Vor wenigen Jahren verfügte die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) noch über eine komfortable finanzielle Reserve, davon ist heute nichts mehr übrig. Ohne tiefgreifende Reformen und zusätzliche Mittel drohen Maßnahmen, die letztlich auch die Versicherten zu spüren bekommen werden.
Unser Gesundheitssystem krankt an allen Ecken und Enden – und dem größten Sozialversicherungsträger Österreichs geht das Geld aus, um ihre Budgetlöcher zu stopfen. Während die ÖGK im Jahr 2020 noch Rücklagen von 1,4 Milliarden aufwies, waren Ende 2024 nicht einmal mehr genug Geldreserven da, um den Jahresabgang zu decken. 25 Millionen Euro waren als ungedeckte Rücklagen ausgewiesen. Von der gesetzlich vorgesehenen Leistungssicherungsrücklage in Höhe von ungefähr einem Zwölftel der jährlichen Ausgaben für Versicherungsleistungen ist auch nichts mehr übrig.
Grund dafür sind mehrere Jahre mit deutlichen Defiziten. Seit 2020 schreibt die Kasse regelmäßig Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. So lag das Minus im Jahr 2020 bei rund 551 Millionen Euro, 2021 sogar bei etwa 627 Millionen Euro. Auch in den darauffolgenden Jahren blieb die Bilanz negativ, wenn auch etwas niedriger (2022: minus 301 Mio.; 2023: minus 410 Mio. und 2024: minus 550 Mio.).
Und die ÖGK-Prognosen schauen ebenso wenig rosig aus: Man rechnet bis 2028 mit einem jährlichen Minus von 948 Millionen Euro.
„Die Liquidität wird aufgrund des demographischen Wandels schwierig zu erhalten sein“, warnt Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer. Zwar beschließt die Krankenkasse immer wieder Sparpakete, doch die reichen nicht aus. Und auch die Erhöhungen der Pensionsbeiträge sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Wenn es so weitergeht, sieht die Situation sehr schlecht aus. Die einzige Möglichkeit werden Leistungskürzungen sein“, so Pichlbauer.
Ministerin: „Keine Möglichkeit für weitere Zuschüsse“
SPÖ-Gesundheitsministerin Korinna Schumann schließt weitere finanzielle Unterstützung vom Staat für 2027 und 2028 allerdings aus: „Aus unserer Sicht gibt es derzeit keine Möglichkeit, weitere Mittel zuzuschießen.“
Auch wenn die staatlichen Budgets ebenso strapaziert sind, wird es ohne staatliche Zuschüsse oder Leistungsanpassungen wohl nicht gehen.
Florian Bachner, Gesundheitsökonom der Gesundheit Österreich GmbH
Wie soll es dann weitergehen? Denn realpolitisch sei eine Pleite der ÖGK auszuschließen, meint Gesundheistökonom Florian Bachner von der Gesundheit Österreich GmbH: „Auch wenn die staatlichen Budgets ebenso strapaziert sind, wird es ohne staatliche Zuschüsse oder Leistungsanpassungen wohl nicht gehen“, so Bachner, der ebenfalls mit Leistungskürzungen rechnet.
Ohne große Reformen und einem neuen, nachhaltigen Finanzkonstrukt sieht es laut den Experten schlecht um unser Gesundheitssystem aus. Aktuell laufen ja Gespräche in Reformgruppen, wie Ministerin Schumann mehrfach berichtet hat.
Wohin die Milliarden-Rücklagen geflossen sind
Die Defizite der Österreichische Gesundheitskasse entstehen vor allem durch stark steigende Ausgaben in mehreren großen Bereichen: Den größten Anteil macht die Spitalsfinanzierung aus, die seit 2020 um mehr als eine Milliarde Euro gewachsen ist. Auch die Honorare für niedergelassene Ärzte sind deutlich gestiegen, ebenso die Medikamentenkosten, insbesondere durch teure Spezialtherapien.
Besonders dynamisch entwickelte sich zudem das Krankengeld, das seit 2019 um rund 500 Millionen Euro zulegte – unter anderem wegen längerer Krankenstände und mehr psychischer Erkrankungen. Die Ausgaben wuchsen deutlich schneller als die Einnahmen aus Krankenversicherungsbeiträgen.
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