Dialekt, ehrliche Texte, offensive Persönlichkeit – an der Niederösterreicherin Päm gibt es im nationalen Pop-Sektor aktuell kein Vorbeikommen. Nächste Woche erscheint ihr zweites Album „Kunstfigur“, uns erzählt sie schon vorab, worauf man sich freuen darf, wie sie zwei verschiedene Arbeitswelten unter einen Hut bringt und warum das Songwriting immer etwas unangenehm sein sollte.
Von Instagram vorgegebene Schönheitsideale, der ständige Druck, äußerlichen Normen entsprechen zu müssen oder zunehmend im Vergleich mit anderen zu stehen – all diese Mechanismen kennt Pamela Pum in- und auswendig. Unter dem Künstlernamen Päm hat sich die 32-Jährige schon vor Jahren ein Ventil gesucht, bei dem sie mittels Musik ihre Emotionen nach außen stülpt und sich offen und klar für Body Positivity einsetzt. 2019 erschien ihr Debütalbum, seit 2024 ist sie immer wieder als Support der Pop-Größen Seiler und Speer unterwegs und 2025 gab es einen Auftritt samt feuriger Zeltparty beim Frequency Festival in St. Pölten. Mit ihren 1,85 Meter Körpergröße und den markant pinken Haaren gibt es auch äußerlich kein Vorbeikommen an Päm, die in wenigen Tagen (am 13. März) ihr neues Album „Kunstfigur“ veröffentlicht und damit noch tiefer in ihre breite Themenwelt vordringt. Zwischen eruptiven Pop-Momenten, Balladen und Rap-Anleihen schert sie sich einen Dreck um konventionelle Genres, sondern versteht ihre Kunst als musikalisch breit angelegtes Ventil für Themen, die ihr wichtig sind.
Stets offener Umgang
„Wir vergessen oft, dass das Wort Kunst in der Kunstfigur ja nicht von künstlich kommt“, erklärt sie im ausführlichen „Krone“-Gespräch, „Kunst ist das, was ich mache, und ich bin eine Figur in der Kunst. Ich spiele mit dem Begriff herum, er hat mehrere Bedeutungsebenen.“ Päm will den Terminus selbst in ein neues Licht rücken. „Viele vergessen, dass Künstler oder Leute im Rampenlicht genauso ihre Probleme und Streitereien haben wie alle anderen. Mit dem Wort Kunstfigur assoziieren die meisten etwas, das mit ,Fake’ zu tun hat, aber so ist das hier gar nicht gemeint.“ Musikalisch ist das neue Album keine massive Abkehr vom Debüt, vor allem inhaltlich hat Päm ihre Themen gefunden. Mit ihren Krankheiten Rheuma und Diabetes geht sie seit jeher offen um. Neben der Musik ist die Niederösterreicherin vor allem auf den Social-Media-Plattformen aktiv. Humor und Ernsthaftigkeit vermischen sich zu Botschaften und zuweilen selbstironischen Anekdoten, die vor allem auch auf andere unterstützend wirken sollen. Auch bei ihren Songs hat Päm eine klare Prämisse.
„An der Oberfläche zu kratzen ist mir zu wenig. Beim Songwriting muss es immer ein bisschen unangenehm sein, dann bin ich am richtigen Punkt angelangt. Mindestens drei Viertel eines Albums müssen so klingen, ansonsten habe ich zu wenig gegeben.“ Durch das bewusste Verlassen der Komfortzone kommt eine Extraportion Inneres ans Licht, das Päm im besten Fall von anderen Künstlerinnen unterscheidet. „Ich arbeite mit vielen tollen Musikern zusammen, dass ich oft glaube, ich wäre zu schlecht und dann kommt es mir vor, als würde ich am Hochstaplersyndrom leiden. Aber Scheitern gehört auf dem Weg zum Erfolg dazu. Im Internet stellen sich alle als perfekt da, aber so tickt die Welt nicht. Von zehnmal wird man neunmal scheitern, das ist die Realität, die aber nicht gezeigt wird.“ Als Vorbild dienten Päm zu dieser Einstellung die US-Sängerin Lizzo und Christl Clear, die offen über Themen wie Body Positivity redet.
