes Mal zusperrte. Damit endet nach 80 Jahren eine Familientradition. „Meine Oma hat sich 1946 als Kriegswitwe vors Finanzamt gesetzt und gesagt: Ich gehe nicht weg, bevor ich nicht eine Trafik bekomme“, erzählt die Enkelin, wie alles begann.
Oma Anna bekam ihre Trafik, direkt an der Haller Straße. „Ein Metzger und ein Lebensmittelgeschäft waren gleich ums Eck. Es war ein belebtes Viertel mit sehr familiärer Atmosphäre“, beschreibt Gabriele Huber-Hruschka ein Bild, das viele noch von früher kennen. Ein autonomes Stadt-Grätzl, in dem die Bevölkerung wie in einem eigenen Dorf lebte. In diesem Fall hieß das Grätzl Schießstand und die Bewohner waren stolze Schießstandler.
Zeitungen, Tabakwaren, Stempelmarken – später erweiterte Mutter Annemarie das Sortiment um Schulartikel. „Weil die Volksschule in der Nähe war“, nennt die Tochter den Grund. In der Familie Huber leiteten stets die Frauen das Geschäft. „Papa hatte einen anderen Beruf, übernahm aber gerne die Samstage. Da hatte Mama daheim genug zu tun.“
Gebäude musste für Olympische Spiele weichen
1976 musste die erste Trafik weichen, weil die Haller Straße für die Olympischen Spiele erweitert wurde. Eineinhalb Jahre war ein Wohnwagen Geschäftslokal, dann ein Haus in der Monte-Piano-Straße. Da half Gabriele schon fleißig mit. „Manche Kunden kamen täglich, um ihre Zeitung oder Zigaretten zu holen. Blieben sie aus, dann hat man daheim angerufen.“
So war das damals. Heute huschen die meisten Kunden rein und rasch wieder raus. Viele nehmen die Trafikantin gar nicht richtig wahr. Einige schon. Mit ihnen hat Gabriele Huber-Hruschka am Samstag ihren Abschied in die Pension gefeiert.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.