Kritik in Serbien
Wurde Flut durch falsche Sprengung ausgelöst?
"Sie sprengten eine Straße und versenkten die Stadt", hatte das angesehene Blatt schon am Vortag über die Entscheidung der Behörden getitelt. Demnach habe das staatliche Wasserwirtschaftsunternehmen eine falsche Sprengung durchgeführt und somit das Hochwasser dramatisch verschlimmert. In Obrenovac waren die weitaus meisten der insgesamt 24 Ertrunkenen gefunden worden.
Regierung mit Zensurvorwürfen konfrontiert
Die Zeitungen unter Regierungseinfluss veröffentlichten am Wochenende Meinungsumfragen, in denen sich die Bürger äußerst zufrieden mit dem Krisenmanagement der Behörden zeigen. Kritische Stimmen im Internet hatten dagegen vor allem Regierungschef Aleksandar Vucic schwere Versäumnisse und Panik vorgeworfen. Dutzende Blogs und kritische Beiträge wurden zwangsweise vom Netz genommen, weshalb der staatliche Bürgeranwalt und die Journalistengewerkschaft NUNS von Zensur sprachen. Die Regierung hatte jede Mitwirkung zurückgewiesen.
Schaden noch immer nicht abschätzbar
Die Schadenssumme ist auch zwei Wochen nach der Flut noch nicht annähernd bekannt. In ersten inoffiziellen Schätzungen wurde von einer bis zwei Milliarden Euro gesprochen. Der zuständige Minister sagte der Zeitung "Novosti" am Sonntag, bis zu 2.000 Gebäude müssten abgerissen und neu gebaut werden.
Der staatliche Bürgeranwalt Sasa Jankovic kritisierte am Sonntag, dass der Regierungschef alle Entscheidungen außerhalb der Institutionen treffe "und alle anderen nur mitschreiben". Selbst die Regierungszeitung "Politika" veröffentlichte am Sonntag auf ihrer Titelseite eine Karikatur, die alle Spitzenpolitiker mit verklebtem Mund zeigt. Nur Vucic spricht.
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