Pädagogin packt aus

Schon Sechsjährige schauen Pornos und Gewaltclips!

Burgenland
12.03.2026 07:00

Eine Beratungslehrerin aus dem Burgenland schlägt Alarm! Der dauernde Handy- und Computerkonsum führt dazu, dass viele Kinder nicht mehr ganze Sätze formulieren können. Manche verstummen, weil Eltern kaum Zeit mehr für sie haben. Andere, weil ihnen gewisse Bilder und Videos die Sprache verschlagen.

Dass es massive Probleme in städtischen Brennpunktschulen gibt, ist hinlänglich bekannt. Oft werden der hohe Ausländeranteil, die mangelnden Deutschkenntnisse der Kinder und deren kulturellen Gepflogenheiten als Gründe angeführt, warum der Unterricht nicht so mehr reibungslos klappt wie früher einmal. Doch auch das Burgenland, wo der Ausländeranteil im Vergleich zu anderen Bundesländern minimal ist, sei „keine Insel der Seligen“, sagt die Pädagogin Isabella Sodoma-Enz.

Die 69-Jährige war in den vergangenen zwölf Jahren an 15 Volksschulen im Bezirk Eisenstadt Stadt und Umgebung als Beratungslehrerin tätig und saß zudem in der landesweiten Expertenkommission der Beratungslehrer. Von daher weiß sie: „Schon bei Einschulungsgesprächen werden bei immer mehr Kindern Defizite offenkundig. Viele sind nicht in der Lage, ganze Sätze zu artikulieren und selbst simple Fragen sinnerfassend zu verstehen.“ Auch auf einfache Anweisungen wie „Zeichne einen Baum“ gebe es häufig keine Reaktionen mehr.

„Die wachsende Bildungskrise ist nicht nur ein Großstadtproblem“, sagt Isabella Sodoma-Enz.
„Die wachsende Bildungskrise ist nicht nur ein Großstadtproblem“, sagt Isabella Sodoma-Enz.(Bild: Reinhard Judt)
Wenn am Abend das Licht im Kinderzimmer ausgeknipst wird, ist noch lange keine Ruh ...
Wenn am Abend das Licht im Kinderzimmer ausgeknipst wird, ist noch lange keine Ruh ...(Bild: Elena - stock.adobe.com)

Kinder halten uns den Spiegel hin
Hinter diesen Mankos stecken hin und wieder neurobiologische Entwicklungsstörungen wie Autismus und ADHS. Doch meist sei „Wohlstandsverwahrlosung“ der Grund. Viele Eltern müssten aus ökonomischen Gründen Vollzeit arbeiten und hätten deshalb zu wenig Zeit für ihren Nachwuchs, sagt Sodoma-Enz.

Mit ihrem Buch „Das Volksschuldilemma“ will sie nun die Gesellschaft wachrütteln. Kinder seien nämlich wie ein Spiegel. Ihr Verhalten führe uns schonungslos vor Augen, wie wir soziokulturell leben: „Die Folgen der digitalen Transformation sind fatal. Wir alle sind völlig unreflektiert auf einen Zug aufgesprungen, der nicht mehr zu stoppen ist. Deshalb sind auch Taferlklassler bei der Handy- und Tabletnutzung kaum noch zu kontrollieren.“ Klar, dass die Schüler dann morgens hundemüde sind und nicht aus dem Bett wollen. 

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Wir haben in unserer Kindheit auch manchmal heimlich ferngesehen, wenn die Eltern aus dem Haus waren. Aber mit heute kann man diese Zeiten nicht vergleichen.

Beratungslehrerin Isabella Sodoma-Enz (69)

Müttern und Vätern entgleitet die Kontrolle
Selbst wenn Eltern die Geräte mit Sperren versehen, könnten viele Kinder die Codes knacken und würden bis in der Früh im Internet surfen. „Besuche von Websites mit pornografischen oder Gewalt verherrlichenden Inhalten sind mittlerweile normal – sogar bei Sechsjährigen!“, weiß die Beratungslehrerin aus Erzählungen der Kinder.

Zwar rufen die meisten der Kids einschlägige Online-Plattformen nicht absichtlich auf, sondern landen aufgrund von falschen Klicks dort. Dennoch seien die Bilder und Videos, die die Kids zu Gesicht bekommen, „für sie extrem verstörend, weil sie mit den Emotionen, die derlei Szenen auslösen, nicht fertig werden“. Mit ihren Gefühlen stünden sie letztlich alleine da, denn die Eltern dürfen von alldem, was nachts im Kinderzimmer passiert, nichts wissen!

Aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung als Beratungslehrerin weiß Sodoma-Enz, dass manche ...
Aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung als Beratungslehrerin weiß Sodoma-Enz, dass manche Problemschüler auf die schiefe Bahn geraten.(Bild: stock.adobe.com -Svitlana)

So gehen die Kinder mit dem Erlebten um
„Um das Gesehene zu verarbeiten, werden die einen regressiv, also in sich gekehrt, und die anderen aggressiv. Ihre Enthemmtheit zeigt sich durch schlechte Impulskontrolle, Handgreiflichkeiten, Konflikten, trotzigem Lernverhalten bis hin zur Schulverweigerung.“ Oft gehe auch das Interesse an Hobbys und sozialen Kontakten in der analogen Welt verloren. Außerdem fühlten sich die Kinder hilflos und ohnmächtig und könnten keine psychische Widerstandskraft entwickeln. Viele seien oft krank. Einige würden auch die Schule abbrechen und danach in der Luft hängen.

„Wenn nicht schleunigst etwas unternommen wird, wächst hier eine ganze Generation an orientierungslosen jungen Menschen heran, die sich immer früher in Süchte flüchten und kriminell werden“, warnt Sodoma-Enz.

Kindern, die keinen Zugang zu sich selbst haben, muss man unedingt zeigen, welche Stärken und ...
Kindern, die keinen Zugang zu sich selbst haben, muss man unedingt zeigen, welche Stärken und Potenziale in ihnen schlummrn“, so die Expertin.(Bild: Horst Einöder/Flashpictures)

Eltern fallen aus allen Wolken
Und wie reagieren die Eltern, wenn sie von Lehrern und Direktoren über solche Missstände informiert werden? „Die einen sind schockiert und meinen ,Um Gottes Willen, davon hatte ich keine Ahnung!‘ Die anderen schreien ,Das stimmt nicht!‘ und verleugnen und verdrängen die Tatsachen. Wir Lehrer können den Eltern nur gut zureden und ihnen psychologische Unterstützung für ihre Kinder ans Herz legen. Bei Kindeswohlgefährdung melden wir Vorfälle dem Jugendamt. Ansonsten haben wir leider keinerlei Einfluss.“

Genau darin liegt auch das größte Dilemma für Pädagogen. Denn die Lehrer müssen diese überforderten Kinder trotzdem unterrichten: „Dafür bekommen sie dann auch noch die Schuld für alles umgehängt.“ Der Bildungsdirektion seien die Zustände an Burgenlands Volksschulen jedenfalls bekannt, sagt Sodoma-Enz. Aber auch den Verantwortlichen dort seien die Hände gebunden, weil nicht sie die Gesetze machen.

Schärfere Maßnahmen
Das geplante Social-Media-Ordnungs-Gesetz, das verpflichtende Altersbeschränkungen vorsieht, um für Kinder und Jugendliche vor Sucht, Gewalt und Extremismus zu schützen, sei daher schon dringend notwendig. „Auch ein strengeres Jugendschutzgesetz und eine verpflichtende Elternbildung wären wichtig!“, sagt Sodoma-Enz.

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