Zwei Ersthelfer, die am Samstagabend nach den beiden Messerattacken auf offener Straße in der Linzer Innenstadt den Opfern zu Hilfe geeilt waren, schildern im „Krone“-Gespräch, wie sie den dramatischen Vorfall erlebt haben. Ein 26-Jähriger erlag leider im Spital seinen lebensgefährlichen Verletzungen.
Zana Mussa (26), Chef des Linzer Barbershops „De Luxe“, ist fassungslos. „Die beiden Opfer waren Stammkunden, die sich vor dem Attentat noch Haare und Bart bei mir schneiden haben lassen.“ Dass der 26-jährige Afghane Mahmoud A. nicht mehr am Leben ist, kann der gebürtige Kurde nur schwer glauben: „Er und seine zwei Freunde waren so nette Menschen – immer freundlich und hilfsbereit, nicht aggressiv.“
Am Samstag, kurz nach 17 Uhr, waren Mahmoud A. und seine beiden Landsleute noch als Kunden im Barbershop. A. nahm als letzter des Trios am Frisierstuhl Platz. Die beiden anderen gingen inzwischen ins Freie, um dort eine Zigarette zu rauchen.
Streiterei in der Bismarckstraße
„Plötzlich hat draußen ein Autofahrer gehupt. Ein älterer Lenker hat sich offenbar darüber geärgert, dass ein Fußgänger unmittelbar vor ihm über die Straße gegangen ist. Daraufhin hat dieser aber mit der Faust gegen dessen Außenspiegel geschlagen und wollte auf ihn losgehen“, erzählt Mussa.
Die zwei Afghanen vor dem Lokal eilten dem alten Mann sofort zu Hilfe und forderten den rabiaten Fußgänger nachdrücklich auf, diesen in Ruhe zu lassen. „Er hat aber damit gedroht, dass er seine Freunde holen wird.“
Etwa 30 Minuten später sei der Fußgänger – ein 34-jähriger Kroate – jedoch allein zurückgekommen und habe einen der drei Afghanen, die sich gerade auf den Heimweg machten, mit einem Messer in den Hals gestochen. „Es war alles voll Blut. Mein Mitarbeiter hat sofort die Rettung alarmiert. Der Verletzte ist im Gesicht ganz weiß geworden, ich hab‘ ein Tuch geholt und es ihm auf die Wunde gedrückt“, so Mussa. Er beruhigte den Afghanen, sprach ihm gut zu. Der 24-Jährige wurde im UKH Linz notoperiert, befindet sich außer Lebensgefahr.
„Er hat ihn abgestochen“
Gleich darauf dürfte der aggressive Mann auch noch Mahmoud A. attackiert haben. Sophie Thewanger (28) aus Schönering saß gerade im Schanigarten des Ristorante Surace und aß ein Eis. „Plötzlich hat jemand geschrien: ,Er hat ihn abgestochen‘“, schildert die Konditorin, die seit 15 Jahren auch Mitglied der Feuerwehr ist und jährlich einen Ersthelfer-Auffrischungskurs absolviert.
Thewanger sah, dass am Gehsteig vor dem Juweliergeschäft Wild ein Mann am Boden lag. „Ich bin sofort hingesprintet und hab‘ im Bereich seiner rechten Brustseite einen Einstich gesehen. Er hat noch geröchelt und versucht, Luft zu bekommen.“ Sie brachte den Afghanen in die stabile Seitenlage, stützte seinen Kopf.
Gemeinsam mit zwei anderen Ersthelfern – darunter auch einem Arzt – führte sie bis zum Eintreffen des Notarztes Reanimationsmaßnahmen durch. Mahmoud A. wurde zwar noch ins Kepler Uniklinikum gebracht, erlag dort aber den schweren Verletzungen. Er hinterlässt einen Bruder, hat sonst keine Familienangehörigen mehr, wollte offenbar Krankenpfleger werden.
Verdächtiger drehte sich zweimal um
Thewanger sah den Täter noch über die Magazingasse davonlaufen. „Er hat sich zweimal umgedreht, ist zum Glück aber nicht mehr zurückgekommen.“ Von anderen Augenzeugen erfuhr die 28-Jährige, dass der Messerstecher zuvor noch heftig auf den Kopf des bereits schwerstverletzt am Boden liegenden A. gestiegen sein soll. „Als ich dann hörte, dass die Polizei ihn geschnappt hat, war ich schon sehr erleichtert.“
Was ist ihr während der Reanimation durch den Kopf gegangen? „Gar nichts, ich hab‘ funktioniert wie eine Maschine, es ging alles automatisch. Das zeigt auch, wie wichtig es ist, dass man Erste-Hilfe-Anwendungen regelmäßig übt.“
Frau Amoklauf angekündigt
Ein weiteres erschreckendes Detail: Der 34-jährige Kroate hatte schon am Nachmittag gegenüber seiner Frau angekündigt, dass er Amok laufen werde und einen Menschen töten möchte. Die Frau verständigte zwar die Polizei, doch da war es bereits zu spät: Während noch nach ihm gefahndet wurde, beging er die Bluttat in der Bismarckstraße.
Täter psychisch gestört
Es soll sich bei der Bluttat aber nicht um ein Hassverbrechen bzw. einen Terroranschlag gehandelt haben: Aus gut informierten Kreisen hieß es am Sonntag, die beiden Afghanen seien Zufallsopfer, bzw. zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, als sie den älteren Autofahrer gegen den Angreifer verteidigten. Der in Österreich geborene Kroate sei nicht nur bereits wegen Gewaltdelikten und Sachbeschädigungen vorbestraft, sondern leide auch an einer psychischen Störung. Die sei der Auslöser für die brutale Tat gewesen – dennoch wird auch wegen Fremdenhass ermittelt, weil er während der Tat seine Opfer rassistisch beschimpft haben soll.
Keine Gegenwehr
Bei seiner Festnahme in unmittelbarer Nähe des Tatorts habe der Kroate keine Gegenwehr geleistet. Obwohl er seiner Frau gegenüber auch angekündigt hatte, sich selbst zu verletzen, blieb er unversehrt. Weder er noch sein überlebendes Opfer (24) wurden bisher einvernommen.
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