Annemarie Moser-Pröll

Ski-Ikone: „Leuten durch Sport Freude gemacht“

Salzburg
01.02.2026 08:00

Im Rahmen der Olympia-Serie stattete die „Krone“ auch Österreichs Jahrhundertsportlerin Annemarie Moser-Pröll einen Besuch ab. Im Gespräch schwelgte die Ausnahmefahrerin in Erinnerungen an die Olympischen Spiele 1980, aber auch an das Wiedersehen mit ihrer Mutter. 

„Frau Annemarie, was für eine Ehre.“ Dass Annemarie Moser-Pröll in der Öffentlichkeit angesprochen wird, ist keine Seltenheit. Schon gar nicht in Kleinarl, ihrem Heimatort. Unweit der Siegertafel, die ihr bei der Talstation gewidmet ist, wird sie trotz Sonnenbrille gleich erkannt. „Aber es ist doch viel schöner, wenn einen die Leute mögen“, erklärt die 72-Jährige, die nicht zuletzt wegen ihres größten Erfolgs bei den Olympischen Spielen eine absolute Ausnahmeerscheinung in der Geschichte ihres Sports ist. Dabei begann ihre Zeit im Zeichen der fünf Ringe mit unschönen und enttäuschenden Erfahrungen...

„Wahnsinn, was wir in Sapporo herausgeholt haben“
1972 war die Pongauerin unter dem Nachnamen Pröll im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal bei den Spielen dabei. Die Disqualifikation von Karl Schranz im japanischen Sapporo hatte enorme Auswirkungen auf das österreichische Aufgebot. „Es ist alles daneben gegangen. Sie haben uns nur einen Trainingslauf gewährt. Wir waren zum Verlieren verurteilt“, blickt die erklärte Topfavoritin für die Abfahrt und den Riesenslalom zurück. Am Ende wurde sie jeweils Zweite hinter der Schweizerin Marie-Theres Nadig. „,Nur Silber‘ haben alle gesagt – dabei war es Wahnsinn, was wir noch rausgeholt haben.“

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„Nur Silber“, haben alle gesagt. Dabei war es Wahnsinn, was wir noch herausgeholt haben.

Annemarie Moser-Pröll über die Olympischen Spiele 1972. 

Nach einer Olympia-Pause 1976 war Moser-Prölls Mission am Ende ihrer Karriere alles einem Ziel untergeordnet. „Ich wollte mit der Goldenen aufhören. Diesen Gedanken habe ich nie verloren“, erinnert sich die 72-Jährige an die Vorbereitung im Sommer auf die Saison 1979/80. Zur Unterstützung reisten viele bekannte Gesichter dann mit ihr nach Lake Placid. „15 Männer aus Kleinarl sind mitgeflogen. Darunter mein Mann, der Bürgermeister, auch ein Koch eines großen Hotels mitten in der Hauptsaison. Der hat zu seiner Mutter gesagt, dass er nur ein paar Tage weg ist. Letztendlich war er zwei Wochen drüben“, erinnert sich die Siegerin von 62 Weltcuprennen. Sie war die erste Fahrerin im Skizirkus, die einen Fanclub hatte. „Das waren alles Freunde. Die haben mich zum Olympiasieg getrieben.“

Mit der „Krone“ schwelgte die Siegerin von 62 Weltcuprennen in Erinnerungen.
Mit der „Krone“ schwelgte die Siegerin von 62 Weltcuprennen in Erinnerungen.(Bild: Sebastian Steinbichler)

„Habe mir einen Föhn mitgenommen“
Doch auch das Gefühl für die letzte Mission passte perfekt. Im ersten Training sei sie bereits vier Sekunden voraus gelegen. Dennoch überließ sie am Tag X nichts dem Zufall. Minus 22 Grad Celsius habe es damals in den USA gehabt. „Ich habe Angst gehabt, dass mir der Skischuh wegen der Kälte zu hart wird. Deshalb habe ich mir einen Föhn im Rucksack mitgenommen, um den ein bisschen aufzuwärmen“, sagt die Allzeitgröße. Dazu kam enormes Vertrauen in ihre beiden Servicemänner. Diese entschieden sich anstelle des bereits siegreichen Blei-Skis für ein Modell, mit dem die Ausnahmekönnerin noch kein Rennen gefahren war. „Ich war überrascht, habe mich aber schnell gefangen. Die Entscheidung war die richtige“, sagte Österreichs Jahrhundertsportlerin.

