Thurnher übernimmt

„Ruf des ORF angeschlagen, wenn nicht zerstört“

Medien
12.03.2026 18:42

Nach dem Rücktritt des ORF-Generaldirektors wurde Ingrid Thurnher am Donnerstag in einer turbulenten Sitzung zur vorläufigen Chefin des Staatsfunks ernannt. Die Umstände seien „alles andere als erfreulich“, sagte sie in einer ersten Stellungnahme.

Jetzt liegt die Zukunft von Roland Weißmann in den Händen von Ingrid Thurnher: Einstimmig wurde das ORF-Urgestein in der Sitzung des Stiftungsrats mit der vorläufigen Geschäftsführung des Öffentlich-Rechtlichen betraut – und damit entscheidet sie auch über Weißmanns weitere Rolle im ORF. Denn er ist weiterhin dort beschäftigt, daran änderte sein Rücktritt als Generaldirektor wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung nichts.

Das war aber auch schon der einzige Punkt, in dem man sich am Donnerstag in einer langen und hitzigen Sitzung einig war. Die „Krone“ war vor Ort: Schon zu Beginn attestierte FP-Rat Peter Westenthaler dem Küniglberg eine „Diktatur“, kündigte einen „Tag der Abrechnung“ an und erklärte: „Der Ruf des ORF ist angeschlagen, wenn nicht zerstört.“ Weißmann habe ein Recht darauf, seine Sicht darzustellen. Dieser war jedoch nicht anwesend. Nach der Darlegung der Vorwürfe war Westenthaler aber sichtlich schockiert und bezeichnete sie als „grauslich“: „Das ist starker Tobak. Das geht so nicht, was da passiert ist.“ Ein strafrechtlicher Tatbestand sei dennoch nicht gegeben.

Von links: Stellvertretender Stiftungsvorsitzender Gregor Schütze, ORF-Chefin Ingrid Thurnher ...
Von links: Stellvertretender Stiftungsvorsitzender Gregor Schütze, ORF-Chefin Ingrid Thurnher und Stiftungsratschef Heinz Lederer(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

Und: „Der Vorsitzende Heinz Lederer hat dem ORF durch sein fehlerhaftes Verhalten Kosten verursacht. Denn er hat die Chance auf eine sofortige Entlassung von Weißmann verwirkt, die nach Bekanntwerden der Vorwürfe möglich gewesen wäre.“ Das sah der SP-Vorsitzende freilich anders: „Wir haben Rede und Antwort gestanden.“ Er sei hauptsächlich froh, dass Thurnher einstimmig angenommen wurde.

„Das jetzige Bild vom ORF haben sich die 4000 Mitarbeiter nicht verdient“
Die neue Generaldirektorin sagte sichtlich emotional: „Ich übernehme diese Aufgabe mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist es eine unglaubliche Ehre, dieses Unternehmen leiten zu dürfen. Andererseits sind die Umstände alles andere als erfreulich. Wichtig ist mir, zu sagen: Das Bild, das es jetzt vom ORF gibt, haben sich die 4000 Mitarbeiter nicht verdient. Klar ist: Künftig gibt es im ORF nur volle Transparenz mit aller Konsequenz. Denn Macht bedeutet Verantwortung. Das Wichtigste ist, das Vertrauen des Publikums zurückzugewinnen.“

Die Infografik zeigt die Leitung des ORF seit 1967 mit den jeweiligen Amtszeiten. Gerd Bacher war mehrfach an der Spitze, unter anderem von 1967 bis 1974, 1978 bis 1986 und 1990 bis 1994. Die längste Amtszeit hatte Alexander Wrabetz von 2007 bis 2021. Roland Weißmann war von 2022 bis 2026 im Amt, gefolgt von Ingrid Thurnher als interimistische Leitung. Quelle: APA.

Sie werde sich auch dafür bewerben, den Rest des Jahres den Posten zu bekleiden. Auch zur Bewerbung für die neue Periode ab 2027 sagte sie nicht Nein.

Thurnher: Von der TV-Ansagerin bis zum ORF-Chefsessel
Die 63-jährige Thurnher ist eines der bekanntesten Gesichter des ORF und ließ in ihrer 40-jährigen Karriere kaum eine Station im größten Medienhaus des Landes aus. Der Weg der Vorarlbergerin führte sie von der TV-Ansagerin, dem NÖ-Landesstudio und der Innenpolitikredaktion beim Hörfunk über Moderationen in der „ZiB“, „ZiB 2“ sowie „Im Zentrum“ bis zur Chefredakteurin bei ORF III und schließlich zur Radiodirektion.

Der ORF-Stiftungsrat habe sich für sie entschieden, weil sie die „öffentlich-rechtliche DNA“ in sich trage. Sie habe stets die Unabhängigkeit an oberste Stelle gesetzt und sei eine hervorragende Chefredakteurin und Direktorin gewesen, hieß es bereits am Mittwoch bei einem Pressegespräch des Stiftungsratsvorsitzenden Lederer und seines Stellvertreters Gregor Schütze.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung