Am Aschermittwoch waren die Bergretter erneut wegen zahlreicher Lawinenabgänge in ganz Österreich im Einsatz. Bis zum Nachmittag wurden allein in Tirol über 30 Lawinen gemeldet. Inzwischen sind zwei Tote in Tirol und ein Toter in Vorarlberg zu beklagen. Mehrere Abgänge wurden auch in Salzburg gemeldet – stets ausgelöst von Wintersportlern.
Die erste Alarmmeldung ging um kurz vor 11 Uhr ein. „Lawine im alpinen Gelände, eine Person verschüttet“, lautete der Einsatztext für Kirchberg in Tirol. „Es wird derzeit im Bereich Brunn nach einer verschütteten Person gesucht“, teilte der Schichtleiter der Leitstelle auf Nachfrage mit. Am Sucheinsatz waren zwei Hubschrauber und die Bergrettung beteiligt.
Laut den Bergbahnen Kitzbühel war es im Bereich Pengelstein zu dem Lawinenabgang gekommen. Zwei 20-jährige Österreicher waren im freien Skiraum unterwegs. Als einer der beiden in einen steilen Hang einfuhr, setzten sich plötzlich die Schneemassen in Bewegung und rissen ihn rund 250 Meter über eine schmale Rinne talwärts.
„Als die Lawine zum Stillstand kam, begann der zweite 20-Jährige mit seinem LVS-Gerät mit der Suche und Lokalisierung. Sechs weitere Freerider, welche den Vorfall ebenfalls bemerkten, kamen sofort zu Hilfe“, heißt es seitens der Polizei. Nach rund 20 Minuten konnte der Verschüttete in einer Tiefe von über zwei Metern ausgegraben und geborgen werden. Nach einer rund dreiminütigen Reanimation konnte der Herz-Kreislauf wiederhergestellt werden, der 20-Jährige wurde in weiterer Folge in die Klinik Innsbruck gebracht. Er liegt lebensbedrohlich verletzt auf der Intensivstation.
Zwei Personen wurden komplett und eine teilverschüttet.
Der Schichtführer der Leitstelle Tirol
Drei Verschüttete auch in Fiss
Nur wenige Minuten später – um kurz nach 11 Uhr – kam schon die nächste Einsatzmeldung daher. In Fiss wurden drei Verschüttete gemeldet. „Zwei Personen wurden komplett und eine teilverschüttet“, so der Schichtleiter. In Fiss standen vier Hubschrauber sowie mehrere Bergrettungen und Hundestaffeln im Einsatz. Laut den Fisser Bergbahnen war es im Bereich der Adlerroute, einer gesperrten Skiroute, zu dem Abgang gekommen.
Nur zwei Wintersportler mit LVS-Gerät
Drei Niederländer im Alter von 71 und 41 Jahren (Vater und Sohn) sowie 34 Jahren lösten bei der Abfahrt eine rund 50 Meter breite Schneebrettlawine aus. Nur die zwei Jüngeren waren mit einem LVS-Gerät ausgestattet. „Der 41-Jährige wurde teilverschüttet, er konnte sich selbst befreien und einen Notruf absetzen. Ihm gelang es, den vollständig verschütteten 34-Jährigen zu orten und auszugraben“, erklären die Ermittler. Der 71-Jährige jedoch konnte erst nach rund einer Stunde von einem Lawinensuchhund rund 300 Meter unterhalb des Lawinenabrisses in den Schneemassen aufgespürt und in der Folge von den Helfern ausgegraben werden.
Reanimationsversuche ohne Erfolg
Nach etwa 20-minütigen Reanimationsmaßnahmen durch zwei Notärzte vor Ort konnte nur noch der Tod des Mannes festgestellt werden. Der Leichnam wurde mit dem Hubschrauber des Innenministeriums ins Tal geflogen. Mit erheblichen Verletzungen wurde der 41-Jährige mit dem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus nach Zams und der 34-Jährige von der Bergrettung zu einem Arzt ins Tal gebracht.
Tourengeher starb im Navistal
Am frühen Nachmittag ging dann laut Exekutive auch im Navistal, einem Seitental des Wipptals, im Bezirk Innsbruck-Land ein Schneebrett ab. Zwei Tourengeher – ein 43-jähriger und ein 50-jähriger Deutscher, drehten am Weg auf den Geier (2857 m) aufgrund der Lawinengefahr um. Bei der Abfahrt lösten sich dann aber die Schneemassen und rissen beide Männer mit.
„Ein 43-Jähriger wurde total verschüttet, der andere teilverschüttet“, heißt es seitens der Polizei. Der Teilverschüttete konnte sich selbst befreien, grub anschließend seinen Kollegen aus und begann ihn zu reanimieren. Der Notarzt eines Rettungshubschraubers setzte dann die Reanimation weiter fort. Doch der 43-jährige Deutsche verstarb noch an der Unfallstelle.
Ein Toter in Vorarlberg
Auch Vorarlberg meldete einen Toten nach einem Lawinenabgang. Zu Mittag ist der Wintersportler verschüttet und noch an der Unfallstelle verstorben, wie die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle bestätigte. Details zum Unfallhergang und zur Identität waren vorerst nicht bekannt.
Am Mittwoch herrschte in ganz Westösterreich eine sehr heikle Lawinensituation vor. Laut Leitstelle Tirol wurden bis zum frühen Nachmittag allein in diesem Bundeslang mehr als 30 Lawinenabgänge gemeldet. Betroffen waren vor allem die Bezirke Landeck, Schwaz und Kitzbühel. In 14 Fällen standen Notarzthubschrauber im Einsatz. In vielen Fällen konnten nach Angaben der Polizei letztlich keine Verschütteten festgestellt werden.
Wie berichtet, galt am Mittwoch die vierte Warnstufe auf der fünfstufigen Skala. Dabei können ausgeprägte Schwachschichten im Schnee leicht ausgelöst werden. Für Aktivitäten abseits der gesicherten Pisten wurden die Verhältnisse als „gefährlich“ beschrieben.