Interview & Konzert

Maximo Park: Echtes Glück kann so einfach sein

Musik
16.03.2026 00:41

Vor 20 Jahren wirbelten die Briten Maximo Park mit ihrem Debütalbum „A Certain Trigger“ die Indie-Szene durcheinander – heute sind sie damit auf Tour und begeisterten Sonntagabend in der randvollen Wiener Arena. Frontmann Paul Smith nahm sich vor dem Konzert Zeit für die „Krone“ und sprach über Geburtstage auf Tour, die Krux mit der Nostalgie und warum keine großen Karriereambitionen zu haben zu dieser Karriere führten.

kmm

Mit der Nostalgie lässt sich in der Musik noch immer das beste Geschäft machen. Wenn nicht gerade Oasis die Arenen dieser Welt füllen und sich der Britpop aus den 90ern ausbreitet, sind momentan die 2000er-Jahre besonders beliebt. Noch vor wenigen Wochen zogen die Kooks mit ihrem Debütalbum und einem Greatest-Hits-Programm durch Europa und auch Wien, Sonntagabend tun es ihnen die Landsmänner von Maximo Park gleich. Das Kollektiv aus dem nordenglischen Newcastle hat für das 2005er Debütalbum „A Certain Trigger“ eine „Mercury Prize“-Nominierung eingesackt und damit eine immer noch fruchtbare Karriere im (früher) Post-Punk- und (später) Indie-Segment gestartet. Frontmann Paul Smith erinnert sich vor dem Gig in der seit Monaten restlos ausverkauften Wiener Arena im „Krone“-Talk daran, wie sich sein Leben über Nacht veränderte. „Bevor ich in die Band kam, habe ich noch nie in meinem Leben gesungen und 18 Monate später hatten wir einen Plattenvertrag bei Warp Records, einem meiner Lieblingslabel. Das war surreal und ging unglaublich schnell.“

Shake It Off: Eine flotte Sohle gehört bei Maximo Park zum guten Ton.
Shake It Off: Eine flotte Sohle gehört bei Maximo Park zum guten Ton.(Bild: Andreas Graf)

Gar nicht erst den Erfolg suchen
Mit dem Tempo musste Smith erst einmal mithalten lernen. „So viele Bands versuchen es und schaffen es nicht. Aber unser Geheimnis war, dass wir es gar nicht erst versuchten. Wir wollten eine gute Band mit guten Songs sein – aber keiner von uns hat sich krampfhaft am Erfolg festgeklemmt.“ Mit hohen Verkaufszahlen und tollen Chartplatzierungen kam auch der Ruhm. „Auf der Straße erkannt zu werden, war lange Zeit sehr befremdlich. Ich bin nicht die Sorte Frontmann, die die Bühnenfigur auch im Leben daneben vor sich herträgt, sondern bin gerne für mich, mit meiner Familie und meinen Freunden – einfach privat.“ Das Debütalbum hatte dann auch das Glück, mit der Zeit zu wachsen. „Es war ein bisschen wie beim dritten Album von Big Star oder bei ,Pink Moon‘ von Nick Drake“, reflektiert der adrett gekleidete Frontmann, „Alben, die erst mit den Jahren richtig einschlagen.“ Neben der Nominierung für den „Mercury Prize“ gab es Auftritte bei Jools Holland oder „Top Of The Pops“ – über Nacht wurden Maximo Park der nächste heiße Scheiß.

Paul Smith kurz vor dem Konzert im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein
Paul Smith kurz vor dem Konzert im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein(Bild: Andreas Graf)

Dass man trotz des anfänglichen Hypes eine kongruente, langfristige Karriere aufbauen konnte, lag auch an der musikalischen Evolution. Der kulturbeflissene Hobbyfotograf und passionierte Ausstellungsbesucher Smith achtete penibel darauf, dass man sich nicht im eigenen Kreis bewegt, wodurch nicht nur die Musik sich ständig wandelte, sondern auch Texte mit politischen und sozialkritischen Inhalten weit über Gute-Laune-Songs oder Liebes- und Beziehungstracks hinausgingen. „Ich wollte beim Texten immer die richtige Balance finden. Alle Lieder haben einen emotionalen Hintergrund und mussten in gewisser Weise aus mir raus. Bei den politischen Songs war es mir immer wichtig, Fragen aufzuwerfen und Lösungsoptionen anzubieten, anstatt mit dem Zeigefinger zu fuchteln oder Hörer auf eine Seite ziehen zu wollen. In der Rückschau hoffe ich, dass die Menschen Maximo Park-Songs so verstehen, wie ich sie im Kopf habe: Musikalisch relativ simpel und eingängig, aber mit einer unterschwelligen Komplexität, die man sich bei Interesse herausarbeiten kann.“

In den passenden Momenten kann es Smith auch intensiv und inbrünstig.
In den passenden Momenten kann es Smith auch intensiv und inbrünstig.(Bild: Andreas Graf)

Disziplin und Leidenschaft
Mit seinem markanten Hut und einem roten Sakko hat der agile Frontmann die Fans in der Arena von der ersten Sekunde an im Griff. Die Band startet mit „Signal And Sign“ und „Graffiti“ in den Abend, „The Coast Is Always Changing“ oder „Fear Of Falling“ folgen relativ schnell. Smith ist ein Poet mit dem Talent, seine durchdachten Inhalte zumeist in Drei-Minuten-Form exerzieren zu können. Auch wenn der Gesangssound stellenweise etwas dumpf wirkt, kocht die Stimmung gute 80 Minuten lang über. So oft waren Maximo Park in ihrer mehr als 20-jährigen Karriere in Wien gar nicht zu Gast. Während Smiths vierköpfige Band souverän und bewusst trocken für das rhythmische Fundament sorgt, kann sich der 47-Jährige voll auf seine schweißtreibende Show konzentrieren. Apropos schweißtreibend: Kein Gramm Fett ziert den trainierten, aber dennoch bescheidenen Körper des Sängers, der nach gut sechs Wochen auf Tour noch immer so aussieht, als würde er gerade erst nach einem dreiwöchigen Entspannungsurlaub loslegen. Wie geht das überhaupt?

