Schäden in Katar
Europas Flüssiggasversorgung langfristig bedroht
Nach und nach ergibt sich ein klareres Bild über die Schäden an Katars Gasinfrastruktur nach den massiven iranischen Luftangriffen. Laut QatarEnergy-Chef Saad al-Kaabi ist die Versorgung Europas und Asiens mit Flüssiggas (LNG) langfristig bedroht. Die Reparatur der Anlagen werde drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen.
Der Ausfall verursacht nach Angaben des Managers einen jährlichen Einnahmeverlust von geschätzt 20 Mrd. US-Dollar (rund 17,4 Mrd. Euro). Betroffen seien Lieferungen an Kunden in Italien, Belgien, Südkorea und China. QatarEnergy werde für diese langfristigen Verträge wohl für bis zu fünf Jahre „Force Majeure“ (Höhere Gewalt) erklären müssen. Das heißt, dass vertragliche Pflichten wegen unvorhersehbarer, von außen kommender Ereignisse nicht eingehalten werden können. „Das sind langfristige Verträge, für die wir Höhere Gewalt anmelden müssen“, sagte Kaabi. Dies gelte nun für die gesamte Dauer der Reparaturarbeiten.
„Attacke von brüderlichem Land im Ramadan ausgeführt“
Bei den Angriffen wurden zwei der 14 LNG-Produktionsstränge (Trains) sowie eine der zwei „Gas-to-Liquids“-Anlagen (GTL) beschädigt. Damit fehlen dem Weltmarkt jährlich 12,8 Millionen Tonnen LNG. Die Attacken erfolgten nur Stunden, nachdem Israel seinerseits iranische Gasinfrastruktur angegriffen hatte. Kaabi zeigte sich im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters erschüttert über das Ausmaß der Gewalt. „Ich hätte mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, dass Katar – Katar und die Region – einem solchen Angriff ausgesetzt sein würden“, sagte er. Dies gelte besonders, da die Attacke „von einem brüderlichen muslimischen Land im Monat Ramadan“ ausgeführt worden sei.
Auswirkungen reichen weit über LNG-Geschäft hinaus
Die Auswirkungen reichen weit über das LNG-Geschäft hinaus. Die Exporte von Kondensat werden laut Kaabi um rund 24 Prozent einbrechen, die von Flüssiggas (LPG) um 13 Prozent. Die Heliumproduktion werde um 14 Prozent zurückgehen, bei Naphtha und Schwefel werde ein Minus von jeweils sechs Prozent erwartet. QatarEnergy hatte bereits nach früheren Angriffen auf das Produktionszentrum Ras Laffan für seine gesamte LNG-Produktion „Force Majeure“ erklärt. Eine Wiederaufnahme der Produktion sei derzeit nicht absehbar.
Die Schäden haben auch zu weiteren Preissteigerungen bei Erdgas und Erdöl geführt. An der Börse in Amsterdam legte die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat am Nachmittag um 12,9 Prozent auf 61,67 Euro je MWh zu, lag zeitweise um etwa 25 Prozent im Plus. Der Preis für Brent-Rohöl stieg zeitweise auf nahe 120 Dollar.










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