Warten auf Geld

Leihfirma pleite – und Ärger geht immer weiter

Burgenland
21.03.2026 05:00

Hunderte getäuschte Kunden müssen noch um ihr Geld zittern – mit wenig Aussicht auf Erfolg. Durchsetzungsvermögen bewies eine Burgenländerin. Nach Einsprüchen und 110 Wochen (!) bekam sie ihre Kaution zurück.

„Diese zwielichtigen Geschäftsmethoden werden wohl strafrechtliche Konsequenzen haben!“ Davon ist eine bitter enttäuschte Kundin aus Neusiedl überzeugt, die sich von der Leihfirma 123 Shared Mobility GmbH mit Sitz in Ternitz (NÖ), Betreiber der Marke 123-Transporter in Österreich, betrogen fühlt. So wie sie haben bereits mehr als 1500 Gläubiger Geldforderungen angemeldet – in Summe 7,1 Millionen Euro, die „Krone“ berichtete. Der Großteil sind nicht zurückgezahlte Kautionen von Kunden.

„Versteckte Falle“
„1000 Euro waren erst nach der Buchung extra zu bezahlen“, wie sich ein Betroffener aus Eisenstadt an die „gut versteckte Vertragsfalle“ erinnert: „Vor dem Abschluss der Mietvereinbarung wurde auf die zu zahlende Sicherheitsleistung nicht deutlich genug hingewiesen, sie war nur im Kleingedruckten auf den 26 Seiten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu finden.“

Rasch häuften sich deswegen die Reklamationen. Doch die Leihfirma für Kleintransporter konnte weiterhin ihren dubiosen Geschäften nachgehen.

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Umso erstaunlicher ist es, wie viele Beschwerden erst eingebracht werden mussten, bis gegen diese Geschäftspraktiken etwas unternommen worden ist.

Ein ehemaliger Kunde von 123-Transporter

Kampf ums Geld
Durchsetzungsvermögen hat eine Burgenländerin bewiesen. Noch bevor das niederösterreichische Unternehmen pleitegegangen ist, erhielt sie nach mehrfachen Einsprüchen ihre Kaution zurück: „Dieser Kampf um mein Geld hat 110 Wochen gedauert. Das war eine Nervenschlacht!“ Die Einbehaltung einer Kaution für 56 Tage (oder länger) sei illegal und stelle de facto einen kostenlosen Kredit der Kunden für das Unternehmen dar – das stellen Experten der Konsumenteninformation und des Europäischen Verbraucherzentrums klar fest.

„Umso erstaunlicher ist es, wie viele Beschwerden erst eingebracht werden mussten, bis gegen diese Geschäftspraktiken etwas unternommen worden ist“, merkt ein Leidtragender aus dem Bezirk Oberpullendorf an. Im Fall von 123-Transporter waren es Kautionen in Millionenhöhe, die nicht retourniert wurden. Jetzt warten Hunderte Geschädigte auf Entschädigung – die Hoffnung wird allerdings immer kleiner.

Geldstrafen sogar noch im Nachhinein kassiert
Den Fall so richtig ins Rollen gebracht hat ein ehemaliger Polizist aus Rust. Er hatte auf einer Tour mit einem Leihtransporter allein auf den ersten 450 Kilometern 13 Strafen in der Höhe von 740 Euro wegen „Raserei“ verhängt bekommen – jedoch nicht von der Polizei, sondern die Mietfirma hat während der Fahrt unbemerkt per Kreditkarte die Geldbußen eingehoben. Sogar als die Tour vorbei war, ging der Ärger mit 123 Transporter ungebremst weiter.

Dem Kunden aus Rust flatterten Tage später neue Zahlungsaufforderungen ins Haus – oder besser gesagt aufs Handy. Ein Inkassobüro drängte auf die Überweisung von angeblich nicht bezahlten Strafen wegen Schnellfahrens. „Das ist meines Erachtens Betrug“, so der Ex-Polizist. Sein Akt liegt bei der Staatsanwaltschaft auf. 

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