Viel Platz zwischen den Grenzpfeilern
„Ich habe früh offen über meine Krankheiten geredet, weil ich die ohnehin nicht verstecken kann. Nach außen hin komme ich manchmal so rüber, als würden die Leute glauben, ich wäre super reflektiert und hätte alles im Griff, aber davon bin ich weit entfernt“, lacht Päm, „ich habe genauso meine Momente, wo ich mir denke, dass ich heute gar nichts schaffe.“ Päm will ihre Krankheiten und Sorgen nach außen hin darstellen und weiß, dass sie durch diese Lieder mit anderen in Diskurs tritt und sich ein Gemeinschaftsgefühl eröffnet. „Es wird immer schwieriger, aber ich versuche jede Nachricht, die ich bekomme, zu beantworten. Die ganze Welt um mich herum ist für mich und die Fans ein Safe Space geworden, was ich ungemein schön finde.“ In Päms Liedern finden sich so gut wie alle wieder. Songs wie „Bäng Bäng Päm“ oder die „Cancel Queen“ treiben nach vorne, „Superwoman“, „Vielleicht“ oder „I wü’s ned verstehen“ zeigen die Künstlerin wiederum von ihrer emotionalen und verletzlichen Seite. „Zwischen ,Bäng, Bäng, Pam‘ und ,Superwoman‘ bin ich daheim – das ist genau das Spektrum, das man bei mir kriegt. Zwischen diesen Pfeilern hat alles andere Platz.“
Neben der Musik unterrichtet Päm Englisch und Musik in einer ländlichen niederösterreichischen Mittelschule. Stichwort „coole Lehrerin“? „Ich bin älter als 19 und daher für die Kids schon ein Dinosaurier“, lacht Päm, „aber ich verheimliche nichts. Sie dürfen mich alles fragen, was sie interessiert. Zum Beispiel, was eine Albumproduktion kostet, oder was man als Musikerin überhaupt so verdient.“ 14-jährige Mädels identifizieren sich auch schon mit Päms Texten. „Sie fühlen sich durch Instagram und TikTok ungeheurem Druck ausgesetzt. Am deutlichsten merkst du es, wenn Mädels aus dem Nichts zu Essen aufhören. Das bricht mir das Herz. Wenn mich Kids dick nennen, habe ich kein Problem damit. Da ist eine negative Behauptung im Inhalt, die ich nicht so wahrnehme. Es ist wichtig, dass die Kinder solche Botschaften mitnehmen. Wir alle sind von diesen sogenannten Körperbildern von außen traumatisiert – insofern werden mir auch nie die Themen ausgehen. Es gibt noch so viel darüber zu sagen und zu singen.“
Eine echte Freundschaft
Am liebsten würde Päm trotz ihrer Liebe zum Lehren voll von der Musik leben können. „Das ist seit ein paar Jahren mein Plan, aber dafür bin ich noch zu sehr auf Sicherheit gepolt, um alles auf eine Karte zu setzen. Die Richtung stimmt und ich werde weiterhin alles geben. Würde es sich finanziell ausgehen, hätte ich wahrscheinlich schon vorgestern gekündigt.“ Zur steigenden Popularität Päms tragen nicht nur ihre Musik und die Social-Media-Auftritte bei, sondern auch die vielen Konzerte mit Seiler und Speer. „Das erste Mal waren wir im Mai 2024 unterwegs und heuer geht es wieder weiter – es funktioniert wirklich gut. Die Rolle als Support ist mir aber klar. In den 40 Minuten geht es darum, die Leute für den Hauptact anzuheizen und alles zu geben. Zwischen uns hat sich über die Zeit eine echte Freundschaft entwickelt, was ich sehr schätze. Ich kenne das in dem Geschäft auch anders, wurde früher schon mal absichtlich gedeckelt und runtergehalten.“
Päm live auf der Bühne
Am 13. März stellt Päm im Wiener Jo&Joe ihr neues Album live vor, danach ist sie mit Seiler und Speer auf Tour. Für manche der Termine gibt es sogar noch Restkarten. Unter www.päm.at finden Sie alle Termine, weitere Infos und die Möglichkeiten, ob und wie Sie noch an Karten kommen können.
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