Ob Post Punk oder Rock‘n‘Roll ist einerlei – bei der Vorband Art Brut herrschte die pure ...
Ob Post Punk oder Rock‘n‘Roll ist einerlei – bei der Vorband Art Brut herrschte die pure Anarchie. Erfrischend und krachig.(Bild: Andreas Graf)

„Am Wichtigsten ist die Vorbereitung“, lacht er, „ich halte mich auch abseits einer Tour gerne fit und schraube das Training davor noch ein bisschen mehr hoch. Wir alle in der Band sind große Fußballfans unterschiedlicher Teams und schauen auf Tour viele Spiele. Mein Soundtechniker hat mir gesagt, wenn mein Team Middlesbrough FC trifft, soll ich nicht herumschreien – das ginge auf die Stimme. Ich versuche einfach keinen Blödsinn zu machen, denn ich weiß um die Verantwortung, die ich trage. Wenn allabendlich so viele Menschen zu den Konzerten kommen und dafür Eintritt zahlen, dann haben sie eine Premium-Show verdient.“ Seinen 47. Geburtstag feierte Smith nur zwei Tage vor der Wien-Show auf Tour in München. „Es ist seltsam, den Geburtstag unterwegs zu feiern, aber ich mache aus allen Lagen das Beste. Ein Freund aus Berlin hat mir ein Bananenbrot mit einer Kerze gebracht, wirklich nett. Außerdem war ich tagsüber unterwegs, um ein paar Fotos zu schießen und mir in einem Plattenladen ein Album zu kaufen. Viel mehr brauche ich gar nicht, um glücklich zu sein.“

Das Bühnenbild war bei manchen Shows in Europa opulenter – in der Wiener Arena war schlichtweg ...
Das Bühnenbild war bei manchen Shows in Europa opulenter – in der Wiener Arena war schlichtweg zu wenig Platz dafür.(Bild: Andreas Graf)

Bald wird wieder geschrieben
Die Langlebigkeit und den Erfolg seiner Band sieht Smith in den Komponenten Leidenschaft und Ideenreichtum verortet. „Es gibt so viele Bands da draußen, die lieblos Alben veröffentlichen und den Fans nur das schnelle Geld aus der Tasche ziehen. Das ist nicht unser Stil. Wir mögen auch keinen Zynismus, sondern haben uns immer Neugierde und Interesse an der Kunst bewahrt. Musikalisch haben wir uns immer entwickelt, weil wir nicht auf Nostalgie stehen. Klar, für Jubiläumstouren wie diese oder Rückschauen zu Wiederveröffentlichungen ist das okay und schön, aber ansonsten haben wir kein Interesse daran, uns selbst zu zitieren oder uns im Kreis zu drehen.“ Die ständige Suche nach neuen Themen und Richtungswechsel hält die Dinge für Maximo Park spannend und kurzweilig. So ist das nächste Studioalbum zwar noch in weiter Ferne, aber es wird definitiv ein weiteres geben, wie Smith versichert. „Es gibt schon Ideen und Möglichkeiten für die nächste Platte. Ich hoffe, wir können im Herbst zum Schreiben beginnen.“

In der Unterhaltung erweist sich Smith als sympathischer, eloquenter und intelligenter ...
In der Unterhaltung erweist sich Smith als sympathischer, eloquenter und intelligenter Gesprächspartner.(Bild: Andreas Graf)

Davor stehen nicht nur weitere Jubiläums- und im Sommer auch zahlreiche Festivalshows an, Smith wird nach gut acht Jahren auch wieder eine Soloplatte veröffentlichen. Gemeinsam mit seinem guten Freund David Brewis von Field Music arbeitet er seit Weihnachten an eher intimen und zurückgelehnten Gedanken, die sich aber zunehmend Bahn brechen und den Weg in die Öffentlichkeit suchen. „Alles inspiriert sich gegenseitig. Die großartigen Konzerte in Europa mit all der Liebe, die wir vom Publikum entgegengebracht bekommen, fließen direkt in die Schreibprozesse für mein eigenes Album oder eines von Maximo Park ein.“ Smith fühlt sich wohl in der Rolle des Workaholics. „Wenn ich die Bandalben, die Soloalben und Kooperationen zusammenrechne, sind in den letzten 20 Jahren 13 Alben rausgekommen. Eine ganze Menge, aber alle klingen unterschiedlich und das macht mich stolz.“ So wie Maximo Park in der Wiener Arena brillieren, so steuern sie ihr Schiff zielsicher durch die verschiedenen Karrierehäfen. „Ich will keine schlechten Alben machen“, lacht er, „das ist mein Ziel. Ich bin auf jedes unserer Alben stolz, aber wir haben uns auch immer die nötige Zeit gelassen und sind keine Kompromisse eingegangen.“

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