„Krone“ Olympia-Serie

Stangassinger: „Goldene liegt bei mir im Keller“

Salzburg
31.01.2026 08:00

Wird er zum Retter der Nation?“, fragte die „Krone“ 1994 vor dem Olympia-Slalom dem Herren. „Er“, das war Thomas „Stani“ Stangassinger. Die Ski-Stars waren bis zum letzten Rennen ohne Goldmedaille geblieben. Der Stilist aus Dürrnberg bei Hallein, galt als große Hoffnung aus rot-weiß-roter Sicht. „Ich kann mich noch an diese Schlagzeile erinnern“, lacht der heute 60-Jährige 32 Jahre später. Ob er dadurch Druck verspürte? „Null“, stellt er sofort klar. „Ich habe im Umfeld vernommen, dass es Druck gab. Mich hat das aber nie gestört.“ Sein pragmatischer Ansatz lautete stets, bei jedem Rennen das Beste rauszuholen und es dann abzuhaken. „Ganz umkompliziert“, fügt er an.

So ging er auch am 27. Februar ’94 an die Sache heran. Und zauberte im ersten Durchgang einen Traumlauf in den norwegischen Schnee. 84 Hundertstel lag er vor Kjetil Andre Aamodt, Superstar Alberto Tomba lag sogar 1,84 Sekunden zurück. Dem ging ein taktischer Kniff voraus. In den Rennen zuvor taten sich die vorderen Nummern schwer. In Absprache mit Cheftrainer Werner Margreiter wählte der damals 27-Jährige daher die verhältismäßig hohe „8“. „Der spinnt, hieß es gleich“, erinnert sich Stangassinger. „Dabei haben wir alles richtig gemacht. Aber wehe, es wäre nicht aufgegangen“

Ausfall um Ausfall
Der zweite Lauf stand ihm aber noch bevor. Tomba hatte eine „La Bomba“-Zeit hingelegt, an der sich alle die Zähne ausbissen. Stangassinger machte sich langsam oben bereit, als das Startintervall sich verkürzte. Thomas Sykora, Vierter zur Halbzeit, schied aus. Peter Roth (3.) fädelte schon beim zweiten Tor ein. Und auch Aamodt erwischte es beim zweiten Schwung. „Die ersten Tore waren fast senkrecht und vereist“, berichtet „Stani“. „Normalerweise hätte ich mehr Zeit gehabt, aber durch die Ausfälle war ich binnen kürzester Zeit dran.“ Bei immer diffuser werdendem Licht hielt er Tomba in Schach und gewann 0,15 Sekunden vor dem Italiener die so heiß ersehnte Goldmedaille.

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Die vielen Ehrungen waren mir nicht recht. Wir hatten ja noch Rennen. Dieser Empfang hat mir aber viel gegeben

Thomas Stangassinger

„Es war eine Genugtuung im Ziel“, verrät Stangassinger. Der nicht groß jubelte, sich lieber innerlich freute. „So ist mein Naturell.“ Beim Empfang in Hallein wurde aber selbst er emotional. „Die vielen Ehrungen waren mir nicht recht. Wir hatten ja noch Rennen. Dieser Empfang hat mir aber viel gegeben.“ Mit dabei: die vierjährige Anna Fenninger, die 20 Jahre später selbst Gold erobern sollte.

Aus seinen Trophäen hat sich der „Retter der Spiele 1994“ indes nie viel gemacht. „Die sind alle im Keller in Schachteln“, sagt er. „Das ist Vergangenheit. Ich lebe lieber im Hier und Jetzt.“ Ganz pragmatisch eben.

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