Ein Jahr nach der Angelobung stellen die Wähler den Regierungsparteien ein ernüchterndes Zeugnis aus: ÖVP, SPÖ und NEOS erreichen in den Umfragen miteinander keine Mehrheit mehr. Vom Unmut der Österreicher profitiert vor allem die FPÖ, die noch einmal deutlich zugelegt hat.
Zu Amtsantritt standen noch 51,5 Prozent der Wähler hinter den drei Koalitionsparteien. Doch die Begeisterung der Wähler für die Regierung schwand ziemlich schnell: Schon ein halbes Jahr nach der Angelobung verloren die Regierungsparteien in Umfragen die mehrheitliche Zustimmung, wie der APA-Wahltrend zeigt.
Seit Anfang September 2025 liegt der Wert durchgehend unter der 50-Prozent-Marke. Jetzt, knapp ein Jahr nach Amtsantritt am 3. März 2025 würden nur noch 47,1 Prozent der Stimmen an die Koalitionsparteien gehen.
Kanzler-Partei ist größter Verlierer
Das größte Minus musste die ÖVP unter Kanzler Christian Stocker hinnehmen. Seit der Nationalratswahl im Herbst 2024 ging es etwas mehr als fünf Prozent nach unten. Laut Umfrage würden aktuell nur 21,2 Prozent der Wähler ein Kreuzerl bei der Volkspartei machen. Auch bei der SPÖ unter Andreas Babler zeigt der Trend nach unten: Nur noch 18 Prozent der Befragten würden die Sozialdemokraten wählen, das ist ein Minus von gut drei Prozent.
Die NEOS mit Parteichefin Beate Meinl-Reisinger sind zum ersten Mal in der Regierung, die Wähler hätten sich aber offenbar mehr erwartet. Aktuell sind die Pinken so unbeliebt wie seit 2020 nicht mehr. Nur noch 7,9 Prozent der Befragten würden die Partei aktuell wählen, 1,2 Prozent weniger als bei der Wahl 2024.
Opposition auf Höhenflug
Von den Verlusten der Regierungsparteien profitiert vor allem eine Partei: die FPÖ unter Parteichef Herbert Kickl. Im Herbst 2024 fuhren die Freiheitlichen ein Rekordergebnis von knapp 29 Prozent ein, jetzt unterstützen sogar noch mehr Österreicher die Partei. 35,9 Prozent sind es aktuell, rund ein Viertel mehr als bei der Nationalratswahl.
Die Grünen unter Bundessprecherin Leonore Gewessler sind in der Gunst der Wähler ebenfalls gestiegen und haben in den Umfragen sogar die NEOS überholt. Die kleinste Partei im Parlament kommt aktuell auf 9,4 Prozent. Für die KPÖ hat es im Herbst 2024 nicht für den Einzug ins Parlament gereicht, doch sie nähern sich der Vier-Prozent-Marke immer mehr an. Aktuell liegen die Kommunisten bei 3,8 Prozent.
Kein Einzelfall
Dass die Umfragewerte von Regierungsparteien in Krisenzeiten sinken, ist übrigens nicht ungewöhnlich. Die ÖVP-Grün geführte Vorgängerregierung verlor etwa ihre bei der Nationalratswahl 2019 gewonnene Mehrheit im ersten Corona-Winter Anfang Februar 2021 – rund ein Jahr nach ihrem Amtsantritt.
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