Seit exakt einem Monat steht die Druschba-Pipeline nach einem russischen Angriff still. Das blockiert nicht nur russische Lieferungen, sondern auch den Export ukrainischen Rohöls, wie jetzt Insiderinnen und Insider sagten. Vor der Beschädigung sei die Trasse genutzt worden, um eigenes Öl in die EU zu leiten.
Das war bisher nicht öffentlich bekannt. Der Lieferstopp entzieht der Ukraine damit dringend benötigte Einnahmen, um ihr Haushaltsdefizit zu decken. Laut ukrainischen Angaben wurden Pumpstationen bei einem russischen Angriff beschädigt. Zuvor soll das Land laut einem Insider monatlich rund 40.000 Tonnen Erdöl im westukrainischen Brody in das Netz eingespeist haben. Dieses Öl sei dann in den Raffinerien des ungarischen Energiekonzerns MOL verarbeitet worden, sagte er weiter.
Seit dem 27. Jänner ruhen nun die Lieferungen über die Pipeline nach Ungarn und in die Slowakei. Das hat zu erheblichen diplomatischen Spannungen geführt. Während die meisten EU-Staaten kein russisches Öl mehr importieren, sind die beiden Länder weiterhin darauf angewiesen. Die Regierungen werfen der ukrainischen Regierung vor, die Reparatur der Leitung absichtlich zu verzögern. Ungarns Regierung blockiert auch deshalb einen EU-Kredit über 90 Milliarden Euro für Kiew sowie neue Sanktionen gegen Russland.
Luft- und Seeweg blockiert
Für das Kriegsland ist die Situation prekär. Seit Beginn der russischen Invasion vor vier Jahren unterliegen Informationen zur Ölverarbeitung und zum Export der Geheimhaltung. Bekannt ist jedoch, dass das russische Militär seit Februar 2022 gezielt ukrainische Raffinerien angegriffen hat. Die Zerstörung der letzten verbliebenen Verarbeitungskapazitäten Mitte 2025 zwang das Land dazu, Treibstoff zu importieren und für das eigene Rohöl Exportwege zu finden. Da der Luft- und Seeweg blockiert ist, blieb nur die Druschba-Pipeline.
Diese wurde in den 1960er-Jahren gebaut und zählt zu den längsten weltweit. Ihre Bedeutung hat seit dem Kriegsbeginn aber stark abgenommen. Der südliche Strang, der durch die Ukraine führt, verzeichnete 2025 laut dem Beratungsunternehmen Expro mit 9,7 Millionen Tonnen ein Zehnjahrestief beim Transitvolumen. Davon gingen 4,9 Millionen Tonnen in die Slowakei und 4,35 Millionen Tonnen nach Ungarn. Tschechien stoppte den Bezug von russischem Öl im April 2025.
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