Appelle zum Dialog
Papst in Nahost: Dichtes Programm, starke Gesten
Der Papst nutzte ein Treffen mit dem islamischen Großmufti von Jerusalem, Mohammed Hussein, zu seinem Appell zum Dialog vor dem Felsendom (Bild). Franziskus erinnerte daran, dass sich alle drei monotheistischen Religionen von ihrem gemeinsamen Erzvater, dem Propheten Abraham, ableiten.
Vom Tempelberg begab sich der Papst zur Klagemauer. Dort verharrte er einige Minuten in stillem Gebet, bevor er einen Zettel in einem Umschlag in die Mauerritzen steckte. Aus dem Vatikan hieß es, darauf sei das Vaterunser auf Spanisch notiert.
Unorthodoxe Ziele: Herzl-Grab, Terror-Mahnmal, Sperrwall
Mit Genugtuung wurde in Israel registriert, dass Franziskus anschließend als erster Papst nicht nur einen Kranz am Grab von Theodor Herzl, dem Begründer des modernen Zionismus, niederlegte, sondern auch das nahe gelegene Mahnmal für Terroropfer besuchte. Damit balancierte er eine ähnlich starke Geste vom Vortag aus, als er in Bethlehem an der israelischen Sperrmauer gebetet hatte. Ihr Bau war 2002 als Reaktion auf den Aufstand der Palästinenser begonnen worden. Die Sperranlage verläuft oft nicht entlang der international anerkannten Staatsgrenze, sondern zwischen den palästinensischen Ortschaften und israelischen Siedlungen in den seit 1967 besetzten Gebieten.
Nach dem laut Medienberichten von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vorgeschlagenen Abstecher zum Denkmal für die Attentatsopfer besuchte der Papst die benachbarte Holocaustgedenkstätte Yad Vashem. Dort bezeichnete er die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis als "unmenschlichen Abgrund". Danach traf sich Franziskus mit den beiden jüdischen Großrabbinern David Lau und Yitzhak Josef.
Gemeinsames Gebet Peres - Abbas im Vatikan dürfte stehen
Bei einem Empfang in seiner Residenz nahm der israelische Staatschef Shimon Peres die Einladung an, gemeinsam mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas im Vatikan für Frieden im Nahen Osten zu beten. "Gerne treffen wir uns zum Gebet in unserem Haus oder im eurigen, so, wie Sie es bevorzugen", sagte Peres. Franziskus hatte die Einladung am Sonntag überraschend bei einer Messe in Bethlehem ausgesprochen. Abbas hatte sie kurz darauf angenommen und will nun am 6. Juni nach Rom reisen.
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