Konjunkturbarometer

Vorarlberger Industrie zwischen Hoffen und Bangen

Vorarlberg
28.01.2026 16:30
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Die aktuelle Konjunkturumfrage unter den Vorarlberger Industriebetrieben zeichnet zwar weiterhin ein ziemlich ernüchterndes Bild, aber immerhin gibt es auch einen Lichtblick: die Metall- und Maschinenindustrie.

Die Talsohle scheint durchschritten: Der Geschäftsklima-Index, gewissermaßen das Stimmungsbarometer der Vorarlberger Industrie, liegt für das 4. Quartal 2025 mit 13 Prozentpunkten erstmals seit dem 2. Quartal 2022 wieder deutlich im positiven Bereich. Knapp die Hälfte (46 Prozent) der befragten Unternehmen spricht von einer aktuell guten Geschäftslage, für 34 Prozent ist sie durchschnittlich, 20 Prozent beurteilen sie als schlecht. Über den Export gibt es allerdings kaum Wachstumsimpulse, die Auslandsaufträge bleiben auf niedrigem Niveau. Dafür erwarten aber immerhin 42 Prozent der Unternehmen steigende Verkaufspreise. „Es scheint, als gelinge es, die deutlich gestiegenen Kosten zumindest teilweise wieder in den Produktionspreisen unterzubringen“, erläutert Industrie-Spartenobmann Markus Comploj.

Miese Stimmung in der Elektronikbranche 
Dieser dezente Optimismus findet aber in Sachen Beschäftigung keinen Widerschein: Nur vier Prozent der Betriebe wollen ihren Personalstand in den kommenden drei Monaten erhöhen, 18 Prozent gehen von einer Reduktion aus. Auffallend ist, dass sich die positiven Entwicklungen vor allem auf die Maschinen- und Metallindustrie konzentrieren – in dieser Branche hat sich der Saldo von 9 auf 75 Prozent-Punkte verbessert. Am stärksten unter Druck steht nach wie vor die Elektro- und Elektronikindustrie: „51 Prozent beurteilen die aktuelle Geschäftslage als schlecht. In sechs Monaten wird sich das kaum verbessern“, sagt Simon Kampl, Geschäftsführer der Vorarlberger Industriellenvereinigung. Im Gegensatz zu den anderen Branchen herrscht auch bezüglich der Ertragslage keine Zuversicht, 43 Prozent der befragten Unternehmen rechnen damit, dass die Verkaufspreise in drei Monaten fallen werden. Daher erstaunt es kaum, dass über 80 Prozent der Elektronikunternehmen von sinkenden Personalständen ausgehen.

Stabile Lebensmittelindustrie
Auch für die Verpackungsindustrie gibt es nach wie vor keine Entwarnung: „Diese Branche ist von anderen abhängig und ein Indikator für die Industrie. 51 Prozent schätzen ihre derzeitige Geschäftslage und Ertragslage als schlecht ein“, so Kampl. In der bereits seit Längerem arg gebeutelten Vorarlberger Textilindustrie ist zumindest eine leichte Erholung auszumachen: Der Saldo zur derzeitigen Geschäftslage stieg von minus 44 auf minus 28 Prozentpunkte, liegt aber immer noch deutlich im negativen Bereich. Fels in stürmischer See bleibt die heimische Lebensmittelindustrie, die auch in den vergangenen Rezessionsjahren gute Geschäfte gemacht hat: Nur fünf Prozent der Unternehmen in dieser Branche beurteilen die aktuelle Geschäftslage als schlecht.

Comploj: „Die fetten Jahre sind vorbei!“
Angesichts des sehr breiten Stimmungsbildes betont Comploj, dass von einer tragfähigen Erholung noch keine Rede sein könne. Dass die Bundesregierung mit der Industriestrategie und dem FTI-Pakt (Forschung, Technologie und Innovation) jüngst zwei Initiativen auf den Weg gebracht hat, wertet der Spartenobmann positiv, zugleich mahnt er aber auch zu einer raschen Umsetzung. Die geforderte „Gegenfinanzierung“ bei den Lohnnebenkosten müsse aus dem öffentlichen Sektor selbst kommen, da der Staatsanteil in den letzten Jahren „völlig aus dem Ruder gelaufen ist“, so Comploj. Dazu gehörten auch unbeliebte Maßnahmen wie die Anhebung des Pensionsantrittsalters, „denn die fetten Jahre sind vorbei“.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt