„Russische Methode“
So wollte Ungarn die Geldboten zum Reden bringen
Kiew ortet „russische Methoden“ bei der Festhaltung ukrainischer Mitarbeiter der Staatsbank bei der Geldtransporter-Razzia Anfang März. Eine Person soll eine Injektion mit unbekanntem Inhalt verabreicht bekommen haben, um beim Verhör gesprächiger zu sein.
Die Causa um die Beschlagnahme zweier ukrainischer Geldtransporter in Ungarn spitzt sich zu: Die ungarischen Behörden hatten am 5. März zwei Geldtransporter aus Österreich, die auf dem Weg in die Ukraine waren, gestoppt und über 70 Millionen Euro sowie neun Kilogramm Gold beschlagnahmt. Die Sendung wurde mit dem Verdacht auf Geldwäsche von der ungarischen Steuer- und Zollbehörde (NAV) einkassiert und später leer zurückgegeben – was nun zu Spannungen führt. Dabei wurden die ukrainischen Bankmitarbeiter des Konvois über 24 Stunden lang festgehalten.
Injektion in Gewahrsam verabreicht
Die ukrainischen Mitarbeiter, die zur staatlichen Oschadbank gehören, waren die meiste Zeit davon mit verbundenen Augen und in Handschellen in Gewahrsam, bevor sie an die ukrainische Grenze gebracht und mit einem Einreiseverbot für den Schengen-Raum belegt wurden. Der Guardian berichtete nun, dass einem der Ukrainer gegen seinen Willen eine Injektion mit unbekanntem Inhalt verabreicht worden sein solle. Das teilten Sicherheitskreise aus Kiew, als auch eine Quelle der ungarischen Polizei mit.
Nun vermuten ukrainische Quellen, dass die Injektion ein Beruhigungsmittel enthalten haben solle, das die Ukrainer während der Verhöre gesprächiger machen sollte. Der Betroffene, ein Diabetiker und ehemaliger Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts der Ukraine (SBU), erlitt Berichten zufolge eine hypertensive Krise und verlor das Bewusstsein, woraufhin er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Der Anwalt der Betroffenen bestätigte, dass „einer Person trotz ihrer Einwände eine Injektion mit unbekanntem Inhalt verabreicht wurde“.
Wahrheitsserum wie aus KGB-Zeiten?
Eine ukrainische Quelle beschrieb die erzwungene Injektion als eine „Methode russischer Prägung“, die an die sogenannten Wahrheitsseren erinnere, die in früheren Jahrzehnten bei KGB-Verhören eingesetzt wurden. Spuren eines solchen Medikaments seien bei Bluttests gefunden worden, die nach der Rückkehr der Männer in die Ukraine durchgeführt wurden, sagte eine andere Quelle.
Anwalt vermutet Trotzreaktion Ungarns
Die ukrainische Oschadbank fordert weiterhin die Rückgabe der in Ungarn beschlagnahmten Gelder und hat wegen Amtsmissbrauchs Anzeige erstattet sowie rechtliche Schritte gegen die Abschiebung und Schengen-Einreiseverbot der Mitarbeiter eingeleitet. Ungarn hingegen ermittelt wegen Geldwäsche und behauptet, die Mittel seien für eine „ukrainische Kriegsmafia“ bestimmt gewesen.
Der Anwalt der betroffenen Ukrainer verweist auf Äußerungen von Verkehrsminister János Lázár, die auf ein politisches Motiv hindeuten: Die Beschlagnahme könnte eine Reaktion auf Kiews Weigerung sein, eine Gaspipeline zu reparieren, die russisches Gas durch die Ukraine nach Ungarn transportiert. Lázár soll dazu gesagt haben: „Wenn sie uns erpressen … geben wir das Geld nicht zurück.“











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