Nach einer Reihe von Absagen und verbalen Rundumschlägen gegen den ORF ist es heute so weit: FPÖ-Chef Herbert Kickl ist – nach über zweijähriger Abstinenz – Gast in der „ZiB 2“. Anlass ist das einjährige Bestehen der Bundesregierung, zu dem der Blaue bereits im großen „Krone“-Interview Stellung nahm. Die Fragen stellt Margit Laufer, da Armin Wolf auf Urlaub weilt ... Die ÖVP warnt schon im Vorfeld vor „Totengräber“ Kickl.
Seinen bisher letzten Auftritt im „ZiB 2“-Studio am Wiener Küniglberg hatte der blaue Parteichef laut ORF-Auskunft am 10. Jänner 2024. Beim damaligen Jahreswechselinterview bezeichnete er das Jahr 2024 als „Jahr der Wende“, in dem die FPÖ bei der Nationalratswahl Platz eins erreichen wolle. Dies trat dann auch ein, wenngleich eine blaue Regierungsbeteiligung nicht zustande kam.
Seither mied Kickl die „ZiB 2“ wie der Teufel das Weihwasser, es gab Absagen am laufenden Band. Nur am traditionellen ORF-Sommergespräch Anfang September 2025 nahm der blaue Frontmann teil.
Der ORF und die FPÖ: Ziemlich beste Feinde
In den vergangenen Jahren ist der ORF (insbesondere „ZiB 2“-Anchorman Armin Wolf) für die FPÖ bekanntlich so etwas wie ein Feindbild geworden. Immer wieder wettern blaue Politiker u.a. gegen die Gagen der ORF-Mitarbeiter und gegen die Art der Berichterstattung. Stattdessen geben die Freiheitlichen in letzter Zeit lieber Interviews in dubiosen rechten (Online)-Medien – oder geben ihre Botschaften auf ihren eigenen Accounts in den sozialen Medien weiter. So wird in erster Linie kritischem Nachfragen ausgewichen. Eine seltene Ausnahme bildete zuletzt das Interview mit Herbert Kickl in der „Krone“, in dem er unter anderem über seine Kontakte zur ÖVP sprach.
Wolf legte offen: So oft lehnte Kickl „ZiB 2“ schon ab
Darüber mokierte sich unlängst sogar Armin Wolf, der in seinem Blog offenlegte, wie oft der FPÖ-Chef in der Vergangenheit Einladungen ausgeschlagen hatte. „Die FPÖ hat reichweitenstarke Parteimedien und verweigert unsere Einladungen nahezu immer. Herbert Kickl hat in den letzten Jahren mehr als 50 ,ZiB 2‘-Anfragen abgelehnt“, hielt Wolf fest. Bei der Interview-Serie mit den Parteivorsitzenden zum Jahreswechsel wurde der FPÖ-Chef von seinem Generalsekretär Christian Hafenecker ersetzt.
FPÖ-General: „Jammerei zeigt nur, wie weltfremd der ORF tickt“
Dieser schoss nach der Kritik Wolfs an Kickls Absagen prompt zurück. Die Jammerei und Zahlenspielerei des „ORF-Gagenkaisers“ würden zeigen, „wie weltfremd man am Küniglberg mittlerweile tickt“. Hafenecker weiter: „Im Gegensatz zu den Systempolitikern der Verlierer-Ampel und den Systemlautsprechern im ORF lebt Herbert Kickl nämlich nicht wie sie im Elfenbeinturm, sondern ist das ganze Jahr hindurch bei den Menschen und bekommt so einen guten Eindruck von ihren Sorgen und Ängsten.“
Herbert Kickl meldet sich immer dann zu Wort, wenn er etwas wirklich Wichtiges zu sagen hat.
FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker
Kanzler Christian Stocker (ÖVP), Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) und Außenministerin Meinl-Reisinger (NEOS) und Co. würden laut Hafenecker offenbar sofort auf Abruf ins ORF-Studio tingeln, um von dort aus die Menschen mit den immer gleichen leeren Ankündigungen zu verhöhnen, während sich Herbert Kickl immer dann zu Wort melde, wenn er etwas wirklich Wichtiges zu sagen habe.
Armin Wolf noch auf Urlaub
Doch nach 783 Tagen ist es nun wieder so weit: Kickl ist am Dienstagabend zu Gast in der „ZiB 2“. Moderatorin Margit Laufer führt das Interview, da Kickls Intimfeind Armin Wolf derzeit auf Urlaub weilt (siehe Posting unten). Das habe man, so die FPÖ gegenüber der „Krone“, bei der Zusage für den Termin nicht gewusst. Anlass für Kickls Auftritt ist das einjährige Jubiläum der Bundesregierung. Mit weiteren scharfen Attacken des Chefs der größten Oppositionspartei im Parlament gegen ÖVP, SPÖ und NEOS ist dabei auszugehen.
FPÖ-General fordert Neuwahlen
Schon am Dienstagvormittag lieferte FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz auf einer Pressekonferenz einen kleinen Vorgeschmack. Es sei „ein schlechtes Jahr für Österreich“ gewesen, fasste er seine Sicht zusammen. „Ein Jahr ist genug“, sagte er und forderte Neuwahlen. In allen Umfragen liegt die FPÖ derzeit auf Bundesebene haushoch auf Platz eins.
ÖVP schießt scharf gegen Kickl und FPÖ
Schon einige Stunden vor Kickls Auftritt in der „ZiB 2“ ließ die ÖVP ihren Unmut über den blauen Parteichef freien Lauf. Generalsekretär Nico Marchetti erinnerte am Dienstnachmittag daran, mit welchen europafeindlichen Forderungen sich Kickl selbst die Chance auf das Kanzleramt bei den Regierungsverhandlungen vor einem Jahr genommen hatte.
Die FPÖ lehnt die EU als Ganzes ab.

ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti
Bild: APA/TOBIAS STEINMAURER
„Totengräber der EU“
Im Zuge der ÖVP-FPÖ-Regierungsverhandlungen sei nämlich rasch klar gewesen: „Die FPÖ lehnt die EU als Ganzes ab. Und wenn Herbert Kickl in seiner Aschermittwochsrede von einem ,Staatsbegräbnis für diese EU‘ spricht und die FPÖ im Plenum dazu applaudiert, dann zeigt sie einmal mehr, dass sie zum Totengräber der Europäischen Union mutiert“, betonte Marchetti.
Auch Regierungsspitze im ORF
Übrigens: Bereits vor Kickls Auftritt in der „ZiB 2“ geben Bundeskanzler Christian Stocker, Vizekanzler Andreas Babler und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger den ORF-Moderatoren Susanne Schnabl und Klaus Webhofer ein ausführliches Interview zum einjährigen Bestehen der Bundesregierung. Gezeigt wird das Interview um 20.15 Uhr.
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