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Ich habe Angst gehabt, dass mir der Skischuh zu hart wird. Deshalb habe ich mir einen Föhn im Rucksack mitgenommen, um den ein bisschen aufzuwärmen.

Annemarie Moser-Pröll über die Vorbereitung vor der Gold-Fahrt. 

Mit einem Lächeln sei sie am Start gestanden und habe der Start-Uhr beim Runterzählen zugeschaut. „Ich war so entschlossen.“ Das Ergebnis ist bekannt. Moser-Pröll kürte sich vor Hanni Wenzel (Liechtenstein) und Langzeitkonkurrentin Nadig zur Olympiasiegerin. Acht Jahre nach den bitteren Niederlagen war ein Gefühl ganz stark: Genugtuung.

Marie-Theres Nadig kommt jährlich zu Besuch
Gemeinsam mit Skispringer Toni Innauer, der am selben Tag Gold gewonnen hatte, ging es zur Siegerehrung. Die Österreicherin trug dabei ein Dirndl, das sie bei der Einkleidung des heimischen Teams bekommen hatte. Trotz eiskalter Temperaturen. „Ich war so stolz“, erinnert sie sich. Beim anschließenden Abendessen in einem Restaurant („Königin Silvia von Schweden ist im gleichen Restaurant gesessen“) saß auch ihre Konkurrentin Nadig, auf Einladung des Kleinarler Fanklubs. Bis heute hat die sechsfache Gesamtweltcupsiegerin ein gutes Verhältnis zur Schweizerin. „Sie kommt einmal im Jahr zu mir und wir gehen gemeinsam Skifahren“, erzählt die Weltwintersportlerin des 20. Jahrhunderts.

1980 raste die Salzburgerin in Lake Placid zu Olympia-Gold in der Abfahrt.
1980 raste die Salzburgerin in Lake Placid zu Olympia-Gold in der Abfahrt.(Bild: Gerhard Schiel)

Bis heute erinnert sie sich auch an das Wiedersehen mit ihrer Mutter nach der Rückkehr aus den USA. Dieser seien die Tränen nur so heruntergeflossen. „Ich habe ihr gesagt: Mama, du brauchst nicht weinen, jetzt bin ich wieder da“, sagt die Sport-Legende, die als Erste in ihrer Familie mit dem Skisport begonnen hat. „Meine Mutter hat so einen Weitblick gehabt. Ich war die Erste, die so Ski gefahren ist. Sie hat mir die Kurse bezahlt und mir alles ermöglicht. Es ist schön, dass die Eltern das erleben haben dürfen.“

Frauengruppe staunt, als sie die Ausnahmefahrerin sehen
Und wenn sie sich nicht selbst erinnert, dann übernehmen das die Leute, die ihr begegnen. Wie eine kleine Freundesgruppe aus dem Lungau, die sich bei der Kleinarler Talstation zufällig gegenüber hinsetzt. Die Frauen trauen ihren Augen nicht. Sie sitzen mit ihrer früheren Heldin am gleichen Tisch. „Das ist so eine Ehre“, staunen sie. Österreichs erfolgreichste Skifahrerin winkt fast schon bescheiden ab. Was denkt sich Moser-Pröll bei diesen Begegnungen, die oft von Freudentränen auf der Gegenseite geprägt sind? „Eigentlich hast du vielen Leuten durch den Sport eine Freude gemacht.“

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