„Bin jetzt links“

Hetzjagd in U1: Musiker von Neonazis attackiert

Gericht
04.03.2026 16:43
Porträt von krone.at
Von krone.at

Gefährlich, skrupellos und erst 18 Jahre alt: Zwei Neonazis ist am Mittwoch am Wiener Landl der Prozess gemacht worden. Die Opfer: Zwei Österreicher, die nicht in das Weltbild des Duos passten. Der Abend endete für die beiden Musiker in einer Hetzjagd und schier endloser Gewalt ...

Von Gewalt und Aggression getrieben, zog eine Gruppe von mehreren Dutzend Neonazis, größtenteils vermummt, am Abend des 26. Juli 2025 durch die Wien. Ausgehend von einer Demo der Identitären in der Innenstadt, an der die Gruppe kurz zuvor teilgenommen hatte, stieg sie gegen 18 Uhr in eine U-Bahn der Linie U1 am Schwedenplatz ein.

Dort skandierten sie Parolen wie „Deutschland den Deutschen“ und „Ausländer raus“. Die späteren Opfer – ein 24-jähriger Tiroler mit nicht österreichischen Wurzeln und ein 22-jähriger Wiener – gerieten plötzlich ins Visier des Mobs.

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Ich bin seit meiner Kindheit, seit dem Kindergarten, mit Rassismus konfrontiert.

Der 24-jährige Tiroler vor Gericht

Hetzjagd trotz überfüllter U-Bahn
„Aufgrund meiner Herkunft oder meines Aussehens wurde ich deppert angeredet. Ich bin seit meiner Kindheit, seit dem Kindergarten, mit Rassismus konfrontiert. Schauen‘s mich an“, meinte der 24-Jährige in breitem Tirolerisch zur Richterin. Er habe zu einem der beiden Angeklagten nur „Lass mich in Ruhe“ gesagt, und „das Nächste, was ich seh‘, ist die Faust“. Dann seien „wie aus dem Nichts andere Leute auf mich zugestürmt und haben geschlagen und getreten.“ Man habe ihn auch angeschrien, „dass ich hier nicht willkommen bin.“

Der fassungslose Gesichtsausdruck des 22-Jährigen über die skandierten rechten Parolen in der stark gefüllten U-Bahn dürfte den jungen Mann ins Visier der Rechten getrieben haben, wie er vor Gericht angab. „Mich hat das schockiert. Ich konnte das nicht fassen“, so der junge Musiker. Homophobe Sprüche musste er zunächst über sich ergehen lassen, bis schließlich die Fäuste flogen.

Demonstrationen rechter Gruppen, wie etwa jene der Identitären, verlaufen in der Regel alles ...
Demonstrationen rechter Gruppen, wie etwa jene der Identitären, verlaufen in der Regel alles andere als friedlich.(Bild: APA/HERBERT P. OCZERET)

Mutiger Mann stellt sich Neonazis in den Weg
Kaum hielt die U-Bahn in der Station an, versuchten die Angegriffenen zu fliehen, der Mob war ihnen dicht auf den Fersen. Bei solchen Gewalttaten überrascht immer wieder die fehlende Zivilcourage – mit einer Ausnahme. Auf einem Video – das Bildmaterial der Wiener Linien wurde im Verhandlungssaal mehrfach abgespielt – war zu sehen, wie sich ein älterer Mann den Rechten couragiert in den Weg stellt und den Opfern „Lauft‘s!“ zuruft. Eine regelrechte Hetzjagd folgte: Eine weitere Sequenz zeigt, wie die Musiker durch die U-Bahn-Station Nestroyplatz Richtung Rolltreppe laufen und von mehreren Vermummten regelrecht gejagt werden.

Den beiden Opfern gelang es schließlich, sich in einem asiatischen Lokal zu verstecken und die Polizei zu alarmieren. Der 24-jährige Tiroler erlitt eine Fissur am Jochbein, starke Prellungen im Kopf- und Kieferbereich und am ganzen Körper: „Ich hab‘ vier Tage lang Schädelweh gehabt. Eine Woche konnte ich nix G‘scheites essen. Und psychisch war ich am Sand.“ Der 22-Jährige kam mit bloßen Prellungen glimpflicher davon.

Die Angeklagten waren grundsätzlich geständig, behaupteten jedoch, sie seien von den Opfern „provoziert“ worden und sie hätten sich über sie lustig gemacht. Die Gewalt gegenüber den Musikern räumten sie größtenteils ein. Auf die Frage nach dem Warum erwiderte einer „Weil ich dumm bin“. Im Unterschied zum Erstangeklagten distanzierte sich der Zweite vom Rechtsextremismus. 

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Ich fühl‘ mich nicht als gewalttätig.

Der 18-jährige Zweitangeklagte bei der Verkündung seines Urteils

Mildes Urteil für beide Angeklagten
Der 18-Jährige, der sich heute als „links“ bezeichnet, kam mit 20 Monaten bedingt und einer unbedingten Geldstrafe von 320 Euro, mit mehr als nur einem blauen Auge davon. Der bisher unbescholtene Angeklagte erhielt zwölf Monate bedingt – die beiden Urteile sind nicht rechtskräftig. Per gerichtlicher Weisung wurden beide Burschen zu einem Anti-Gewalt-Training sowie zur Teilnahme an einem Deradikalisierungsprogramm verpflichtet. Ersteres hielt der bisher Unbescholtene für unangebracht. „Ich fühl‘ mich nicht als gewalttätig“, sagte er.

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