Mit ihrem zweiten Album „Cruel World“ schiebt sich die Britin Holly Humberstone weiter erfolgreich die Karriereleiter hoch. Ihren düsteren Pop hat sie heller gestaltet, die mentalen Probleme besser im Griff. Der „Krone“ verrät die 26-Jährige außerdem, wie wichtig die Unterstützung ihrer Eltern war und weshalb sie nicht nur auf der Bühne aufblüht.
Jungen Popstars beim Erwachsenwerden zuhören ist längst keine neue Marketingschiene mehr, funktioniert aber seit Jahr und Tag einwandfrei, wenn es denn nur gut gemacht und möglichst authentisch ist. Die vor 26,5 Jahren in der britischen Diaspora auf die Welt gekommene Holly Humberstone hat schon mit ihrem Debütalbum „Paint My Bedroom Black“ (2023) bewiesen, dass die Coming-Of-Age-Historie einer dunkel angehauchten und mit mentalen Problemen ausgestatteten Jungerwachsenen nicht leicht zu handeln ist – egal, ob man singen kann oder nicht. Mit Songs wie „Antichrist“, „Superbloodmoon“ oder „Kissing In Swimming Pools“ eroberte sie die Herzen ihrer Fans, die relativ schnell relativ zahlreich zu den jeweiligen Live-Veranstaltungen pilgerten. Vor etwas mehr als zwei Jahren stellte sie sich auch in der Wiener Simm City vor, mittlerweile ist sie längst zum internationalen Superstar entwachsen. Schuld daran waren Auftritte im Vorprogramm von Olivia Rodrigo und Taylor Swift, aber auch der brandneue und famose Debüt-Nachfolger namens „Cruel World“, bei dem sie die aktuelleren Sorgen und Nöte ihres Lebens in den Mittelpunkt stellt.
Mit sich selbst in den Dialog treten
Auf ihrer naturgemäß gereiften und erwachseneren Seite besingt sie Unsicherheiten im Business, die überfordernden Ansprüche, die an Frauen gestellt werden und zeigt auch wieder ihre ganz persönliche Beschaffenheit – was sie schon seit ihren allerersten Songs gerne macht, wie sie der „Krone“ erzählt: „Ich habe ursprünglich mit dem Songschreiben begonnen, weil ich ein Ventil für meine Sorgen und Probleme gebraucht habe und mit mir selbst in den Dialog treten wollte. Daheim im Studio zu sein, an Liedern zu feilen und dabei meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, ist immer noch eine wundervolle Sache, um meine mentale Gesundheit zu fördern. Manchmal ängstigt es mich selbst, wie viel Persönliches ich mit der Außenwelt teile und wie tief ich fremde Menschen in mein Wesen blicken lasse, aber in gewisser Weise stärkt mich das auch. Meine Probleme haben auch viele anderen. Das zu wissen und das Gefühl zu haben, man wäre nicht allein, ist enorm hilfreich.“
Humberstone wählt für ihre popmusikalische Entfaltung den gediegenen Weg und auch wenn sich die Up-Tempo-Momente im Vergleich zum düsteren Erstlingswerk vervielfacht haben, ist man bei der Wahl-Londonerin weit von einem schablonenhaften Happy-Pepi-Popstar entfernt. Die Dunkelheit ist Humberstone angeboren und sie rückt sie auch gerne betrachtungswürdig ins rechte Licht. Die besungene „Cruel World“ ist bei ihr keine globale, von Despoten und Kriegsschauplätzen gebeutelte, sondern geht vielmehr ins Innwertige, das sich seinen Weg zur seelischen Vollkommenheit erst mühsam freikämpfen muss. Einen Plan B hat sie dabei nie verfolgt. „Meine Mutter hat ihren Freundinnen und anderen Eltern gerne gesagt, dass ich frei meinen Weg machen werde. Das war riskant, ging aber auf.“ Eine Zeit lang versuchte sie sich sogar in einer mathematischen Schule, merkte aber relativ schnell, dass ihre Talente eher im Songwriting und Gesang liegen würden.
Es gab immer viele Freiheiten
Auch wenn in Lincolnshire, inmitten der britischen Midlands, sonst nicht viel los war, die Musik spielte im familiären Segment von Holly immer eine Rolle. „Mein Vater liebt Instrumente und die Poesie und meine Mutter ist eine hervorragende Pianistin, die sich auch am Cello nicht verstecken muss – auch wenn sie dieses Talent niemals zugeben würde. Dadurch, dass sie beide selbst so musikalisch sind, hatte ich von klein auf viele Freiheiten und die Musik wurde bei uns immer ernst genommen. Natürlich ist das Musikerdasein ein unsicherer und einzigartiger Job, aber zu Hause gab es immer dafür immer Verständnis.“ Nebenbei hat Holly noch drei Schwestern, die ihren eigenen Weg gehen. „Wir sind eine sehr eigenartige, unkonventionelle Familie, aber das ist absolut okay und macht uns auch aus.“
Mit ihren Liveauftritten und den vielen bekannten Liedern aus den letzten gut fünf Jahren hat sich Humberstone eine respektable Fanbase aufgebaut und muss dadurch auch mit einem Leben in der Öffentlichkeit klarkommen. „Es ist bei mir aber nicht so extrem wie bei anderen“, schwächt sie gleich ab, „nur weil ich allabendlich auf der Bühne stehe, erkennen mich nicht gleichzeitig alle Leute auf der Straße. Distanz halte ich so gut es geht zu den Social-Media-Plattformen, weil ich mir über Kommentare viel zu schnell Gedanken mache. Auf der Bühne fühle ich mich wohl. Da sollen die Augen gerne auf mich gerichtet sein und ich habe auch kein Problem damit, ganz normal mein Haus zu verlassen und auf die Straße zu gehen.“ Schwieriger ist es schon mit besagtem Feedback. „Musik ist so subjektiv, man kann es nie allen recht machen. Ich bin aber lange genug dabei, um zu wissen, dass manche es einfach nicht gut meinen und andere ganz anders sind.“
Leben in zwei Welten
Der Weg für eine dauerhaft erfolgreiche Karriere ist mit Songs wie „To Love Somebody“, „Cruel World“ oder „Die Happy“ auf dem neuen Album bereitet. Die nächste große Europa-Tour (leider ohne Österreich-Termin) steht auch schon vor der Tür. „Ich liebe das Unterwegssein und Touren, aber genauso gerne bin ich daheim in London bei meinen Schwestern und hänge einfach nur mit ihnen rum. Ich bin auch nur eine normale 26-Jährige, die gerne ihre Zeit mit Familie und Freunden verbringt.“ Die richtige Balance im Leben sei auch für den Mental-Health-Zustand von Vorteil – vielleicht ein Mitgrund, wieso „Cruel World“ trotz des trübsinnigen Albumtitels doch mehr Lebensfreude versprüht, als es das Debüt zu tun vermochte. „Ich gehe Schritt für Schritt und das fühlt sich gerade richtig an.“
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