Ein Schock für einen 52-jährigen Mann in Niederösterreich: Wegen eines Krebsverdachts wurde ihm im Universitätsklinikum Krems ein Teil seines rechten Lungenflügels entfernt – doch im Nachhinein stellte sich heraus: Der Burgenländer hatte nie Lungenkrebs.
Der ORF Niederösterreich hat rund um den Fall recherchiert. So erhielt der 52-Jährige 2018 die Diagnose Hodenkrebs. Es folgten Operation, Chemotherapie und regelmäßige Kontrollen. Vier Jahre später kam der nächste Schock: Eine CT in Wiener Neustadt zeigte einen Lungenrundherd – der Verdacht lag nahe, dass der Hodenkrebs gestreut haben könnte.
Verdacht auf Lungenkarzinom
Im Klinikum Krems erhärteten erste Befunde den Verdacht. Ende August 2022 wurde der Burgenländer operiert, ein Schnellschnitt deutete auf ein Lungenkarzinom hin. Ein Teil seines rechten Lungenflügels wurde entfernt.
Befund löste Gefühlschaos aus
Als der endgültige Befund vorlag, rief der Chirurg an: „Ich habe eine gute Nachricht für Sie. Sie haben keinen Krebs und sie haben ihn auch nie gehabt. Sie hatten eine Lungenentzündung und sowohl die Computertomografien als auch der Schnellschnitt haben uns in die Irre geführt“, berichtet der Betroffene.

Für ihn ein emotionaler Ausnahmezustand. Der 52-Jährige fühlt sich bis heute verunsichert und beklagt mangelnde Aufklärung vor und nach der Operation. Gedanken an mögliche Fehler bei seiner Behandlung begleiten ihn. Eine Beschwerde bei der Patientenanwaltschaft reichte er erst später ein.
Jetzt werden verschiedene Aspekte geprüft
Patientenanwalt Michael Prunbauer bestätigt gegenüber ORF Niederösterreich: „Es werden verschiedene Aspekte geprüft. Das heißt: Es muss einen medizinischen Grund gegeben haben für die Behandlung. Die Behandlung muss auch grundsätzlich geeignet gewesen sein, um dem Patienten einen Vorteil und einen Nutzen zu bringen.“
Gewebsuntersuchungen während der Operation erhärteten den Verdacht auf eine mögliche Krebserkrankung, weshalb das betroffene Gewebe entfernt wurde.
Landesgesundheitsagentur Niederösterreich (LGA)
Die Landesgesundheitsagentur Niederösterreich (LGA) bestätigt die Behandlung und sieht weder eine Fehldiagnose noch einen Behandlungsfehler. „Der Patient willigte in die Operation ein. Gewebsuntersuchungen während der Operation erhärteten den Verdacht auf eine mögliche Krebserkrankung, weshalb das betroffene Gewebe entfernt wurde. Der Patient wurde sowohl im Vorfeld umfassend über die möglichen Befunde des Eingriffs aufgeklärt und nach Vorliegen der Ergebnisse über den unauffälligen Befund informiert“, heißt es in einer Stellungnahme.
„Geschieht wirklich selten“
Thoraxchirurg Stefan Watzka von der Klinik Floridsdorf in Wien, Leiter der größten Thoraxchirurgie-Abteilung Österreichs, erklärt: „So etwas geschieht wirklich selten.“ Dass sich ein Lungenkrebsverdacht im Nachhinein nicht als Krebserkrankung bewahrheitet, passiere laut ihm kaum.
Bei vielen Patienten könne sich entzündetes Gewebe weiter entwickeln. „Viele Lungenrundherde sind sogenannte Präkanzerosen. Das heißt, sie haben das Risiko in sich, dass, wenn man sie nicht entfernt, sie sich früher oder später in bösartigen Lungenkrebs umwandeln können. Das ist ganz klar“, erklärt Watzka.
Burgenländer bleibt optimistisch
Der Chirurg appelliert: „Wichtig ist, dass die Menschen weiterhin in die Medizin vertrauen und Kontrolluntersuchungen machen lassen.“
Trotz des Vorfalls bleibt der Burgenländer optimistisch: „Ich habe volles Vertrauen ins österreichische Gesundheitssystem – nach wie vor.“ Die Patientenanwaltschaft soll nun endgültig Licht ins Dunkel bringen.
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